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Ernst Ludwig Kirchner, Blumenstrauß in Vase (Stillleben). Um 1933

Ernst Ludwig Kirchner, Blumenstrauß in Vase (Stillleben). Um 1933

Aquarell und Bleistift auf leichtem Karton. 46,7 x 35,2cm. Signiert unten links: E. L. Kirchner. Modellrahmen.

Provenienz:
Privatsammlung Schweiz

Mit spontanem und expressivem Duktus gibt Ernst Ludwig Kirchner in diesem späten Aquarell das Motiv wieder, wobei er keine genauen Raumangaben macht. Nur mittels der Binnenstraffuren der Standfläche der Vase - ein Brett oder eine Kommode? - deutet er eine gewisse Raumtiefe an. Dies tut er auch durch die Mehransichtigkeit der Vase, indem er bei der linken Hälfte einen Blick in das Gefäß und bei der rechten Hälfte eine Seitenansicht zeigt.
Eine eigenwillige Dynamik geht von der Darstellung aus: Wie ein Feuerwerk scheinen die Blumen aus der Vase emporzusteigen. Dieses Nach-Oben-Streben verstärkt Kirchner nicht nur durch den Farbkontrast von lichtem Rosé und Türkis, sondern auch durch das akzentuiert gesetzte opake Schwarz. Als Ausgleich zu der Aufwärtsbewegung setzt er die breite querformatige schwarze Fläche - eine Wandpaneele oder Kommodenrückwand? -, mit der er zugleich eine Art Rahmen für die Vase schafft. Auf eindrucksvolle Weise verbindet der Maler hier das Empfundene und Gesehene, das er durch die Darstellung in äußerster Nahsicht - der Blumenstrauß nimmt beinahe das gesamte Blatt ein - ins Monumentale steigert.

In der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt um Davos, wohin er 1917/18 übersiedelt, strebt Kirchner nach Möglichkeiten der Bildwerdung von (einer umfassenden) Wirklichkeit. Denn er stellt fest, dass die expressionistische wie überhaupt die abstrakte Kunst zu persönlich sei und damit zu wenig das Allgemeinverständliche wie auch das Allgemeingültige zeige. Voraussetzung für die Gestaltung dieser »neuen Bildfindung« (Vision) ist für ihn nicht das Neuerfinden, sondern das Verweben von subjektivem Augeneindruck bzw. subjektiver Gemütslage und objektiver Wiedergabe der Dingwelt. Auf diese Weise will er Bildkürzel (Hieroglyphen) schaffen, die allgemein lesbar und zeitlos sind. Dabei dienen ihm die abstrakten oder naturalistischen Formulierungen stets als gleichwertige Hilfsmittel. Als »Neuen Stil« bezeichnet Kirchner diese abstrahierende und - meist dekorativ - vereinfachte Formensprache seines Spätwerkes. Das bedeutet für ihn aber nicht, eine einheitliche Ausdruckweise zu verwenden. Ganz im Gegenteil. In seiner Experimentierfreude verfolgt er bewusst einen Stilpluralismus, bei dem er gewissenhaft zwischen einer künstlerischen Umwandlung des Augeneindruckes und einem spontanen Zugriff auf die Dingwelt wählt.

Weitere Details:


Mit spontanem und expressivem Duktus gibt Ernst Ludwig Kirchner in diesem späten Aquarell das Motiv wieder, wobei er keine genauen Raumangaben macht. Nur mittels der Binnenstraffuren der Standfläche der Vase - ein Brett oder eine Kommode? - deutet er eine gewisse Raumtiefe an. Dies tut er auch durch die Mehransichtigkeit der Vase, indem er bei der linken Hälfte einen Blick in das Gefäß und bei der rechten Hälfte eine Seitenansicht zeigt.
Eine eigenwillige Dynamik geht von der Darstellung aus: Wie ein Feuerwerk scheinen die Blumen aus der Vase emporzusteigen. Dieses Nach-Oben-Streben verstärkt Kirchner nicht nur durch den Farbkontrast von lichtem Rosé und Türkis, sondern auch durch das akzentuiert gesetzte opake Schwarz. Als Ausgleich zu der Aufwärtsbewegung setzt er die breite querformatige schwarze Fläche - eine Wandpaneele oder Kommodenrückwand? -, mit der er zugleich eine Art Rahmen für die Vase schafft. Auf eindrucksvolle Weise verbindet der Maler hier das Empfundene und Gesehene, das er durch die Darstellung in äußerster Nahsicht - der Blumenstrauß nimmt beinahe das gesamte Blatt ein - ins Monumentale steigert.

In der Abgeschiedenheit der Schweizer Bergwelt um Davos, wohin er 1917/18 übersiedelt, strebt Kirchner nach Möglichkeiten der Bildwerdung von (einer umfassenden) Wirklichkeit. Denn er stellt fest, dass die expressionistische wie überhaupt die abstrakte Kunst zu persönlich sei und damit zu wenig das Allgemeinverständliche wie auch das Allgemeingültige zeige. Voraussetzung für die Gestaltung dieser »neuen Bildfindung« (Vision) ist für ihn nicht das Neuerfinden, sondern das Verweben von subjektivem Augeneindruck bzw. subjektiver Gemütslage und objektiver Wiedergabe der Dingwelt. Auf diese Weise will er Bildkürzel (Hieroglyphen) schaffen, die allgemein lesbar und zeitlos sind. Dabei dienen ihm die abstrakten oder naturalistischen Formulierungen stets als gleichwertige Hilfsmittel. Als »Neuen Stil« bezeichnet Kirchner diese abstrahierende und - meist dekorativ - vereinfachte Formensprache seines Spätwerkes. Das bedeutet für ihn aber nicht, eine einheitliche Ausdruckweise zu verwenden. Ganz im Gegenteil. In seiner Experimentierfreude verfolgt er bewusst einen Stilpluralismus, bei dem er gewissenhaft zwischen einer künstlerischen Umwandlung des Augeneindruckes und einem spontanen Zugriff auf die Dingwelt wählt.

Preis: 30000-50000 

© Van Ham Kunstauktionen, Köln 


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