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Gerhard Richter, Porträt Heiner Friedrich, 1970

Gerhard Richter, Porträt Heiner Friedrich, 1970

Farbfotographie. Unikat auf weißem Fotopapier, auf dünnem weißen Karton und zusätzlich auf festem Karton aufgelegt
40 x 30,4 cm

Auf der Rückseite des Unterlagekartons mit Bleistift signiert und datiert "Richter, 1970" sowie eigenhändig betitelt "Portrait Heiner". Rahmen.

Losnummer: 142


Dabei: Gutachten von Hubertus Butin vom Oktober 2019

Werkverzeichnis: Vgl. Werkverzeichnis Butin Nr. 30

Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland seit 1970er Jahren

Laut schriftlicher Einschätzung von Hubertus Butin handelt es sich um eine originale künstlerische Fotoarbeit von Gerhard Richter, die der Künstler dann als Vorlage für seinen farbigen Offsetdruck von 1970 "Heiner Friedrich" (vgl. WVZ Butin 30) verwendete. Das fotographische Motiv stammt ursprünglich von Brigid Polk. (Brigid Berlin alias Brigid Polk gehörte zum engsten Freundeskreis Andy Warhols. 1970 traf sie in München mit dem Maler Gerhard Richter zusammen, der nach Polaroid-Selbstbildnissen der Künstlerin seine legendäre Werkgruppe Brigid Polk schuf). Der Galerist Heiner Friedrich gab 1970 die Auflagengrafik dieses Portraits als Beitrag der Galerie Friedrich zur Kölner Kunstmarktmappe heraus, die Editionen von 27 Künstlern enthält. Gerhard Richter würdigt mit dem Porträt den Galeristen Heiner Friedrich, dem er viel zu verdanken hatte. Dieser nämlich hatte dem 1961 aus der DDR zugewanderten und an der Düsseldorfer Kunstakademie ausgebildeten jungen Maler in seiner Münchner Galerie 1964 die erste Einzelausstellung ausgerichtet, ihn - neben Künstlern wie Beuys, Polke, Twombly und Warhol - unter Vertrag genommen und als Freund und Förderer begleitet. Damit bewies er schon früh ein untrügliches Gespür für die künstlerische Qualität von Gerhard Richters Werken und schuf die Grundlage für dessen heutigen Erfolg als bedeutendster deutscher Künstler der Gegenwart. Zugleich profilierte sich auch der später in New York etablierte Galerist als einer der wichtigsten Wegbereiter der zeitgenössischen Kunst. Das Bildnis ist nicht nur eine Hommage Richters an einen Freund, sondern auch ein herausragendes zeithistorisches Dokument der künstlerischen Avantgarde der 1960er Jahre. Indem er den Galeristen zum Motiv macht, reflektiert er darüber hinaus die Bedingungen des Kunstbetriebs, auf den der Künstler in Form von Ausstellungen, Sammler- und Museumskontakten, Publikationen etc. angewiesen ist. Das Porträt in die Kölner Kunstmarktmappe einzubringen, ist eine konzeptuelle Entscheidung vor dem Hintergrund, dass sich Heiner Friedrich unter dem Motto "Kunst für alle" mit druckgrafischen Editionen für eine demokratische Verbreitung der Kunst einsetzte. Im Oeuvre von Gerhard Richter spielen Porträts als Chiffre für Zeitgeschichte eine zentrale Rolle - sie begleiten seine Entwicklung von den frühen Familienbildern über die "48 Porträts" auf der Biennale 1972 bis hin zum berühmten RAF-Zyklus von 1977. Dabei machte er die Verwendung von Fotografien als Vorlage für seine Ölgemälde zur künstlerischen Strategie und das ins Unscharfe aufgelöste Motiv zu seinem unverwechselbaren Stilmerkmal. Technik und Form dienen folglich Gerhard Richters malerischem Umgang mit Figuration und Abstraktion und stützen seinen Zweifel an der objektiven Realität. Das Bildnis von Heiner Friedrich ist durch Motiv und Form ein für Richter repräsentatives Werk, zugleich aber auch ein außergewöhnliches Unikat. Dafür adaptiert er eine Fotoaufnahme von Brigid Polk, die als Warhols legendäre Muse eine gewisse Berühmtheit erlangte und der der Maler später eine eigene Werkserie widmete. Er verzichtet auf die Übertragung in Öl, sondern unterzieht sie einer fototechnischen Steigerung ihrer malerischen Qualität, die alle Stilmerkmale seiner Kunstauffassung trägt. Damit deklariert der Maler die Fotografie als eigenständiges, mit "Richter 1970" signiertes Bild, dem er den Status als Original zuweist und das die Vorlage für eine Reihe von Offsetdrucken bildet. Mit dem Porträt von Heiner Friedrich, das durch die leichte Überbelichtung, die aus der Bewegung erfasste Kopfhaltung, die geschlossenen Augen sowie die unscharfe Wiedergabe einem Schnappschuss ähnelt, unterläuft Gerhard Richter die Konventionen des klassischen Bildnisses. Stattdessen enthebt er den - auf zahlreichen Fotos von Menschen umringten und lachenden - Galeristen (evtl. Abbildung!) der irdisch-materiellen Wirklichkeit und entrückt ihn in eine andere Sphäre. Dadurch verweist er auf seine Fähigkeit zum Zugang zu einer transzendenten Ebene, nämlich jener der Kunst. Er schildert den Kunstförderer als einen Menschen, der gleichsam mit geschlossenen Augen sieht, der über ein vom Verstand gelöstes, intuitives Gespür für die Kunst und damit über eine Gabe verfügt, die derjenigen des Künstlers nahe kommt.


Veranstaltungshinweise:

Am 06.12.2019 Auktion 66: Klassische Moderne, Post War & Contemporary Art


Schätzpreis: 150.000 - 200.000  EURO

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