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Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz: Eine Publikation des Hirmer Verlags untersucht die Programmidee einer fürstlichen Sammlung und ihres Aufbewahrungsortes

Vergewisserung alter Werte



Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz

Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz

Im April 1505 stellte der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise Lucas Cranach d.Ä. als Hofmaler ein. Von nun an entwickelte sich in Wittenberg eine produktive Malerwerkstatt unter der Führung von Vater und Sohn Cranach. Sie war über 80 Jahre tätig, wirkte stilbildend und lieferte ihre Werke in alle Himmelsrichtungen. Die geografische Nähe brachte es mit sich, dass die beiden Cranachs auch die Fürsten von Anhalt-Dessau bedienten und sich dort bereits im 16. Jahrhundert ein bedeutender Teil ihrer Arbeiten befand. Im 18. Jahrhundert sammelte Fürst Leopold Friedrich Franz schließlich gezielt Gemälde dieser beiden Künstler und vereinigte sie im Gotischen Haus in Wörlitz.


Anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranach d.J. präsentierte die Kulturstiftung Dessau Wörlitz letztes Jahr die Schau „Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz“ als Teil der Landesausstellung „Cranach der Jüngere 2015“ in Sachsen-Anhalt. Ziel war es, die ursprüngliche Raumausstattung wiederherzustellen und deren gestalterische Absichten zu entschlüsseln. Im Zentrum der Betrachtungen standen dabei nicht die beiden Maler, sondern die Einbindung ihrer Werke in das Gesamtensemble um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Begleitend zur Schau erschien ein gleichnamiger Band, der in vier Kapiteln sowohl die Architektur des Gotischen Hauses als auch dessen Gemäldesammlung leicht verständlich beleuchtet.

Der erste Themenbereich widmet sich dem Bauwerk als Sammlungsort. Entstanden ist das Gotische Haus 1773 als Teil eines Landschaftsparks nach englischem Vorbild. Es sollte dem Fürsten Leopold Friedrich Franz als Rückzugs- und Aufbewahrungsort seiner Sammlung an Gemälden, Grafiken, Zeichnungen, Glasscheiben, Waffen, Rüstungen, Möbeln sowie sonstigen Raritäten dienen. Da die Kollektion immer weiter wuchs, kam es bis 1813 zu zwei umfassenden Erweiterungen des Gebäudes. Sehr ausführlich thematisiert Ingo Pfeifer in seinem Artikel den Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, der eigentlich als ein ausschließlich klassizistischer Architekt galt und trotzdem dieses gotische Werk entwarf. Leider fehlen Briefe, Zeichnungen und andere Dokumente, sodass als Quelle nur das Bauwerk selbst bleibt. Vorzufinden ist eine teilweise klassizistische Gestaltung der Innenräume, die sich in die neugotische Architektur einfügt. Pfeifer merkt an, dass sich auch Erdmannsdorff nicht den Wünschen seines Fürsten nach neugotischer Architektur verschließen konnte.

Dem englischen Einfluss widmet sich das zweite große Kapitel des Katalogs. Die Vorliebe des Fürsten für England, den englischen Landschaftsgarten und die englische Neugotik wird in der Forschung teilweise nicht als rein ästhetisches Phänomen, sondern als politisches Bekenntnis gedeutet. Dass er mit den Bauherren der englischen „Country Houses“ die politischen Werte teilte, bleibt jedoch ohne Beleg, da sich von ihm keine Äußerungen über sein politisches Weltbild erhalten haben. In den folgenden Artikeln erörtern Andreas Pecar, Megan Aldrich und Stephen Bann eingängig, inwieweit die Country Houses „Strawberry Hill“ und „Stowe House“ als Inspiration für den Bau in Wörlitz in Frage kommen.

Einen Einfluss Englands anderer Art bespricht Wolfgang Savelsberg. Neben Cranach ist kein anderer Künstler so häufig im Gotischen Haus vertreten wie Hans Holbein d.J. Die besondere Vorliebe des Fürsten für den englischen Holbein führt die Ausstattung des Speisezimmers vor Augen: An der Decke und auf beiden Seiten neben dem Fenster und der Tür befinden sich 29 Grafiken nach Portraitzeichnungen von ihm. Während seiner Zeit in England malte Holbein etwa ein Fünftel des englischen Adels sowie zahlreiche Nichtaristokraten. Als Vorbild für die raumbestimmende Anbringung im Speisezimmer nennt der Autor die „Holbein Chamber“ in Horace Walpoles „Strawberry Hill“ in Twickenham.

Dem dritten Themenbereich vorangestellt sind die farbenprächtigen Wandpanoramen des Rittersaals, der Bibliothek, des Kriegerischen und Geistlichen Kabinetts sowie des Speisezimmers. Die qualitativ hochwertigen Abbildungen vermitteln dem Leser – auch ohne vor Ort zu sein – einen Eindruck von der Raumwirkung, die von den Gemälden bestimmt wird. Jeweils auf der linken Seite ist die Ansicht einer Wand abgebildet, auf der rechten sind die dazugehörigen Werkangaben verzeichnet, sofern sie bekannt sind.

Einen weiteren Bereich widmen die Autoren der Gemäldeausstattung des Gotischen Hauses in Wörlitz. Zunächst referiert Reinhard Melzer den Cranach-Bestand und geht auf die Problematik ein, dass es bislang keine alten geschriebenen Inventare des Hauses aus der Frühzeit gibt. In jüngeren Quellen reichen die Angaben zum Umfang der Cranach-Werke von 12 bis 32. Erschwerend kommt hinzu, dass die Joachim-Ernst-Stiftung Anfang 1919 das Haus übernahm und einen Teil der Malereien an die herzogliche Familie gab. Für den Aufbau des Anhaltischen Museums entnahm sie in den 1920er Jahren weitere Gemälde. Heute befinden sich noch zwölf Arbeiten Cranachs, eine Fälschung und sieben Kopien nach Cranach im Gotischen Haus. Eine intensivere Betrachtung erfahren die beiden Werke „Urteil des Paris“ und „Die Gerechtigkeit des Kaisers Trajan“.

Auf Ausführungen zu der großen Glasgemäldesammlung mit Scheiben aus der Spätgotik bis zum ausgehenden 17. Jahrhundert folgt eine Vorstellung Carl Heinrich von Heineken, der 1755 ein Konvolut an 173 Gemälden aus dem Bildervorrat der Königlichen Gemäldegalerie in Dresden ankaufte, von denen ein Fünftel Cranach-Werke gewesen sein sollen. Der letzte Themenbereich stellt vergleichende Bezüge zwischen Berliner Architekten und dem Gotischen Haus her. Dieter Dolgner geht hierfür näher auf Carl Gotthard Langhans, Friedrich Gilly und Karl Friedrich Schinkel ein.

Einen weiteren Untersuchungsgegenstand bilden die Beziehungen von Architektur und der Rezeption altdeutscher Kunst zum politischen Handeln der deutschen Fürsten gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Diese untersucht Georg Schmidt dahin gehend, inwieweit der Fürstenbund und die Reichsreform einen Rückgriff auf die Gotik und altdeutsche Kunst hervorgerufen haben. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Gotische Haus in Wörlitz nicht entstand, um venezianische Fassaden oder englische Landhäuser nachzuahmen, sondern um sich der eigenen Tradition in einer zeitgemäßen Umgebung zu vergewissern. Altes und Neues können demnach eine neue Vorbildhaftigkeit erzeugen und nicht nur miteinander harmonieren. So ist das Haus, die „Schatzkammer Anhalts“, samt seiner Ausstattung nicht als ein Zurück ins Mittelalter sondern vielmehr als aktuelle Vergewisserung alter Werte zu verstehen. Den Abschluss des informativen und ansprechend gestalteten Katalogs bilden historische Innenaufnahmen des Gotischen Hauses sowie ein kurzer Abschnitt über dessen Zugänglichkeit im 18. und 19. Jahrhundert.

Cranach im Gotischen Haus in Wörlitz
Herausgeber: Kulturstiftung Dessau Wörlitz
Hirmer Verlag, München, 2015
288 Seiten, 207 Abbildungen meist in Farbe, Preis 39,90 Euro

Kontakt:

Kulturstiftung Dessau Wörlitz

Schloss Großkühnau

DE-06846 Dessau

Telefon:+49 (0340) 64 61 50

Telefax:+49 (0340) 64 61 510

E-Mail: ksdw@ksdw.de



03.02.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Maren Janka Hopp

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Der „Rittersaal“ im Gotischen Haus

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