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Handschriften, wertvolle Bücher, Varia und Sammlung Thur

Breviarum Romanum, Drucke Nikolaus Jenson, Venedig 1478

Im Zentrum des Katalogs Wertvolle Bücher steht eine kleine Sammlung von wertvollsten, frühesten Einzelblättern aus Pergamenthandschriften des Mittelalters bis zur frühen Neuzeit. Sie stammen aus dem Besitz des niederländischen Paläographen und Kodikologen Johann Peter Gumbert (1936-2016), darunter ein Blatt aus dem Johannesevangelium aus einer westfälischen Handschrift des 10. Jahrhunderts (Los 1001 Schätzpreis: 1000,- Euro), eine hochmittelalterliche Miniatur des Heiligen Petronio von Bologna (Los 1004 – 1800,-) oder die Siegelurkunde eines Testaments des Dekans Burchard von St. Paulus in Trier (1005 – 2200,-). Auch das Fragment einer humanistischen Cicero-Handschrift vom Ende des 14. Jahrhunderts aus Mittelitalien ist erwähensert (1011 – 1200,-).

Eine Kostbarkeit aus dem Bereich zwischen Buch und Kunst ist Stamm- und Wappenbuch, ein „Album Amicorum“ des begabten Münchner Malers Bartholomäus Reiter (1570-1622), der es mit zwölf meisterhaften Aquarellen bzw. Gouachen schmückte, die zu den wenigen erhaltenen des Malers gehören. Reiter gehört zur Münchner Schule der Renaiassancemaler um Hans Ostendrofer d. J. (1029 – 12.000,-).

Mit einer kleinen Miniatur in Gold und Farben ist auch das „Breviarum Romanum“ illustriert, allerdings keine Handschrift, sondern ein früher Inkunabeldruck aus der venezianischen Offizin des bedeutenden Druckers Nikolaus Jenson, hier ein Luxusdruck auf Pergament (1035a – 30.000,-). Sprichwörtlich „nach Adam Riese“ kann man sich einen angemessenen Preis für die erste Ausgabe des berühmten Rechenbuchs des Renaissance-Mathematikers Adam Rieses (1492-1559) errechnen, das erstmals unter diesem Titel und mit der Erweiterung um das Visierbuch des Erhart Helm 1551 in Frankfurt erschienen war. Dabei liegt die Bedeutung dieses Elementarbuchs - ebenso wie weiterer früherer Schriften Rieses - nicht so sehr auf dem Gebiet Mathematik, sondern vielmehr auf dem der Rechendidaktik, als deren Begründer Adam Riese gelten darf (1102 – 12.000,-).

Mit zwei bedeutenden Atlanten ist auch die Abteilung „Geographie“ reich bestückt, darunter der Deutschlandband des Nürnberger Verlegers Johann Baptist Homann (24a – 12.000,-) und die zweite Ausgabe des „Newen Atlas“ von Johannes Janssonius (9000,-). Saint-Nons „Voyage pittoresque ou description des Royaumes de Naples et de Sicile“ mit 280 Kupfertafeln und 418 Darstellungen von 308 Kupferplatten in den überaus seltenen blauen typographischen Originalbbroschur ist fast nie mehr auf dem Markt zu finden. Die erste Ausgabe des monumentalen Prachtwerks, das unter dem künstlerischen Beirat von Cochin, Fragonard und Hubert Robert entstanden war, ruinierte seinen Autor, zählt aber heute zu den grandiosen Vedutenwerken Italiens (112 – 12000).

Nicht vergessen sollte man für die zahlreichen Tier- und Pflanzenliebhaber unter den Sammler, die hocherfreut sein sollten über das mit 124 farbig aquarellierten und gouachierte Federzeichnungen mit Pflanzendarstellungen von Geranien reich künstlerisch ausgestattet wurde: „Joseph Meisel. Pelargonien deutschen Ursprungs. Herausgegeben von einigen Gartenfreunden, gezeichnet von I. Meisl 1829. Deutsche Handschrift auf Papier“ (454 – 10.000,-).

Literatur und illustrierte Bücher des 17.-19. Jahrhunderts
Sammlung Thur – Deutsche Literatur in Erstausgaben 1750-1840

In der Frühjahrsauktion 2018 bieten wir eine rund 400 Lose umfassende Sammlung mit Erstdrucken der deutschen Literatur an, die wir mit einem Sonderkatalog würdigen.

Die von dem Kölner Bibliophilen Gerd Thur über vier Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung dokumentiert die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur in ihren bedeutendsten Strömungen Empfindsamkeit, Sturm und Drang, Klassik und Romantik bis hin zum Biedermeier. Die namhaftesten Autoren der Zeit sind hier mit Erstdrucken vertreten: Klopstock und Lessing, die Stürmer-und-Dränger Gerstenberg, Wagner, Lenz, Klinger, Leisewitz und Maler Müller, das Weimaraner Viergestirn Goethe, Schiller, Herder und Wieland, ferner Jean Paul, Kleist und Hölderlin sowie die Romantiker Tieck, von Arnim, E. T. A. Hoffmann, Brentano, Eichendorff, Fouqué, Novalis, die Schlegels und Wackenroder.

Besonders breit, nämlich mit rund 70 Losen, ist – wie könnte es anders sein - Goethe repräsentiert. Die Sammlung Thur enthält sicher eine der umfangreichsten Reihen an Erstausgaben unseres Dichterfürsten, die in den letzten Jahrzehnten auf einer deutschen Auktion angeboten wurden. Neben frühen Werkausgaben finden sich vor allem erste Einzeldrucke seiner bedeutendsten poetischen und naturwissenschaftlichen Schriften, darunter Raritäten wie der „Götz von Berlichingen“ (Los 1692, 12.000 Euro), die satirische Schrift „Götter, Helden und Wieland (Los 1691, 1200 Euro), das „Neueröfnete Puppenspiel“ (Los 1698, 2400 Euro) sowie die verschiedenen Ausgaben seines Faust-Dramas, dessen Vollendung ihn sein Leben lang beschäftigte und auf Goethes Geheiß erst posthum vollständig im Druck erscheinen durfte (Lose 1687-1690).

Aber auch weniger bekannte Schriften und frühe lyrische Versuche sind vorhanden wie z. B. die Gelegenheitsdichtung „Was wir bringen“, die Goethe anlässlich der Eröffnung des von ihm erbauten Theaters in Bad Lauchstädt in den Druck gab (Los 1711, 300 Euro), sein satirisches Jugendgedicht „An den Kuchenbäcker Händel“, das 1769 in den“Vermischten Gedichten“ Johann Christoph Rosts in Leipzig erschien (Los 1735, 200 Euro). Oder - unweit bekannter - der Erstdruck seiner beiden berühmten Gedichte „Das Göttliche“ und „Prometheus“, die 1785 ohne Goethes Wissen in Jacobis „Ueber die Lehre des Spinoza“ abgedruckt wurden (Los 1728, 250 Euro). Zur Sammlung gehören aber auch verschiedene, von Bibliophilen besonders gesuchte Druckvarianten wie ein Exemplar der noch unkorrigierten Ausgabe des „West-oestlichen Divan“ (Los 1713, 900 Euro) und kuriose Spottschriften, die am Thron des Weimarer Ministers zu rütteln wagen wie Kotzebues respektloses Pasquille „Expectorationen“ (Los 1729, 250 Euro).

Schiller ist u. a. mit seiner ersten, noch anonym erschienenen Lyriksammlung „Anthologie auf das Jahr 1782“ (Los 1902, 1200 Euro) vertreten sowie mit der ersten im Buchhandel erhältlichen Ausgabe der „Räuber“ von 1781, die schon zu Lebzeiten Schillers nahezu unauffindbar war (Los 1906, 7.500 Euro). Von den 800 gedruckten Exemplaren der Auflage haben sich wohl nur zwei bis drei Dutzend erhalten, Schiller selbst verkaufte die Restauflage an einen Antiquar, da die Druckbogen des kaum nachgefragten Dramas seinen knappen Wohnraum zustopften.

Von Schillers Landsmann Hölderlin findet sich ein Exemplar der ersten Gedichtsammlung von 1826 in einem bemerkenswert sauberen und breitrandigen Exemplar (Los 1771, 4500 Euro). Den Anstoss zu dieser Veröffentlichung, eine der ganz wenigen zu Lebzeiten des Dichters, gab 1820 Justinus Kerner, der es in seinen 1811 erschienenen „Reiseschatten“ wagte, den im Tübinger Turm in geistiger Umnachtung lebenden „Holder“ zu verspotten (Los 1813, 1200 Euro). Kerners „Reiseschatten“ bilden die bedeutendste Prosadichtung der schwäbischen Romantik.

Von den Stürmern-und Drängern verdienen vor allem die drei Erstdrucke des an Schizophrenie leidenden und 1792 unter mysteriösen Umständen in Moskau gestorbenen Jakob Michael Reinhold Lenz Erwähnung (Lose 1841-1843: „Anmerkungen übers Theater“,1800 Euro; „Der Hofmeister“, 2400 Euro; „Die Freunde machen den Philosophen“, 1200 Euro). Heinrich Leopold Wagner, ebenfalls jung gestorben, missbrauchte Goethes Angaben zufolge dessen Vertrauen, indem er den Stoff der Gretchentragödie aus dem „Faust“ kurzerhand für sein eigenes Trauerspiel „Die Kindermörderinn“ verwertete. Der Erstdruck des skandalträchtigen Stücks gilt als eine der gesuchtesten Raritäten der Literatur des Sturm-und-Drang (Los 1976, 2400 Euro).

Einen weiteren Schwerpunkt in Thurs Sammlung bilden die Dichter der Romantik. Allen voran Ludwig Tieck mit 17 Erstdrucken, darunter die „Phantasien über die Kunst“, eine der wichtigsten kunsttheoretischen Schriften der Epoche und zugleich eines der am schönsten gedruckten Bücher der Romantik (Los 1963, 600 Euro). Ferner seine Märchensammlung „Phantasus“, die zahlreiche Erstdrucke enthält (Los 1965, 350 Euro) und der „William Lovell“, der erste genuin romantische Roman der deutschen Literaturgeschichte (Los 1969, 900 Euro).

Ein Exemplar der berühmten romantischen Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ im Erstdruck wäre zu erwarten gewesen (Los 1609, 1800 Euro), ebenso Brentanos Märchen „Gockel, Hinkel, Gackeleia“ mit den schönen Illustrationen nach Brentanos eigenen Entwürfen (Los 1626, 1500 Euro). Nicht jedoch „Tröst Einsamkeit“, das von Ludwig Achim von Arnim zunächst unter dem Titel „Zeitschrift für Einsiedler“ herausgegebene Publikationsorgan mit zahlreichen Erstdrucken der bedeutendsten Autoren der Zeit. Die vorliegende Buchausgabe der kurzlebigen Heidelberger Zeitschrift bildet eine der großen Kostbarkeiten der deutschen Literatur.

Von E. T. A. Hoffmann, mit zwölf Erstdrucken vertreten, finden sich beispielsweise sein Märchen „Klein Zaches“ (Los 1778, 450 Euro), „Lebensansichten des Katers Murr“ (Los 1779, 1200 Euro), „Prinzessin Brambilla“ (Los 1782, 900 Euro) und „Meister Floh“ (Los 1780, 450 Euro), alle mit Einband- bzw. Textillustrationen von Carl Friedrich Thiele nach den kongenialen Entwürfen aus der Zeichenfeder Hoffmanns. Ein Exemplar der ersten Ausgabe der ersten Gedichtsammlung Joseph von Eichendorffs in einem dekorativen zeitgenössischen Halblederband ist mit 750 Euro angesetzt (Los 1636), Friedrich de la Motte Fouqués erste Buchausgabe seiner phantastischen Märchenerzählung „Undine“ von 1814 mit 600 Euro (Los 1647).

Autographen

Nachdem das Auktionshaus Bassenge im vergangenen Herbst erstmals einen separaten Autographen-Katalog herausgebracht hatte, ermutigten uns der große Erfolg und die gestiegene Anzahl hochwertiger Einlieferungen, zur bevorstehenden 111. Buch- und Handschriften-Auktion wieder einen separaten Autographen-Katalog ähnlichen Umfangs herzustellen. Neben vielen kleinen Einlieferungen sind auch mehrere Teile ursprünglich größerer Sammlungen eingeflossen, die in den 1950er und 1960er Jahren entstanden sind. Grund für den Verkauf ist nicht immer das Ableben des Sammlers, sondern nicht selten auch mangelndes Interesse von Kindern und Enkeln, die sich lieber mit SMS oder What’s App beschäftigen möchten als mit handschriftlichen Briefen großer Persönlichkeiten der Vergangenheit. Andererseits ist aber auch international ein leichtes Anwachsen bei der Zahl der Interessenten an solchen Dokumenten zu beobachten; symptomatisch dafür ist die in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegene Anzahl von Autographenhändlern.

Der neue Autographen-Katalog des Hauses Bassenge enthält 424 Lose zu Schätzpreisen zwischen 90 Euro und 120.000 Euro, wobei die Abteilungen „Literatur“ und „Musik“ am stärksten zur Geltung kommen. Nicht immer sind es die großen Namen der Autoren, die den Schätzpreis ausmachen, sondern oft auch der Adressat oder der gewichtige Inhalt des Schriftstücks. So ist z. B. ein Brief des Reiseschriftstellers Friedrich Gerstäcker, dessen Autographenpreise sonst selten mehr als einige hundert Euro betragen, hier mit 5000 Euro geschätzt, weil es sich um ein 10 Folioseiten umfassendes Gutachten über das soziale Elend der Spitzenklöppler im Erzgebirge handelt, 1847 im Auftrag eines sächsischen Ministers verfaßt (Nr 2041). Ein Brief der Großherzogin-Witwe Maria Pawlowna von Sachsen-Weimar von 1855 ist dadurch von Interesse, daß er an einen der Brüder Grimm gerichtet ist, der ihr anläßlich des Krimkrieges Lektüre über die Krim empfohlen hatte.

Unter den besonders bemerkenswerten Stücken der Literatur-Abteilung ragen außerdem hervor: ein Gästebuch (1952-1976) der Pariser Buchhandlung „Calligrammes“ mit Eintragungen zahlreicher Schriftsteller und Künstler, darunter Paul Celan, Peter Handke, Raoul Hausmann, Franz Jung, Walter Mehring, Tristan Tzara, Hans Arp, Max Ernst, Marino Marini, Hans Richter, Michel Seuphor, Ernst Bloch, Manès Sperber und viele andere (2032; 6000.-). – Ein eigenhändiges Gedichtmanuskript Goethes auf einem emblematisch illustrierten Blatt (1826), möglicherweise an den Hummel-Schüler Ferdinand Hiller überreicht, der an diesem Tag als einziger Besucher Goethes überliefert ist (2043; 12.000.-). – Ein Brief Eckermanns von 1832, in dem er erstmals eine Goethe-Anekdote aus seinen Aufzeichnungen über die „Gespräche“ zitiert (2045; 1800.-). – Ein Brief J. G. Herders von 1787 an Göschen, über die erste Ausgabe von Goethes „Schriften“ (2046; 1800.-). – Ein Umlaufbogen von 1825, auf dem sich diverse Wiener Verleger verpflichten, sich an das Nachdruckverbot des Deutschen Bundes für Goethes „Sämmtliche Werke“, Ausgabe letzter Hand, zu halten (2049; 1500.-). – Ein Brief von Jean Paul (1823) an Friedrich Laun über Witz und Komik im Roman (2063; 1800.-). – 9 inhaltsreiche, teils bedeutende eigenhändige Briefe und Karten (1905-1954) Thomas Manns an verschiedene Adressaten (2081-2089; Schätzpreise von 450.- bis 3500.-). – 7 eigenhändige Briefe und Karten Karl Mays an verschiedene Adressaten (2093-2099; Schätzpreise von 240.- bis 2800.-). – Ein Spottgedicht Eduard Mörikes auf einen Gläubiger, mit eigenhändiger Zeichnung (2102; 6000.-). - Ein Briefwechsel (89 Teile) des Ehepaares Robert und Martha Musil mit dem Psychologen G. J. von Allesch (2104; 120.000.-). - Ein Brief der berühmt-berüchtigten „Skandal-Gräfin“ Fanny zu Reventlow mit dem Bekenntnis „habe ich es ziemlich arg getrieben u. es war sehr schön“ (2111; 400.-). – Jean Paul Sartres Arbeitsexemplare von zwei Schriften Edmund Husserls mit zahlreichen Kommentaren und Marginalien (2117; 30.000.-). – In dieser Abteilung wie im ganzen Katalog ist diesmal eine größere Anzahl französischer Autoren mit inhaltsreichen Briefen vertreten, von Georges Bernanos über Chateaubriand, Paul Claudel, Colette, Georges Courteline, Alphonse Daudet, Edmond de Goncourt, Pierre Louys, Frédéric Mistral, Alfred de Musset, Romain Rolland, George Sand bis zu Emile Zola.

Im Kapitel „Wissenschaft“ ragt ein Brief Albert Einsteins an Franz Werfel hervor, in dem er sich für den immer über seine Armut klagenden Lyriker Jacob Haringer einsetzt (2145; 2500.-). – Ein eigenhändiger Brief des Mathematikers Carl Friedrich Gauß an einen Astronomen gehört zu den Seltenheiten des Autographenhandels (2150; 2800.-). – Auch ein Brief (1919) von Sven Hedin an den Schriftsteller Armin T. Wegner über die Massenmorde an den Armeniern zählt zu den bemerkenswerten Autographen dieser Abteilung (2154; 500.-), ebenso drei inhaltsreiche Briefe Alexander von Humboldts (2156-2158). Ein eigenhändiger Brief des Mathematikers und Philosophen P. L. de Maupertuis aus Potsdam (1751) verdient gleichfalls Erwähnung (2165; 1800.-).

In der Abteilung „Geschichte“ sind Briefe des Reichskanzlers Th. von Bethmann-Hollweg aus der Sammlung Robert Schuman besonders interessant: Sie sind an den Diplomaten Kiderlen-Wächter gerichtet und beschäftigen sich 1915 ausführlich mit der Rivalität zwischen den Generälen Hindenburg und Falkenhayn (2187; 600.-). – Von größter Seltenheit ist ein in Briefform verfaßtes, umfangreiches und eigenhändiges Gutachten des großen schwäbischen Reformators Johann Brenz (Hirsau 1566) über unerlaubte Eheschließungen (2191; 12.000.-).

Friedrich der Große bestellt 1743 „nur gute Ober-Ungrische Weine“ (2211 (450.-). – Unter den vielen Napoleonica sind drei Stücke besonders bemerkenswert: Ein Brief Napoleons von 1813 an seinen Finanzminister über die Finanzierung der Truppen in Deutschland nach der katastrophalen Rückkehr aus Russland (2237; 1800.-). – Zwei Urkunden (1802) über die Ernennung Napoleons zum Konsul auf Lebenszeit (2238; 1200.-). – Ein eigenhändiger Brief des Admirals Joinville von Bord der Fregatte „Belle Poule“ auf dem Weg nach St. Helena (1840), wo der Sarg Napoleons abgeholt werden soll (2245; 2800.-). – Ein französischer Brief der 15jährigen Sophie von Anhalt-Zerbst aus Moskau (1744), noch vor ihrer Eheschließung und späteren Krönung zur Zarin Katharina II. von Russland (2252; 4500.-). – Den Abschluß des Kapitels bildet eine kleine Abteilung von 16 seltenen Briefen österreichischer Aristokraten und Heerführer in Ungarn und Siebenbürgen aus dem 16.-18. Jahrhundert, darunter auch der Ehemann der berüchtigten „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory.

Im Kapitel „Bildende Kunst“ berichtet der Generaldirektor der Kgl. Museen in Berlin, Ignaz von Olfers, dem Maler Wilhelm von Kaulbach sehr ausführlich über den Fortgang der Ausgestaltung des „Neuen Museums“ auf der Berliner Museumsinsel (2282; 900.-). – 10 wichtige Briefe und Karten aus der Frühzeit Giorgio de Chiricos in deutscher Sprache (1909-1911) sind mit 45.000.- geschätzt (2286). – Man Ray ist mit einer Sammlung von 49 Autographen vertreten (2306; 24.000.-). – Gabriele Münter äußert sich gegenüber dem Verleger Reinhard Piper über abstrakte Malerei (2311; 1500.-). – Bedeutsame Dokumente sind zwei Schreiben des „Kampfbundes für Deutsche Kultur“ (1933), in denen die Aufnahme des Malers Emil Nolde in den „Kampfbund“ abgelehnt und die Zurückweisung begründet wird (2313; 9000.-).

Unter den 94 Positionen „Musik“ ragen Briefe und Postkarten von Hector Berlioz (2335; 900.-), Johannes Brahms (2338; 2800.-), Anton Bruckner (2339; 7500.-), Gaetano Donizetti (2343; 2500.-), Antonin Dvorak (2348; 3500.-), Manuel de Falla (2349; 1600.-), Joseph Joachim (2 Briefe, einer mit Zusatz von Brahms: „die Damen grüßt herzlich Br. selbst“; 4000.-), 5 Briefe von Franz Liszt, davon einer an den Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar, ausführlich über Betrebungen zur Reform der Oper in Deutschland (2371; 5000.-), 3 Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy an den Verleger Simrock (2380-2382; je 2200.-), Robert Schumann (2396; 2500.-), Richard Strauss (2398-2404), ein sehr umfangreicher Brief Richard Wagners 1843 an seine Schwester (2412; 12000.-), Anton von Webern (2419; 1200.-) und Hugo Wolf (eigenhändiges Verzeichnis seiner täglichen Ausgaben; 2422; 1200.-) hervor. - Musikmanuskripte werden u. a. von Carl Czerny (2341; 4000.-), Charles Gounod (2351; 1800.-), Léo Délibes (2342; 2800.-) und Ferdinand Hiller (2357; 2000.-) angeboten; ferner der Erstdruck von Franz Schuberts „Gretchen am Spinnrad“ (1821) mit dem handschriftlichen Kontrollvermerk „Schmpp 113“ am Schluß (2394; 4800.-).

Moderne Literatur und Kunstdokumentation – Pressendrucke

Im Katalog Moderne Literatur und Kunstdokumentation mit diesmal über 600 Losen kommen als herausragende Lose zum Aufruf: Ein vollständiges Exemplar der erlesensten deutschen Zeitschrift PAN (1895-1900) in Halbpergamenteinbänden mit Originalgraphiken von Toulouse-Lautrec, van de Velde, Signac, Behrens u. a. (14.000 €), ein Unikat-Exemplar von „Cours de Danse“ von Louis Legrand mit 4 Extrasuiten und in einem französischen Maroquin-Meistereinband (16.000 €), die von Picasso mit Kupferstichen und Holzschnittinitialen illustrierten „Six contes fantasques“ von M. Toesca (5.500 €) und „Pierres levées“ von Romains mit einer signierten Lithographie von Matisse (4.500 €). Eine Sammlung „John Heartfield“ würdigt den großen Meister der Fotomontage und seine Nachfolger, vor allem anhand von Beispielen aus dem Malik-Verlag mit den von Heartfield entworfenen Originalumschlägen für Werke von Ehrenburg, Sinclair und Tucholsky. Ein Konvolut von über 40 Ausgaben der A.I.Z. ist mit 1.800 € taxiert. Eine der wichtigsten Programmschriften des Expressionismus, „Der Blaue Reiter“-Almanach von W. Kandinsky und F. Marc, wird in einem Meistereinband von Max Schwerdtfeger angeboten. Schätzpreis: 4.000 €. Unter den Widmungsexemplaren hervorzuheben: Die 1902 in Berlin erschienenen „Gedichte“ Hermann Hesses mit einer eigenhändigen „Hommage“ des 25-Jährigen (450 €), Cocteaus Widmungsexemplar von „Orphée“ an Gerd Rosen (450 €) und Stefan Zweigs „Silberne Saiten“ mit einer Widmung des Zwanzigjährigen an den Schriftsteller Karl Federn (1.200 €). Weitere Schwerpunkte des Katalogs: Pressendrucke (z. B. eine größere Reihe von Drucken der Eremitenpresse von H. Achternbusch bis A. Waldschmidt, der Berliner Handpresse, der Hertenstein- und Raamin-Presse) sowie klassische Werke der modernen Buchillustration von Bonnard, Matisse (Rouveyres Repli in der Vorzugsausgabe, eines von 25 Exemplaren mit Extrasuite auf China), Dali (La Divine Comédie, 2.500 €), Linossier, Maillol, Vlaminck und Wols (Illustrationen zu Kafka, 2.200 €). Spitzenlos im Kapitel Architektur/Design ist eine vollständige Reihe der „Bauhausbücher“, 14 an der Zahl, in ersten Ausgaben und in den Originaleinbänden (14.000 €).

Eine Sammlung von über einhundert Plakaten präsentiert Beispiele dieses vielfältigen Mediums vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre. Darunter sind Film- und Ausstellungsplakate, Plakate der Produktwerbung (Persil bleibt Persil von 1913, 1.200 €), Bauhaus-Plakate, aber auch ein SED-Plakat von 1975.

„Private Figments“ von Abe Frajndlich (5.000 €) ist das am höchsten geschätzte Los unter den Fotobüchern, die am Schluss der Auktion stehen. Das Portfolio mit 12 signierten und datierten Silbergelatineabzügen aus den 70er Jahren soll 5.000 € einspielen.

Veranstaltungen zum Bericht:
111. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen

Quelle: © Galerie Bassenge Berlin

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