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Ernst Graf von Metternich, 40 Briefe + Beilage

Ernst Graf von Metternich, 40 Briefe + Beilage

Regensburger Reichstag. - Metternich, Ernst Graf von, preuß. Geheimer Staatsrat und Diplomat, Gesandter beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg (1657-1727). Sammlung von 40 eigh. Briefen m. U. "Metternich". In deutscher und französ. Sprache. Zus. 214 S. 4to und folio. Regensburg 1698-1707.

Wertvolle Brieffolge eines hohen preußischen Diplomaten, Sohn des Begründers der neumärkischen Linie der Metternichs aus Chursdorf. Ernst von Metternich wurde für wichtige Aufgaben eingesetzt; so verhandelte er in Wien mit Kaiser Leopold über die Königswürde des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. und agierte ab 1713 bei den Friedensverhandlungen in Utrecht. Die hier vorliegenden Briefe sind aus Regensburg an den Grafen Ferdinand Joseph Maria von Tattenbach in St. Martin (Innkreis) gerichtet, den er auch seinen "Herrn Bruder" nennt. Über einen Zeitraum von rund 10 Jahren berichtet und kommentiert Metternich im Plauderton Neuigkeiten aus seinem Alltag und vom Reichstag, teils deutsch, teils französisch, teils gemischt und mit zahllosen Zitaten in Latein und anderen Sprachen geschmückt, die seine Gelehrsamkeit zum Ausdruck bringen sollen. Als geübter Diplomat drückt sich Metternich immer vorsichtig aus, wenn er auf die Tagespolitik und die Vorgänge auf dem Reichstag zu sprechen kommt. So kommen in vielen Briefen Andeutungen vor, die zuweilen dem heutigen, nicht eingeweihten Leser schwer verständlich sind, für seinen Adressaten aber aufschlußreich waren. Als Beispiel mag ein Brief vom 23. August 1698 dienen, in dem von den endlosen Verhandlungen über Zeremonialfragen die Rede ist. Das Schreiben Tattenbachs vom 16. August sei ihm ausgehändigt worden. "... Die Politici in hiesigen Revieren werden schon gute sorge tragen, daß Regensburg nicht gar bei denen, so dem Landleben nachhängen, vergeßen werde. Der ehrliche Chur-Bayerische Secretarius ist darüber in große noth gerathen. Ich habe dazu lachen müßen, und dazu nichts andres gesaget, als daß die worte so Er in materia Ceremoniale ad protocollum gegeben, in terminis labilibis et favis prioribus, mithin dahin zuverstehen wären, daß Ew. Exce einen weg wie den andern zu der bekannten gemeinsahmen Relation concurriren wolten, ja daß wan auch hierunter nicht zu reüssiren wäre, daß Sie das werk darumb nicht für verlohren geben, sondern mit andern auf mehrere expedientia denken könten. Ich neide übrigens Ew. Exce wegen des Landlebens gar nicht; dan ich glaube Sie seyn bey demselben mehr distrahiret als ich bey meinem Stadtleben. Worumb ich mich nach dem Lande sehne ist allein einer retraite halber. Wan ich dort sowol im fracas leben mus alhier, bin ich deßen nichts gebeßert. Unser größestes unglück seynd die distractiones oder die desapplication von unserm einigen Zweck, von dem uno necessario. Wer solches noch nicht fühlet oder empfindet, der ist halbtod ... Ew. Exce Erklärung aber wird heute erwartet und allem unwesen abhelffen. Man hätte an seiten des Secretarii denen Politicis nicht die Freude machen und so große Kleinmüthigkeit bezeigen sollen. Was das Ceremoniel an sich selbst anlanget, so habe ich Hoffnung, es werde Se. Churf. Durchl., mein gnädigster Herr, sich der Relation nicht entziehen; für mich aber, und als der arme Metternich, bin und bleibe ich der Meinung, daß wan man etwas erdenken solte, umb das ganze werk aufzuhalten, und Sr Kayl. Mst. einen undienst hiebey zuthun, man es nicht künstlicher anfangen könte. Der eventus muß zeigen, ob ich mich betriege. Es mag aber dem seyn wie ihm wolle, so bin ich deswegen ganz ohne bekümmernüß, dan ich habe in Herrn Sachen meinen eigenen willen längst abgeleget ...". - Andere Briefe enthalten vielerlei Klatsch und Andeutungen zu allen möglich Ereignissen; oft werden die anderen (kurkölnischen, kursächsischen, kurtrierischen, kurmainzischen etc.) Gesandten und ihr Verhalten in den Streitigkeiten geschildert. Fast alle Briefe sind großenteils politischen Inhalts.

Am 27.XII.1701 bekennt Metternich resigniert: "... Sie können nun unsere Schwachheiten und den elenden Zustand unsres lieben Vaterlandes von weitem ansehen und bestrachten. Unsere krumme sprünge alhier werden die sache nicht ausmachen. Wer das Protestirende Corpus zufrieden stellen, und die Protestirende begütigen könte welches beydes mir noch sehr mißlich deucht, der könte endlich wol die hiesige berathschlagungen wieder in den gang, vieleicht auch eine Krieges Declaration per majora herausbringen, aber damit ist es noch lange nicht ausgerichtet ... Mancher wird froh seyn, daß der Herr Cardinal wieder weg ist. Einige sagen, Er werde bald wieder kommen. Ich kans nicht glauben. Die alliance zwischen dem Kayser, England und Holland werden Ew. Excellenz schon gesehen haben ...". - So wird sehr viel angedeutet, was hier in "small talk" eingebettet zur Sprache kommt, dem Kenner der Reichstagsgeschichte aber eine Fülle von Informationen aus erster Hand bietet. - Einige französische Briefe ohne Unterschrift, aber vollständig; 1 Schreiben nur Postskriptum. - Beiliegend ein 8seitiger lateinischer Brief ohne Anrede, Unterschrift oder Datum, aber gleichfalls in Metternichs Handschrift. - Teilweise Transkriptionen beiliegend, die allerdings nicht fehlerfrei sind. - Die vorliegende Korrespondenz, die unerforscht aus einem Antiquariatsbestand des 19. Jahrhunderts stammt, stellt eine Quelle ersten Ranges zur europäischen Geschichte um 1700 dar.

Weitere Details:


Wertvolle Brieffolge eines hohen preußischen Diplomaten, Sohn des Begründers der neumärkischen Linie der Metternichs aus Chursdorf. Ernst von Metternich wurde für wichtige Aufgaben eingesetzt; so verhandelte er in Wien mit Kaiser Leopold über die Königswürde des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. und agierte ab 1713 bei den Friedensverhandlungen in Utrecht. Die hier vorliegenden Briefe sind aus Regensburg an den Grafen Ferdinand Joseph Maria von Tattenbach in St. Martin (Innkreis) gerichtet, den er auch seinen "Herrn Bruder" nennt. Über einen Zeitraum von rund 10 Jahren berichtet und kommentiert Metternich im Plauderton Neuigkeiten aus seinem Alltag und vom Reichstag, teils deutsch, teils französisch, teils gemischt und mit zahllosen Zitaten in Latein und anderen Sprachen geschmückt, die seine Gelehrsamkeit zum Ausdruck bringen sollen. Als geübter Diplomat drückt sich Metternich immer vorsichtig aus, wenn er auf die Tagespolitik und die Vorgänge auf dem Reichstag zu sprechen kommt. So kommen in vielen Briefen Andeutungen vor, die zuweilen dem heutigen, nicht eingeweihten Leser schwer verständlich sind, für seinen Adressaten aber aufschlußreich waren. Als Beispiel mag ein Brief vom 23. August 1698 dienen, in dem von den endlosen Verhandlungen über Zeremonialfragen die Rede ist. Das Schreiben Tattenbachs vom 16. August sei ihm ausgehändigt worden. "... Die Politici in hiesigen Revieren werden schon gute sorge tragen, daß Regensburg nicht gar bei denen, so dem Landleben nachhängen, vergeßen werde. Der ehrliche Chur-Bayerische Secretarius ist darüber in große noth gerathen. Ich habe dazu lachen müßen, und dazu nichts andres gesaget, als daß die worte so Er in materia Ceremoniale ad protocollum gegeben, in terminis labilibis et favis prioribus, mithin dahin zuverstehen wären, daß Ew. Exce einen weg wie den andern zu der bekannten gemeinsahmen Relation concurriren wolten, ja daß wan auch hierunter nicht zu reüssiren wäre, daß Sie das werk darumb nicht für verlohren geben, sondern mit andern auf mehrere expedientia denken könten. Ich neide übrigens Ew. Exce wegen des Landlebens gar nicht; dan ich glaube Sie seyn bey demselben mehr distrahiret als ich bey meinem Stadtleben. Worumb ich mich nach dem Lande sehne ist allein einer retraite halber. Wan ich dort sowol im fracas leben mus alhier, bin ich deßen nichts gebeßert. Unser größestes unglück seynd die distractiones oder die desapplication von unserm einigen Zweck, von dem uno necessario. Wer solches noch nicht fühlet oder empfindet, der ist halbtod ... Ew. Exce Erklärung aber wird heute erwartet und allem unwesen abhelffen. Man hätte an seiten des Secretarii denen Politicis nicht die Freude machen und so große Kleinmüthigkeit bezeigen sollen. Was das Ceremoniel an sich selbst anlanget, so habe ich Hoffnung, es werde Se. Churf. Durchl., mein gnädigster Herr, sich der Relation nicht entziehen; für mich aber, und als der arme Metternich, bin und bleibe ich der Meinung, daß wan man etwas erdenken solte, umb das ganze werk aufzuhalten, und Sr Kayl. Mst. einen undienst hiebey zuthun, man es nicht künstlicher anfangen könte. Der eventus muß zeigen, ob ich mich betriege. Es mag aber dem seyn wie ihm wolle, so bin ich deswegen ganz ohne bekümmernüß, dan ich habe in Herrn Sachen meinen eigenen willen längst abgeleget ...". - Andere Briefe enthalten vielerlei Klatsch und Andeutungen zu allen möglich Ereignissen; oft werden die anderen (kurkölnischen, kursächsischen, kurtrierischen, kurmainzischen etc.) Gesandten und ihr Verhalten in den Streitigkeiten geschildert. Fast alle Briefe sind großenteils politischen Inhalts.

Am 27.XII.1701 bekennt Metternich resigniert: "... Sie können nun unsere Schwachheiten und den elenden Zustand unsres lieben Vaterlandes von weitem ansehen und bestrachten. Unsere krumme sprünge alhier werden die sache nicht ausmachen. Wer das Protestirende Corpus zufrieden stellen, und die Protestirende begütigen könte welches beydes mir noch sehr mißlich deucht, der könte endlich wol die hiesige berathschlagungen wieder in den gang, vieleicht auch eine Krieges Declaration per majora herausbringen, aber damit ist es noch lange nicht ausgerichtet ... Mancher wird froh seyn, daß der Herr Cardinal wieder weg ist. Einige sagen, Er werde bald wieder kommen. Ich kans nicht glauben. Die alliance zwischen dem Kayser, England und Holland werden Ew. Excellenz schon gesehen haben ...". - So wird sehr viel angedeutet, was hier in "small talk" eingebettet zur Sprache kommt, dem Kenner der Reichstagsgeschichte aber eine Fülle von Informationen aus erster Hand bietet. - Einige französische Briefe ohne Unterschrift, aber vollständig; 1 Schreiben nur Postskriptum. - Beiliegend ein 8seitiger lateinischer Brief ohne Anrede, Unterschrift oder Datum, aber gleichfalls in Metternichs Handschrift. - Teilweise Transkriptionen beiliegend, die allerdings nicht fehlerfrei sind. - Die vorliegende Korrespondenz, die unerforscht aus einem Antiquariatsbestand des 19. Jahrhunderts stammt, stellt eine Quelle ersten Ranges zur europäischen Geschichte um 1700 dar.

Preis: 6000 

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