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Breviarium Romanum, Venedig, Nicolas Jenson, vor dem 6.V.1478

Breviarium Romanum, Venedig, Nicolas Jenson, vor dem 6.V.1478

Breviarium Romanum. Hrsg. und mit Korrekturen des Georgius de Spathariis. 269 (von 404) nn. Bl. 2 Spalten. 48 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 22,2 x 14,5 cm. Format: 31,6 x 23,4 cm. Druck auf Pergament in Schwarz und Rot. Mit großer 9-zeiliger szenischer Initiale "David" in Gold und Farben mit großem, die Kolumne begleitenden Stab, einer 5-zeiligen Initiale mit Stab und weiteren 22 kleineren (1-2-zeiligen) Initialen, ebenfalls mit Ausgriffen als florale Schlingen- und Blütenstäbe, alles in Gold und Farben. Tausende von roten und blauen Lombarden mit reichem rotem und braun-violettem Federwerk sowie durchgehender Rubrizierung. Marmoriertes Halbleder des. 18. Jahrhunderts (gering beschabt, wenige Kratzspuren) in modernem Halblederkassette mit goldgeprägtem RTitel. Venedig, Nicolas Jenson, vor dem 6.V.1478.

Hain 3896. GW 5101. Goff B-1112. Proctor 4115. Pellechet 2922. Bohatta 378. 386. 398. Bohatta, Parma, 224. Chantilly 338. Deckert 178. Gspan-Badalić 146. Juntke 115. Kind 943. BMC V, 179. BSB-Ink B-889. ÖNB-Ink B-682. CIBN B-783. IBE 1196. IBP 1257. IGI 2114. CRF I, 364. ISTC ib01112000. – Erste Ausgabe der im "Breviarum Romanum" zusammengefassten liturgischen Texte als illuminierter Luxusdruck auf Pergament aus der Offizin des Nikolaus Jenson in Venedig, aus der wohl auch der zeitgenössische venezianische Illuminator stammt. Diesem vor dem 6. Mai 1478 zu datierenden Druck gingen lediglich einige wenige kleinere Breviarien voraus, die für den Gebrauch der Franziskaner und Augustiner adaptiert waren.

Der reine Liturgietext nach römischem Brauch war nicht dem monastischen Gebrauch angepasst. „Das Brevier (Breviarium) ist die Vereinigung derjenigen Texte, aus denen das kirchliche Stundengebet (Officium, horae canonicae) sich zusammensetzt. Es umfasst die Texte sowohl für die sogenannten Nachtzeiten (horae nocturnae = Matutin, die separat im Nocturnale enthalten sind) als auch für die sog. Tagzeiten (horae diurnae: Laudes, kleine Horen [horae minores: Prim, Terz, Sext, Non], Vesper und Complet, die separat im Diurnale zusammengefasst sind). Ein Brevier vereinigt also den Inhalt des Nocturnale mit dem des Diurnale … Seinem Inhalt nach bildet das Brevier die planvolle Vereinigung von Texten aus solchen Büchern, die einzelne Teile des Officium enthalten (z.B. Psalterium, Antiphonarium, Hymnarius, Collectarius, Bibel, Lectionarium, Homiliarium, Legendarium, Passionarium).

Das aus diesen Texten zusammengestellte Officium (Off.) besteht, nach der für die einzelnen Horen bestehenden Ordnung, aus den Psalmen (Psalm.) und den Cantica (Cant), den Hymnen (Hymn.), Lectiones (Lect.), Capitula (Cap.), Antiphonae (Ant), Versiculi (Versic), Responsoria oder Historiae (Hist), Orationes oder Collectae (Orat., Coli.), Suffragia (Suffr.), sowie den als Einleitung zu der Matutin dienenden Invitatoria (Invitat). Nach der gewöhnlichen Ordnung stehen sämtliche Teile des Officium, mit Ausnahme des stets vorangehenden Psalterium und meist auch des Hymnarius, zusammen; jedoch finden sich auch Fälle anderer Ordnung, z. B. mit abgetrenntem Lectionarium" (GW).

Der vorliegende Druck gilt als exemplarisch für die Schönheit des Satzspiegels und die ausgezeichnete Typographie der Offizin von Nikolaus Jenson, sowie auch für den sorgsamen, präzisen Druck in Schwarz und Rot. Einige Exemplare dieses Drucks wurden auf besonders festem, weißen Kalbspergament abgezogen, hier ein auffallend breitrandiges Exemplar.

Die Spezialistin für italienische Buchmalerei der Frührenaissance Lilian Armstrong weist die Illumination der Offizin des Nikolaus Jenson zu, indem sie vor allem die hohe Ähnlichkeit der roten und blauen Initialen sowie des Federwerks herausstellte. Unter den Kunden Jensons befanden sich bekanntermaßen zahlreiche Adelige, Botschafter und Kirchenfürsten, die von dem Drucker mit illuminierten Exemplaren direkt beliefert wurden. In diese Reihe gehört auch das vorliegende Pergamentexemplar (vgl. hier die Venezianische Buchmalerei mit dem 51-Blatt-Exemplar des Victoria and Albert Museums, London, Signatur 87.F.13). Im Detail dazu Lilian Armstrong, ‘Nicolaus Jenson’s Breviarum Romanum, Venice, 1478, Decoration and Distribution’, Incunabula, Studies in Fifteenth-Century Printed Books presented to Lotte Hellinga, ed. M. Davies, 1999, 421-467, no. 21b. – Vorhanden sind von den 404 Blättern eines vollständigen Exemplars 269 Blätter, es fehlen also 135 Blatt, darunter das Kalendarium (6 Blätter), 9 Blätter des Psalters sowie das "Proprium de Sanctis" (124 Blätter). Mit den vom GW beschriebenen Hauptkriterien, nicht den dort ebenfalls angegebenen Varianten. 11 Blätter mit teils ab- und ausgeschnittenen Rändern, teils mit betroffenem Federwerk (teils hinterlegt und mit Pergament verstärkt), 3 Blätter mit Ausschnitten mit Textverlust, p4 etwas stärker, sonst nur hier und da fleckig, leicht gebräunt, unten Fingerflecke, im Block Blätter etwas gewellt. Blattgoldauftrag in der Stabzier (ein Goldtropfen) auf dem ersten Blatt unten minimal abgerieben, sonst leuchtend frisch. Letzte Blatt verso mit zeitgenössischen hs. Einträgen.

Zur Provinienz: Aus dem Besitz von Sir Thomas Phillipps (1792-1872), dann H.P. Kraus Katalog 156, Nummer IV und endlich Harrison D. Horblit.

Weitere Details:


Der reine Liturgietext nach römischem Brauch war nicht dem monastischen Gebrauch angepasst. „Das Brevier (Breviarium) ist die Vereinigung derjenigen Texte, aus denen das kirchliche Stundengebet (Officium, horae canonicae) sich zusammensetzt. Es umfasst die Texte sowohl für die sogenannten Nachtzeiten (horae nocturnae = Matutin, die separat im Nocturnale enthalten sind) als auch für die sog. Tagzeiten (horae diurnae: Laudes, kleine Horen [horae minores: Prim, Terz, Sext, Non], Vesper und Complet, die separat im Diurnale zusammengefasst sind). Ein Brevier vereinigt also den Inhalt des Nocturnale mit dem des Diurnale … Seinem Inhalt nach bildet das Brevier die planvolle Vereinigung von Texten aus solchen Büchern, die einzelne Teile des Officium enthalten (z.B. Psalterium, Antiphonarium, Hymnarius, Collectarius, Bibel, Lectionarium, Homiliarium, Legendarium, Passionarium).

Das aus diesen Texten zusammengestellte Officium (Off.) besteht, nach der für die einzelnen Horen bestehenden Ordnung, aus den Psalmen (Psalm.) und den Cantica (Cant), den Hymnen (Hymn.), Lectiones (Lect.), Capitula (Cap.), Antiphonae (Ant), Versiculi (Versic), Responsoria oder Historiae (Hist), Orationes oder Collectae (Orat., Coli.), Suffragia (Suffr.), sowie den als Einleitung zu der Matutin dienenden Invitatoria (Invitat). Nach der gewöhnlichen Ordnung stehen sämtliche Teile des Officium, mit Ausnahme des stets vorangehenden Psalterium und meist auch des Hymnarius, zusammen; jedoch finden sich auch Fälle anderer Ordnung, z. B. mit abgetrenntem Lectionarium" (GW).

Der vorliegende Druck gilt als exemplarisch für die Schönheit des Satzspiegels und die ausgezeichnete Typographie der Offizin von Nikolaus Jenson, sowie auch für den sorgsamen, präzisen Druck in Schwarz und Rot. Einige Exemplare dieses Drucks wurden auf besonders festem, weißen Kalbspergament abgezogen, hier ein auffallend breitrandiges Exemplar.

Die Spezialistin für italienische Buchmalerei der Frührenaissance Lilian Armstrong weist die Illumination der Offizin des Nikolaus Jenson zu, indem sie vor allem die hohe Ähnlichkeit der roten und blauen Initialen sowie des Federwerks herausstellte. Unter den Kunden Jensons befanden sich bekanntermaßen zahlreiche Adelige, Botschafter und Kirchenfürsten, die von dem Drucker mit illuminierten Exemplaren direkt beliefert wurden. In diese Reihe gehört auch das vorliegende Pergamentexemplar (vgl. hier die Venezianische Buchmalerei mit dem 51-Blatt-Exemplar des Victoria and Albert Museums, London, Signatur 87.F.13). Im Detail dazu Lilian Armstrong, ‘Nicolaus Jenson’s Breviarum Romanum, Venice, 1478, Decoration and Distribution’, Incunabula, Studies in Fifteenth-Century Printed Books presented to Lotte Hellinga, ed. M. Davies, 1999, 421-467, no. 21b. – Vorhanden sind von den 404 Blättern eines vollständigen Exemplars 269 Blätter, es fehlen also 135 Blatt, darunter das Kalendarium (6 Blätter), 9 Blätter des Psalters sowie das "Proprium de Sanctis" (124 Blätter). Mit den vom GW beschriebenen Hauptkriterien, nicht den dort ebenfalls angegebenen Varianten. 11 Blätter mit teils ab- und ausgeschnittenen Rändern, teils mit betroffenem Federwerk (teils hinterlegt und mit Pergament verstärkt), 3 Blätter mit Ausschnitten mit Textverlust, p4 etwas stärker, sonst nur hier und da fleckig, leicht gebräunt, unten Fingerflecke, im Block Blätter etwas gewellt. Blattgoldauftrag in der Stabzier (ein Goldtropfen) auf dem ersten Blatt unten minimal abgerieben, sonst leuchtend frisch. Letzte Blatt verso mit zeitgenössischen hs. Einträgen.

Zur Provinienz: Aus dem Besitz von Sir Thomas Phillipps (1792-1872), dann H.P. Kraus Katalog 156, Nummer IV und endlich Harrison D. Horblit.

Preis: 30000 

© Galerie Bassenge KG, Berlin 


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