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Zwei neue Architekturführer vermitteln aufschlussreiche Fakten zu wegweisenden Bauten im Ruhrgebiet

Kompakte Ciceroni zur Baukunst im Revier



Axel Föhl: Architekturführer Ruhrgebiet

Axel Föhl: Architekturführer Ruhrgebiet

Neben den bildenden Künsten, der Musik, dem Theater oder der Literatur soll im Jahr der Kulturhauptstadt Metropole Ruhr auch die Baukunst angemessen gewürdigt werden. Signifikante neue Projekte wie das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen im Duisburger Binnenhafen, mehrere Museumseröffnungen wie David Chipperfields Museum Folkwang in Essen bis hin zur gerade eröffneten Konzernzentrale der Thyssen-Krupp AG sorgten unlängst für Furore. Doch entgegen der landläufigen Erwartungshaltung begegnet man im Pott einem zeitlich weit gespannten Bogen erstrangiger Bauten. Beginnend mit mittelalterlichen Burgen und Kirchen setzen die Leistungen schon lange vor den industriell geprägten letzten 200 Jahren ein und bilden das gesamte Spektrum der Baukunst fast enzyklopädisch ab.


Das Unterfangen, einen kompakten Architekturführer zum Ruhrgebiet zu publizieren, verlangt eine dezidierte Auswahl. Mit Axel Föhl wurde einer der derzeit wohl besten Kenner des regionalen Baubestandes als Autor gewonnen. Der 1947 in Coburg gebürtige Technikhistoriker arbeitete von 1974 bis Anfang 2010 im Rheinischen Landesdenkmalamt als Referent für Industriebauten. Seine in Jahrzehnten gewachsenen, weit über sein Fachgebiet hinausgehenden Kenntnisse hat er komprimiert anhand von 316 Beispielen in die Publikation „Architekturführer Ruhrgebiet“ einfließen lassen. Wie sehr er mit der Materie verbunden ist, zeigt, dass nahezu alle Fotografien von ihm beziehungsweise aus seinem Archiv stammen.

Natürlich nehmen Bauwerke der industriellen Phase eine wichtige Stellung ein, darunter Zechen, Hütten, Verkehrswege zu Schiene, Wasser, Land, städtische Gefüge mit „Kolonien“ und die Werkssiedlungen. Schon bei der ersten Durchsicht erkennt der Leser, dass alle Gattungen adäquat zu ihrem Recht kommen. Von der U-Bahnstation bis zum Barockgarten, von der Talsperre bis zur Trinkhalle erstreckt sich das weit aufgefächerte Spektrum. Vielgestaltig hat Axel Föhl die unterschiedlichen stilistischen Phasen herausgearbeitet. Zu den Schwerpunkten zählen überraschend qualitätvolle Ausdrucksweisen des Expressionismus, darunter das Rathaus in Oberhausen von Ludwig Freitag, die katholische Heilig-Kreuz-Kirche von Josef Franke in Gelsenkirchen oder der Wasserturm in Essen-Frillendorf. Hinzu kommen zahlreiche Beispiele des neuen Bauens, allen voran das Essener Deutschlandhaus von Jacob Koerfer, der erste Stahlbetonbau im Land. Den düsteren nachfolgenden Zeitabschnitt repräsentiert unter anderem ein Luftschutzhochbunker in Wanne-Eickel im Stil staufischer Wehrbauten.

Das gerade im Ruhrgebiet gewütete Flächenbombardement hinterließ große, völlig eliminierte Zonen, so dass in den 1950er und 1960er Jahren Bauzeit angesagt war. Rudolf Schwarz’ beeindruckende katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz in Bottrop mit dem riesigen Fenster Georg Meistermanns oder das Lehmbruck Museum zu Duisburg, geplant vom Sohn des berühmten Bildhauers Manfred Lehmbruck, gehören zu markanten Beispielen dieser Epoche. Eine Reihe prominenter Objekte von teils berühmten Architekten fallen beim Durchblättern ins Auge: Der Terrassengarten von Kloster Kamp, das Schiffshebewerk Henrichenburg, der Gasometer Oberhausen, Peter Behrens’ Krematorium in Hagen, Werner Ruhnaus Gelsenkirchener Musiktheater, SANAAs minimalistischer Kubus auf Zollverein, die Ruhruniversität von Fritz Eller, Fritz Schupps Bergbaumuseum in Bochum, die Jahrhunderthalle, die Westfalenhalle und das ebenfalls in Dortmund gelegene „U“, Alvar Aaltos Musiktheater in Essen, wo auch die Villa Hügel, die Grugahalle oder die Lichtburg beheimatet sind.

Wegen der Kürze musste vieles unter den Tisch fallen, aber Axel Föhl versucht durch präzis formulierte Texte mit dicht gesetzten Detailinformationen dieses Manko wieder auszugleichen. So wird der bedeutende Altbau des Museums Folkwang in Essen bei der Vorstellung des neuen Chipperfield-Traktes gleich mit gewürdigt. Es bereitet Freude, die verständlichen und fachlich exzellenten Erläuterungen zu lesen, die das jeweils Charakteristische des Baus auf den Punkt bringen. Hier zeigt sich die Jahrzehnte lange Erfahrung beim Abfassen einschlägiger Gutachten ohne störende Ausschweifungen. Bedauerlich erweist sich bei vielen Objekten der generelle Verzicht auf Grundrisse zugunsten der Bündigkeit. Andererseits erscheint dem Leser das Einstreuen von Kunstwerken im öffentlichen Raum nicht angemessen. Bei aller Wertschätzung für bedeutende Landmarken wie Richard Serras Stahlzunge auf der Schurenbachhalde in Essen, Jochen Gerz’ Basalttafeln in Bochum oder der Tretader von Wolfgang Christ auf der Bottroper Halde Batenbrock – diese Objekte gehören einfach nicht in einen Architekturführer.

Übersichtlich wie plausibel erweist sich die Gliederung des umfangreichen Gebietes aus 53 Kommunen mit über fünf Millionen Einwohnern. Örtlich dem Alphabet folgend und chronologisch geordnet, kommen innerhalb der Städte und Kreise die Gattungen zum Zuge mit Sakral- und kommunalen Profanbauten am Beginn über Bildungs- oder Technikbauten bis hin zu Siedlungen.

Mit einer prägnanten wie lesenswerten Baugeschichte des Kohlenpotts bringt Axel Föhl einleitend die geografische Entfaltung sowie die typologischen und stilistischen Varianten auf den Punkt. Hier zeigt sich wieder der Fachmann: Man erfährt viele interessante Details, etwa welche Härte- und Qualitätsgrade der Kohle welche bauliche Konstruktionen zur Folge haben oder welche bedeutende Bauten bereits verschwunden sind. So wurde beispielsweise 1976 die ehemalige Hauptverwaltung der Friedrich Krupp AG, das sogenannte Turmhaus aus dem Jahr 1912, ohne triftigen Grund abgerissen. Die tief greifenden Umstrukturierungen, die schon vor der ersten Kohlekrise 1958 begannen, thematisiert Föhl ebenso wie die zwischen 1989 bis 1999 abgehaltene IBA Emscherpark. Orts-, Objekt-, Gattungs- und Architektenregister sowie eine Bibliografie schließen das handliche, nur 300 Seiten starke Druckwerk ab. Eine Übersichtskarte hätte das Opus noch vervollkommnet.

Denjenigen, die sich vor Ort detaillierter anhand von Karten orientieren möchten, sei der „BaukulturPlan Ruhr“ des Regionalverbandes Ruhr empfohlen. Wichtigester Bestandteil des handlichen, im Schuber zusammengefügten Kompendiums sind vier doppelseitige, das gesamte Ruhrgebiet abdeckende Faltpläne im Maßstab von 1:40.000. Sie stellen eine ideale Form der baulichen Orientierung dar, wenn ein bestimmter Bezirk zur ersten Kurzorientierung von Interesse ist. Rund 2.300 Objekte sind verschiedenfarbig markiert. Die Farben stehen für acht Zeitabschnitte, die die Bauten beginnend mit der Sektion „vor 1840“ bis zur Jetztzeit gliedern. In dem gebundenen Textteil findet der Nutzer in der entsprechenden Farbzone unter der jeweiligen Nummer Angaben zu Adresse, Nutzung, Architekt, Baujahr und Planquadrat.

Jedem Zeitabschnitt ist eine Auswahl von fünf charakteristischen Bauten vorgeschaltet, die mit Foto und Beschreibung ausführlicher vorgestellt werden. Der von zwei Architekten und einer Designerin recherchierte „BaukulturPlan Ruhr“ bietet erste, rasche Orientierung und vermittelt Grundangaben. Für weitere Informationen stehen dann örtliche Architekturführer sowie der eingangs vorgestellte „Architekturführer Ruhrgebie“t bereit, dessen Auswahl sich mit dem BaukulturPlan deckt. Beide Werke ergänzen sich, animieren zum genauen Hinschauen und sensibilisieren für das sehenswerte bauliche Gepräge einer Region, das mehr über Geschichte und Eigenarten aussagt, als so manche Bücher vermitteln können.

Axel Föhl: Architekturführer Ruhrgebiet
Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2010
300 Seiten, 311 Farb- und Schwarzweißabbildungen
Preis 24,90 Euro

Detlev Bruckhoff, Marnie Schaefer, Thomas M. Krüger: BaukulturPlan Ruhr
Herausgeben vom Regionalverband Ruhr, Essen 2010
Preis 28 Euro



30.08.2010

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Axel Föhl: Architekturführer Ruhrgebiet
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