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Max Liebermann, Pferdeknechte am Strand, um 1909

Max Liebermann, Pferdeknechte am Strand, um 1909

Öl auf Leinwand. 70,8 x 88,3 cm. Gerahmt. Unbezeichnet. - Am linken Bildrand in Höhe des Horizonts mit einem kurzen restauratorisch geschlossenen Riß.

Nicht bei Eberle

Mit einer Foto-Expertise von Eberhard Hanfstaengl, München, vom 21. Januar 1972

Mit einem Gutachten von Matthias Eberle, Max Liebermann-Archiv, Berlin, vom 19. April 2016. Das Gemälde wird in den Nachtrag des Werkverzeichnisse unter "1909/14a" aufgenommen.

Provenienz

Sammlung Sir Kenneth Clark, K.C.B., London (1938); Galerie Gunzenhauser (1972); Vom Vorbesitzer dort erworben, seitdem Privatbesitz Rheinland

Ausstellungen

London 1938 (New Burlington Galleries), Exhibition of Twentieth Century German Art, Kat. Nr. 151; San Francisco 1940 (San Francisco Museum of Art), 20th Century German Art, 6. Februar - 26. Februar 1940 (mit Keilrahmenetikett, "No. 1061"); New York 1940 (Museum of Modern Art), Dauerleihgabe, 2. Oktober 1940 - 28. Dezember 1945 (mit Keilrahmenetikett, dort auch "Clark" als Leihgeber genannt)

Bereits seit 1872 verbrachte Max Liebermann seine Sommer regelmäßig an der holländischen Nordseeküste. Der Künstler folgte damit den französischen Impressionisten, die den sommerlichen Aufenthalt am Meer als Bildmotiv etabliert hatten. Zu seinen Reiterbildern gelangte Liebermann nicht zuletzt über Isaac Israels, mit dem er im Sommer des Jahres 1900 am Strand von Scheveningen erstmals Pferde in Bewegung malte. Über diese Zeit resümierte Liebermann nur wenige Monate später in einem Brief an Franz Servaes: „Was mich persönlich betrifft, so bin ich in eine neue […] Periode getreten: in den drei Monaten, die ich jetzt in Holland war, habe ich mich wieder gehäutet, male Pferde […].“ (Brief an Franz Servaes vom 14.10.1900, in: Max Liebermann, Briefe Bd. 2, hrsg. v. Ernst Braun, Baden-Baden 2012, S. 366)

Liebermanns Schaffen um 1900 beschreibt auch Matthias Eberle als von einer Veränderung im Stil und neuen Motiven geprägt: „Zu besonders fruchtbaren werden Szenen mit Bewegungen, möglichst solchen, die den Menschen, wenn nicht im Kampf mit der Natur zeigen, so doch betonen, dass er bei dem Bestreben, sich die Natur dienstbar zu machen, Mühe und Kraft aufbringen muss. Exemplarisch dafür stehen dutzende von Bildern wie ‚Reiter am Strand', die meist ruhig ihres Weges ziehen, aus denen sich dann bald das Motiv der ‚Bändigung der Rosse' entwickelt, die vor der anrollenden Brandung scheuen und vom Reiter geführt sein wollen.“ (Matthias Eberle in seinem Gutachten). Liebermanns Pferdedarstellungen des frühen 20. Jahrhunderts seien geprägt von einem heftigen harten Ringen des Menschen mit dem Tier, wobei das Ringen mit dem Element der Anstrengung des Malers bei der Suche nach der richtigen künstlerischen Formulierung entspreche: „Er [Liebermann] zeichnet deshalb immer wieder Pferdebändiger, gleichgültig ob es sich um Knaben oder erwachsene Männer handelt und kommt bei der Bearbeitung und Weiterführung des Motivs in der Malerei zu einer Formensprache, die man bis dahin in seinem Werk nicht kennengelernt hat und die man nach 1909 bis 1912 nicht wieder findet.“ (ebd.)

Mit welcher Überzeugungskraft Max Liebermann die lebendige Natur in ihrem einzigartigen Moment einzufangen und in ein gemaltes Bild zu übertragen vermochte, belegt die vorliegende Arbeit auf eindrucksvolle Weise. Als Emblem des eigenen Schaffensprozesses erlaubt das Motiv der Pferdebändiger dabei nicht zuletzt einen besonderen Einblick in das künstlerische Selbstverständnis Liebermanns.

Weitere Details:


Provenienz

Sammlung Sir Kenneth Clark, K.C.B., London (1938); Galerie Gunzenhauser (1972); Vom Vorbesitzer dort erworben, seitdem Privatbesitz Rheinland

Ausstellungen

London 1938 (New Burlington Galleries), Exhibition of Twentieth Century German Art, Kat. Nr. 151; San Francisco 1940 (San Francisco Museum of Art), 20th Century German Art, 6. Februar - 26. Februar 1940 (mit Keilrahmenetikett, "No. 1061"); New York 1940 (Museum of Modern Art), Dauerleihgabe, 2. Oktober 1940 - 28. Dezember 1945 (mit Keilrahmenetikett, dort auch "Clark" als Leihgeber genannt)

Bereits seit 1872 verbrachte Max Liebermann seine Sommer regelmäßig an der holländischen Nordseeküste. Der Künstler folgte damit den französischen Impressionisten, die den sommerlichen Aufenthalt am Meer als Bildmotiv etabliert hatten. Zu seinen Reiterbildern gelangte Liebermann nicht zuletzt über Isaac Israels, mit dem er im Sommer des Jahres 1900 am Strand von Scheveningen erstmals Pferde in Bewegung malte. Über diese Zeit resümierte Liebermann nur wenige Monate später in einem Brief an Franz Servaes: „Was mich persönlich betrifft, so bin ich in eine neue […] Periode getreten: in den drei Monaten, die ich jetzt in Holland war, habe ich mich wieder gehäutet, male Pferde […].“ (Brief an Franz Servaes vom 14.10.1900, in: Max Liebermann, Briefe Bd. 2, hrsg. v. Ernst Braun, Baden-Baden 2012, S. 366)

Liebermanns Schaffen um 1900 beschreibt auch Matthias Eberle als von einer Veränderung im Stil und neuen Motiven geprägt: „Zu besonders fruchtbaren werden Szenen mit Bewegungen, möglichst solchen, die den Menschen, wenn nicht im Kampf mit der Natur zeigen, so doch betonen, dass er bei dem Bestreben, sich die Natur dienstbar zu machen, Mühe und Kraft aufbringen muss. Exemplarisch dafür stehen dutzende von Bildern wie ‚Reiter am Strand', die meist ruhig ihres Weges ziehen, aus denen sich dann bald das Motiv der ‚Bändigung der Rosse' entwickelt, die vor der anrollenden Brandung scheuen und vom Reiter geführt sein wollen.“ (Matthias Eberle in seinem Gutachten). Liebermanns Pferdedarstellungen des frühen 20. Jahrhunderts seien geprägt von einem heftigen harten Ringen des Menschen mit dem Tier, wobei das Ringen mit dem Element der Anstrengung des Malers bei der Suche nach der richtigen künstlerischen Formulierung entspreche: „Er [Liebermann] zeichnet deshalb immer wieder Pferdebändiger, gleichgültig ob es sich um Knaben oder erwachsene Männer handelt und kommt bei der Bearbeitung und Weiterführung des Motivs in der Malerei zu einer Formensprache, die man bis dahin in seinem Werk nicht kennengelernt hat und die man nach 1909 bis 1912 nicht wieder findet.“ (ebd.)

Mit welcher Überzeugungskraft Max Liebermann die lebendige Natur in ihrem einzigartigen Moment einzufangen und in ein gemaltes Bild zu übertragen vermochte, belegt die vorliegende Arbeit auf eindrucksvolle Weise. Als Emblem des eigenen Schaffensprozesses erlaubt das Motiv der Pferdebändiger dabei nicht zuletzt einen besonderen Einblick in das künstlerische Selbstverständnis Liebermanns.

Preis: 220000-250000 

© Kunsthaus Lempertz KG, Köln 


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