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1 Paar Prunk-Deckelvasen „a l’antique“, Louis XVI, Italien um 1780/1800

1 Paar Prunk-Deckelvasen „a l’antique“, Louis XVI, Italien um 1780/1800

nach zeichnerischen Vorlagen von Giovanni Battista Piranesi (Treviso 1720-1778 Rom)

"Carrara"-Marmor. Urnenförmiger Gefässkörper mit godroniertem, gewölbtem und blätterbeschmücktem Deckel auf godroniertem Rundfuss mit Quaderplatte. Die Wandung mit ausserordentlich feiner Darstellung von antikisierender Figurenstaffage in ovalen Medaillons, Rosetten, Blättern und Zierfries.

H 70 cm.



Provenienz: Aus französischem Besitz.

Losnummer: 1416


Als zeichnerische Vorlagen des hier angebotenen Vasenpaares können G.B. Piranesis Stiche aus den "Antichita Romanae" aufgeführt werden, namentlich eine Vase für Watkin William Wynne mit analoger Formgebung sowie für Milord Palmersten für die Godronierung des Korpusses.

G.B. Piranesi, italienischer Kupferstecher, Archäologe, Architekt und Architekturtheoretiker, wurde als Sohn eines Steinmetzes geboren. Sein Bruder Angelo vermittelte ihm Latein und die Grundlagen der antiken Literatur. Seine Ausbildung als Architekt begann er am Magistrato delle Acque bei einem Bruder seiner Mutter, Matteo Lucchesi, einem venezianischen Tiefbauingenieur, der für die Regulierung der Lagune zuständig war. Nachdem er sich im Streit mit seinem Onkel überworfen hatte, setzte er seine Ausbildung bei Giovanni Scalfarotto (1670–1764) fort. In einer weiteren Ausbildung zum Bühnenbildner lernte er die Möglichkeiten der Bühnendekoration kennen. Dies ermöglichte ihm eine intensive Beschäftigung mit der Kunst der Illusion und der Perspektive. Zu dieser Zeit gelangte in Venedig – insbesondere durch Canaletto – die Kunst der Vedute zu einem Höhepunkt.

1740 reiste er als Zeichner im Gefolge von Marco Foscarini, dem venezianischen Gesandten beim Vatikan, nach Rom. Er nahm Quartier im Palazzo Venezia und begann zunächst mit dem Studium der römischen Baukunst. Sehr bald erkannte Piranesi, dass die Aussichten für Architekten in Rom sehr schlecht waren. Chancen ergaben sich eher auf dem Gebiet der Malerei, besonders durch den beginnenden Romtourismus. Ein Jahr nach seiner Ankunft in Rom begann er mit einer Ausbildung bei dem Vedutenzeichner Giuseppe Vasi, der ihm die Grundlagen der Radierung und des Kupferstichs vermittelte. Piranesi überwarf sich jedoch sehr bald mit Vasi und beendete die Ausbildung in dessen Werkstatt. Zusammen mit Stipendiaten der Französischen Akademie arbeitete er an einer Folge kleinerer Ansichten Roms, die dann 1745 als Varie Vedute di Roma Antica e Moderna erschienen. Bereits 1743 veröffentlichte er sein erstes eigenes Werk, Prima parte di Architettura e Prospettive – Stadtansichten in einer Verbindung von Grabstichelarbeit und Radierung. Er widmete das Werk Nicola Giobbe, einem venezianischen Bauunternehmer, der ihn seit seiner Ankunft in Rom gefördert hatte. Von 1743 bis 1747 hielt er sich meistens in Venedig auf, wo er auch bei Giovanni Battista Tiepolo arbeitete.

Schließlich kehrte er nach Rom zurück, wo er ein Geschäft an der Via del Corso eröffnete. In den Jahren 1748 bis 1774 schuf er weitere Folgen von Veduten barocker und antiker Baudenkmäler Roms, die Vedute di Roma, die - meist von hartem Sonnenlicht erhellt - eine eigentümlich monumentale Wirkung entfalten. Diese Veduten enthalten auch Bilderkompositionen in der Art des Capriccios. 1756 erforschte und vermaß Piranesi zahllose Bauten des antiken Rom. Folge war die Herausgabe der Ansichten römischer Altertümer in vier Bänden, die Antichità romane. Im Februar 1757 wurde er in die Society of Antiquaries of London aufgenommen, 1761 in die römische Accademia di San Luca. Im gleichen Jahr richtete er ein neues Atelier mit eigener Druckerei ein. In einem Catalogo delle Opere stellte er seine Radierungen mit Preisen zusammen. 1763 erteilte Papst Clemens XIII. Piranesi den Auftrag zum Umbau des Chores von San Giovanni in Laterano. Über das Entwurfsstadium gelangte er jedoch nicht hinaus. Im Folgejahr wurde Piranesi durch Kardinal Giovanni Battista Rezzonico mit der Neugestaltung von Santa Maria del Priorato beauftragt. Piranesi starb 1778 nach langer Krankheit in Rom.


Veranstaltungshinweise:

Am 18.09.2017 bis 22.09.2017 Auktionswoche A182: Schmuck, Silber & Porzellan, Möbel & Skulpturen, Gemälde Alter Meister und des 19. Jahrhunderts, Teppiche, Bücher


Schätzpreis: 40.000 - 50.000  SFR

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