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Ramon Tusquets y Maignon, Venedig. Auszug eines Kardinals aus Santi Giovanni e Paolo (San Zanipolo) vor 1890

Ramon Tusquets y Maignon, Venedig. Auszug eines Kardinals aus Santi Giovanni e Paolo (San Zanipolo) vor 1890

Öl auf Leinwand. 124 x 95cm. Signiert unten links: R. Tusquets Roma. Rahmen.

Rückseitig:
Auf dem Keilrahmen alte Inventarnummer.

Literatur:
- Boetticher, Friedrich von: Malerwerke des Neunzehnten Jahrhunderts, Band II.2, FfM. 1969, Nr. 4: Hier mit der Erwähnung »München JA 90, Abb. im Katalog; Berlin ak. KA 92, Abb. Kst f. Alle 90";
- Kunst für Alle, 15.7.1891, VI. Jg., H. 20, S. 318: Hier mit der Erwähnung »Ausstellung des Schweizer Kunstvereins 03.-10.1891 (Wanderausstellung Basel, Winterthur, Schaffhausen, St. Gallen, Zürich, Lugano, Konstanz) unter dem Titel ‘Nach dem Hochamt’».

Losnummer: 1245


Wie auf einer Bühne herrscht vor der Kirche „San Giovanni e Paolo“ in Venedig ein buntes Treiben: Der Gottesdienst (oder das Hochamt) ist beendet. Höchste kirchliche Würdenträger ziehen aus der Kirche, an ihrer Spitze ein Kardinal auf den Stufen vor dem geschmückten Portal. Eine Prachtkutsche erwartet den Geistlichen. Er selbst und die Männer in seinem Gefolge sind so charakteristisch gezeichnet, dass es sich vermutlich um Portraits handelt. Es scheint eine historisch greifbare Szene zu sein, die sich dort ereignet. Aber der Blick des Betrachters wird von dem festlichen Auszug der Geistlichen abgelenkt.

Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und jeden Alters sind vor der Kirche versammelt. Teilweise wenden sie sich dem Hauptereignis zu, teilweise geht ihre Aufmerksamkeit in andere Richtung. Gar nicht angemessen rennen drei zerlumpt gekleidete Kinder im Vordergrund um die Kutsche herum. Angekläfft von einem Hund, scheinen sie zu spät zum Auszug aus der Kirche zu kommen. Da wirbelt ein Hut zu Boden; einer der Drei, mit Schuhputzkasten belastet, will möglicherweise das Geschäft mit den Menschen, die noch aus der Kirche kommen werden, nicht verpassen.

Am rechten Bildrand spielt sich eine weitere Szene ab: Zwei festlich gekleidete Frauen, eine mit einem Windspiel an der Leine, eine mit einem Baby auf dem Arm, wenden dem Geschehen vor dem Portal den Rücken zu. Die Frau mit Kind – vielleicht die Amme – gibt einer alten Frau Geld. Ist sie eine Wahrsagerin? Hat sie vielleicht eben die Zukunft des Säuglings vorhergesagt? Glaube und Aberglaube treffen vor der Kirche aufeinander. Der Hund an der Leine der Frau wendet seine Aufmerksamkeit wiederum dem kläffenden Straßenhund und den eiligen Kindern zu. So sind diese beiden Gruppen – Arm und Reich - miteinander verschränkt.

Ramón Tusquets y Maignon ist der Künstler, der diese Mischung aus einem Historienbild mit genrehafter Belebung malte. Ein Katalane, der zunächst den familiär vorbestimmten Kaufmannsberuf ausübte aber nach dem Tod seines Vaters sofort seiner eigentlichen Berufung nachging und Maler wurde. Nach einer einjährigen Ausbildung an der Akademie in Madrid ging der damals 27-Jährige nach Rom, studierte an der Chigi-Akademie und schloss sich einem Kreis katalanischer Künstler an, die er dort traf. Er lebte in Rom und Neapel.

Tusquets y Maignon scheint mit seinen Gemälden schnell Erfolg gehabt zu haben. Seine historischen Darstellungen, Genrestücke und auch die beliebten orientalistischen Sujets kamen in Italien, aber auch in seiner Heimat Spanien, zu der er immer Kontakt hielt, gut an. Er nahm an internationalen Kunstausstellungen teil und war bei den Weltausstellungen in Wien (1873) und Paris (1878) vertreten.

Möglicherweise hat Tusquets y Maignon dieses Gemälde gezielt für den spanischen Kunstmarkt gemalt, findet doch die blaue Farbe der liturgischen Gewänder, die zwei Geistliche tragen, allein in der dortigen Kirche Verwendung. Die Fassade der Kirche „San Giovanni e Paolo“ hat der Künstler am oberen Bildrand zugunsten eines Ausblicks in den Himmel „umgestaltet“. Sei es aus kompositorischem Willen oder weil er den oberen Teil der Fassade nicht vor Augen hatte, als er das Bild schuf. Auch diese „künstlerische Freiheit“ kann ein Indiz dafür sein, dass das Bild nicht für italienische Kundschaft gemalt wurde.

Das hier angebotene Werk zeigt Tusquets y Maignons Fähigkeit mit souveräner Maltechnik, die im Detail sogar skizzenhaft wirkt, einen Gesamteindruck höchster Präzision zu schaffen. Die historische „Momentaufnahme“ wird durch die Genrefiguren belebt. Ein kleines Detail, wie die Weihrauchschwaden, die über den Köpfen der Würdenträger aus dem Portal ziehen, zeigt, wie sehr der Künstler es verstand, das Gemalte realistisch wirken zu lassen.

Das frische, gezielt eingesetzte Kolorit der bunten Stoffe und Kostüme vor der dunklen, fast den gesamten Bildraum einnehmenden Kirchenfassade, zieht die Blicke der Betrachter auf sich. An diesem Werk wird deutlich, warum der Kunsthistoriker Carlos Reyero zu dem Schluss kommt: „Ramon Tusquets y Maignon ist der katalanische Maler, bei dem es am wenigsten gerechtfertigt ist, dass er in Vergessenheit geriet.“


Veranstaltungshinweise:

Am 15.11.2018 418. Auktion: Alte Kunst


Schätzpreis: 30.000 - 50.000  EURO

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