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Max Kaus, Stilleben mit Ananas, um 1928

Max Kaus, Stilleben mit Ananas, um 1928

Öl auf Leinwand. Um 1928.
90 x 74,3 cm.
Unten links mit Pinsel in Blau signiert "MKaus".
Schmitt-Wischmann/Kaus 136.

Losnummer: 8338


Unter der Nummer 136 lässt sich im Werkverzeichnis Max Kaus‘ eine kleine Schwarz/Weiß-Abbildung des Ölgemäldes "Stilleben mit Ananas" sowie die Anmerkung "Verbleib unbekannt" finden. Umso spektakulärer und intensiver ist das Erlebnis, dieses bisher der Öffentlichkeit unzugängliche Bild nun tatsächlich in seiner prachtvollen Farbgebung betrachten zu können. Schnell stellt man fest, dass das Gemälde im Vergleich zu seiner Werkverzeichnisabbildung vor Lebendigkeit strahlt und dieses Stilleben, neben den vielen Landschaftsdarstellungen, die Kaus zu jener Zeit häufiger als Motiv wählte, einen besonderen Stellenwert einnimmt.

Das Stilleben, eine Art Interieurbild, das das Wohnzimmer des Künstlers darstellt, spiegelt den Einfluss Paul Cézannes auf Kaus‘ Schaffen um 1930 wider. Die großflächige, plastische und etwas klobige Gestaltung der Objekte, die besonders in der Darstellung des karottenartigen Vorhanges, der Obstschüssel samt Inhalt sowie des Kissens zum Vorschein kommen, belegen diesen Vergleich. Dennoch scheint das "Stilleben mit Ananas" von der Starrheit des klassischen Stillebens abzuweichen. Dynamik suggeriert der Künstler durch die expressive Farbgebung, bei der Blau, Gelb und Orange schon fast wie Signalfarben dem Betrachter entgegenscheinen. Bewusst setzt er Tierdarstellungen ornamenthaft in Tischdecke, Kissen und Wandbild ein, um im Bild selbst eine innere Lebenswelt zu erzeugen, die zusätzlich einen sehr persönlichen Bezug hat. Das Bild an der Wand verweist auf den Holzschnitt "Katzen" von Karl Schmidt-Rottluff und verdeutlicht Kaus' Nähe und den Einfluss seiner engen Künstlerfreunde, wie Erich Heckel, Max Pechstein und Otto Mueller. Durch die pastose Textur der Objekte lädt Kaus das Bild mit einer gewissen Haptik auf und erzielt einen dreidimensionalen Charakter. Es scheint kaum verwunderlich, dass Kaus um diese Zeit, also 1929, mit dem Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbundes ausgezeichnet wurde. Der bei Heckel ausgebildete Max Kaus ist nach wie vor auf dem deutschen Kunstmarkt einer zu Unrecht am wenigsten gewürdigten Expressionisten.

Provenienz: Privatbesitz Berlin



Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Veranstaltungshinweise:

Am 12.06.2021 117. Auktion: Moderne Kunst Teil I


Schätzpreis: 15.000,-  EURO

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