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Im Namen des Volkes

Gerhard Altenbourg, Im Namen des Volkes, 1963-70

Aquarell, Feder in Tusche u. Druckfarbe auf Whatman Bütten.

Janda 70/14 - Ausgestellt in: Gerhard Altenbourg. Karl-Marx-Stadt, Galerie oben, 1981, S.34; Gerhard Altenbourg - Wurzellinien. Berlin, Kupferstichkabinett, 1987 sowie in: Gerhard Altenbourg. Arbeiten 1947-1987. Kunsthalle Bremen, Kunsthalle Tübingen, Sprengel Museum Hannover und Akademie der Künste Berlin, 1988, Katalog-Nr. 143. - 1956 widmete der West-Berliner Galerist Rudolf Springer Gerhard Altenbourg eine erste Einzelausstellung. Er stellte seine Werke in den folgenden Jahren kontinuierlich aus und arbeitete daran, den Künstler überregional bekannt zu machen. Bald war Altenbourg im Westen kein Unbekannter mehr und konnte sich alsbald an zahlreichen Ausstellungen beteiligen. Von den Kulturfunktionären der SED wurde Altenbourgs Oeuvre jedoch abgelehnt: "Diese Arbeiten entsprechen in keiner Weise den Forderungen der Kunstpolitik, die unser Arbeiter- und Bauernstaat im Interesse des Aufbaus des Sozialismus durchführt." Unterstrichen wurde diese Haltung nach dem Mauerbau 1961 durch strenge Kontrollen des Künstlers, seiner Verwandten, Freunde und Besucher sowie durch die stetige, genaue Untersuchung seiner Postsendungen. Besonders seine Selbständigkeit und das Eremiten-Dasein machten die offiziellen Stellen misstrauisch, so dass sich Altenbourg bald fühlte "wie ein Kaninchen im Bau, das die Treiber hört. Oder wie eine Laus im Schneesturm auf freiem Feld." (Janda II, S. 11)
Im Sommer 1964 wurden seine Ängste und Befürchtungen Realität, als Männer mit dem Befehl zu einer Hausdurchsuchung vor seiner Tür erschienen und ihn beschuldigten, seine Werke illegal nach Westdeutschland ausgeführt zu haben. Es folgte die Verurteilung wegen Übertretung der Zollgesetze der DDR zu einem halben Jahr Gefängnis, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Altenbourg wollte sich jedoch keinesfalls geschlagen geben und beantragte nach Ablauf der Frist ordnungsgemäß den Export seiner Werke, denn er wollte "in diesen Breiten" keine Ausstellung mehr bestücken (ausgenommen Erfurt und Lothar Lang). Seine Gesundheit litt unter diesem Zustand, wiederholt plagten ihn Herzstörungen und Angstzustände und er geriet in körperliche und seelische Krisen, die ihn erschöpft zurückließen.
Seine Machtlosigkeit gegenüber diesen Schikanen kompensierte Altenbourg, indem er in die Kunst abtauchte und seine Bilder- und Lebenswelten vertiefte. Vorliegendes Blatt verdeutlicht diesen Aspekt: Mit schwarzer Kreide geschaffene, kantige Figuren nehmen das Zentrum des Bildes ein, werden jedoch durch einen blauen, zart getupften Hintergrund entschärft und von einem in Ocker gehaltenen Grund geerdet. Die Figuren mit ihren überdimensionalen Oberkörpern und Köpfen verkünden vielleicht "Im Namen des Volkes" ihre Entscheidungen, stehen jedoch auf solch dünnen, wackeligen Beinchen, dass sie nur wenig Stabilität und Bedrohung vermitteln. Wie sehr dieses Thema den Künstler beschäftigte zeigt die Datierung von 1963 bis 1970. Altenbourg arbeitete immer wieder an seinen Werken, legte sie beiseite, stellte sie zurück und griff sie später wieder auf, um sie dann fertig zu stellen oder den Abschluss erneut zu vertagen. Dieser Prozess der Wiederaufnahme, der Überlegung, Abwägung, Verfeinerung und Entscheidung zog sich zum Teil über viele Jahre. Irgendwann reifte das Bildgefüge, reichte die Komposition an seine ästhetischen Vorstellungen heran, wurde für gut befunden und mittels Titel und Signatur abgeschlossen.

Weitere Details:


Janda 70/14 - Ausgestellt in: Gerhard Altenbourg. Karl-Marx-Stadt, Galerie oben, 1981, S.34; Gerhard Altenbourg - Wurzellinien. Berlin, Kupferstichkabinett, 1987 sowie in: Gerhard Altenbourg. Arbeiten 1947-1987. Kunsthalle Bremen, Kunsthalle Tübingen, Sprengel Museum Hannover und Akademie der Künste Berlin, 1988, Katalog-Nr. 143. - 1956 widmete der West-Berliner Galerist Rudolf Springer Gerhard Altenbourg eine erste Einzelausstellung. Er stellte seine Werke in den folgenden Jahren kontinuierlich aus und arbeitete daran, den Künstler überregional bekannt zu machen. Bald war Altenbourg im Westen kein Unbekannter mehr und konnte sich alsbald an zahlreichen Ausstellungen beteiligen. Von den Kulturfunktionären der SED wurde Altenbourgs Oeuvre jedoch abgelehnt: "Diese Arbeiten entsprechen in keiner Weise den Forderungen der Kunstpolitik, die unser Arbeiter- und Bauernstaat im Interesse des Aufbaus des Sozialismus durchführt." Unterstrichen wurde diese Haltung nach dem Mauerbau 1961 durch strenge Kontrollen des Künstlers, seiner Verwandten, Freunde und Besucher sowie durch die stetige, genaue Untersuchung seiner Postsendungen. Besonders seine Selbständigkeit und das Eremiten-Dasein machten die offiziellen Stellen misstrauisch, so dass sich Altenbourg bald fühlte "wie ein Kaninchen im Bau, das die Treiber hört. Oder wie eine Laus im Schneesturm auf freiem Feld." (Janda II, S. 11)
Im Sommer 1964 wurden seine Ängste und Befürchtungen Realität, als Männer mit dem Befehl zu einer Hausdurchsuchung vor seiner Tür erschienen und ihn beschuldigten, seine Werke illegal nach Westdeutschland ausgeführt zu haben. Es folgte die Verurteilung wegen Übertretung der Zollgesetze der DDR zu einem halben Jahr Gefängnis, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Altenbourg wollte sich jedoch keinesfalls geschlagen geben und beantragte nach Ablauf der Frist ordnungsgemäß den Export seiner Werke, denn er wollte "in diesen Breiten" keine Ausstellung mehr bestücken (ausgenommen Erfurt und Lothar Lang). Seine Gesundheit litt unter diesem Zustand, wiederholt plagten ihn Herzstörungen und Angstzustände und er geriet in körperliche und seelische Krisen, die ihn erschöpft zurückließen.
Seine Machtlosigkeit gegenüber diesen Schikanen kompensierte Altenbourg, indem er in die Kunst abtauchte und seine Bilder- und Lebenswelten vertiefte. Vorliegendes Blatt verdeutlicht diesen Aspekt: Mit schwarzer Kreide geschaffene, kantige Figuren nehmen das Zentrum des Bildes ein, werden jedoch durch einen blauen, zart getupften Hintergrund entschärft und von einem in Ocker gehaltenen Grund geerdet. Die Figuren mit ihren überdimensionalen Oberkörpern und Köpfen verkünden vielleicht "Im Namen des Volkes" ihre Entscheidungen, stehen jedoch auf solch dünnen, wackeligen Beinchen, dass sie nur wenig Stabilität und Bedrohung vermitteln. Wie sehr dieses Thema den Künstler beschäftigte zeigt die Datierung von 1963 bis 1970. Altenbourg arbeitete immer wieder an seinen Werken, legte sie beiseite, stellte sie zurück und griff sie später wieder auf, um sie dann fertig zu stellen oder den Abschluss erneut zu vertagen. Dieser Prozess der Wiederaufnahme, der Überlegung, Abwägung, Verfeinerung und Entscheidung zog sich zum Teil über viele Jahre. Irgendwann reifte das Bildgefüge, reichte die Komposition an seine ästhetischen Vorstellungen heran, wurde für gut befunden und mittels Titel und Signatur abgeschlossen.

Preis: 10.000 €

signiert

datiert

Maße: 49,5 x 61,5 cm

© Dr. Irene Lehr Kunstauktionen GmbH
, Berlin 


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