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Grosse Jardiniere „aux Zephyrs“, Empire/Restauration, Paris um 1815/30

Grosse Jardiniere „aux Zephyrs“, Empire/Restauration, Paris um 1815/30

die Ebenisterie Adam Weisweiler (Meister 1778) oder Charles Joseph Lemarchand (1759 Paris 1826) zuzuschreiben, die Bronzen von Pierre Philippe Thomire (1751 Paris 1851)

Eibe gefriest. Hexagonaler Korpus mit vorstehendem, profiliertem Rand auf 6 feinen Säulen "aux zephirs" und entsprechender Sockelplatte auf Rollen. Ausserordentlich feine, matt- und glanzvergoldete Bronzebeschläge und -applikationen. Herausnehmbares Zinnbecken.

D 82 cm. H 92 cm.



Provenienz:
- Ehemals Sammlung Grognot et Joinel, Paris.
- Aus französischem Besitz.

Mit ausführlichem Gutachten von J.D. Augarde, Paris 2017.

Die hier angeboten Jardinière ist abgebildet in: S. Faniel, Le XIXe siècle français, Paris 1959; S. 57 (Abb. 2).

Losnummer: 1435


Das Modell der hier angebotenen Jardinière wurde 1803 publiziert von P. de la Mésangère auf Tafel 84 seines Werkes, "Collection de Meubles et Objets de Goût", auf welcher im Sockelzentrum ein Aquarium platziert wurde. Die Idee des Aquariums findet sich zeitgleich an einem Deckenleuchter von C. Galle, welcher heute Teil der Sammlungen des Paul Getty Museums in Los Angeles ist.

Die Bronzen der hier angebotenen Jardinière sind aus der Werkstatt des P.P. Thomire. In seinem Inventar, erstellt kurz vor dem Sturz Napoleons, wird unter "Objets divers" eine "Jardinière à têtes de zéphyr et ornement de la pareclose" aufgeführt sowie weitere "cing tètes de zéphyrs pour jardinières". Die der hier angebotenen Jardinière identischen Büsten mit den schmalen Stützen und den umgekehrten Blütenfüssen finden sich an einem Paar Konsolen, gefertigt für General Moreau und später erworben von Napoleon, heute Teil der Sammlungen des Château de Fontainebleau. Die anderen Beschläge finden sich in identischer Weise an einer Jardinière, welche P.P. Thomire 1807 geliefert wurde und später in den Palazzo von Montecavallo transferiert wurde - es ist heute Teil der Sammlungen des Palazzo Reale von Neapel. Die Beschläge in Form einer mit Früchten gefüllten Schale finden sich in identischer Weise an einer Jardinière, welche König Maximilian von Bayern im Jahre 1810 bei P.P. Thomire erwarb und heute Teil der Sammlungen der Münchner Residenz ist.

Im Jahre 1804 übernahm P.P. Thomire die Werkstatt des F. Lignéreux und zugleich dessen Tätigkeit als Hersteller und Verkäufer von Möbeln. Damit war auch die Zusammenarbeit mit den bis anhin für den Vorgänger tätigen Ebenisten möglich. Es ist davon auszugehen, dass die erwähnten Jardinièren vor 1804 noch unter F. Lignéreux kommerzialsiert wurden, in Zusammenarbeit mit den Ebenisten A. Weisweiler oder C.J. Lemarchand. Vor allem der Erstgenannte fertigte eine Vielzahl von bedeutenden Möbeln in Zusammenarbeit mit beiden Bronziers. Im Inventar von P.P. Thomire findet sich eine "table carré en bois d'if portée par quatre balustres à têtes de zéphyrs, Vinsulaire (Bezeichnung für den Ebenisten Weisweiler in den Inventaren der Epoche)...prixée de 1941 francs". Auch das hier angebotene Möbel ist in Eibe furniert. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil dieses sehr teure Edelholz nahezu immer an Möbel von kaiserlichem oder königlichem Auftrag Verwendung fand, vor allem auch in der Produktion von A. Weisweiler. Die Jardinière für den König von Bayern trägt die Signatur von C.J. Lemarchand, der ebenfalls eine fruchtbare Zusammenarbeit mit beiden Bronziers pflegte.

Lit.: J.D. Augarde, P.P. Thomire, Dijon 2018 (in Vorbereitung). G. Janneau, Le meuble léger en France, Paris 1952; S. 255. P. de la Mésangère, Collection de Meubles et Objets de Goût, Paris 1803. B. Langer et al., Die Möbel der Residenz München III, München 1997; S. 124f. (Nr. 32). J.P. Samoyault, Le mobilier du général Moreau, Paris 1992; S. 396 (Nr. 39). P. Arizzoli-Clementel, Il Progetto d'arredo del Quirinale nell'età napoleonica, Rom 1995; S. 351f.


Veranstaltungshinweise:

Am 18.09.2017 bis 22.09.2017 Auktionswoche A182: Schmuck, Silber & Porzellan, Möbel & Skulpturen, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Teppiche, Bücher


Schätzpreis: 50.000 - 70.000  SFR

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