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Von Beuys bis Liebermann – Museal: „Ausgewählte Werke“ bei Grisebach

Georg Tappert, Geisha-Revue, 1911/13

Nur selten treten Objekte ans Licht, die so exemplarisch eine historische Person in ihrem Charakter nahbar machen. Eine Kostbarkeit ersten Ranges und eine der reizvollsten Schöpfungen europäischer Porzellankunst kommt in dieser Auktion zum Aufruf: ein Flötenkasten, der 1761 in Meissen für den privaten Gebrauch von Friedrich dem Großen gefertigt wurde (EUR 250.000-350.000).

Zu den Höhepunkten im Bereich Moderne Kunst zählt Georg Tapperts schwungvolle „Geisha-Revue“ von 1911/13, ein eindrucksvolles Zeugnis des Exotismus in der Kunst vor 1914 und eine Inkunabel des deutschen Expressionismus (EUR 350.000-450.000) sowie Otto Dix’ “Zirkusscene” von 1923 (EUR 200.000-300.000), eine metaphorisch aufgeladene Zustandsbeschreibung der 1920er-Jahre mit beeindruckender Ausstellungshistorie. Besonderes Augenmerk verdient auch Alexej von Jawlenskys spannungsvolles Spiel von Figuration und Abstraktion in „Abstrakter Kopf: Komposition Nr.9“ von 1924: in einem besonders intensiven und leuchtenden Kolorit zeigt sie die Suche Jawlenskys nach einem allgemeingültigen Urbild des menschlichen Antlitzes (EUR 250.000-350.000). Nach dem Weltrekord für Hans Grundig in der vergangenen Frühjahrsauktion (EUR 462.500 für „Schüler mit roter Mütze“) kommt mit „Mädchen mit rosa Hut“ von 1925 eine weitere Ikone der Dresdner Neuen Sachlichkeit zum Aufruf – eines der letzten frühen Gemälde des Künstlers auf dem Kunstmarkt (EUR 100.000-150.000). Ein wunderbares Beispiel für Lyonel Feiningers prismatisch gebrochenen Kubismus zeigt sich in den spannungsvollen Farbkontrasten zwischen Türkis, Gelb und Braun in seiner Arbeit „Cammin“ von 1934 (EUR 500.000-700.000). Es ist Zeugnis von Feiningers Sommeraufenthalten an der pommerschen Ostseeküste. Vom Meister des Mysteriums, René Magritte, wird in der Abendauktion die Gouache „Le domaine enchanté“, eine Studie für den Zyklus der Wandbilder im Casino der belgischen Küstenstadt Knokke-Heist von 1953 angeboten, eine Dekonstruktion vermeintlich unumstößlicher Sicherheiten die auf EUR 400.000-600.000 geschätzt ist.

Highlight der „Ausgewählten Werke“ aus dem Bereich der Zeitgenössischen Kunst ist ein Großformat der Meisterin des faszinierenden Realismus, Karin Kneffels „Ohne Titel“ von 2003, ein weiteres Gemälde von musealer Qualität aus der Sammlung Thomas und Raffaela von Salis (EUR 100.000-120.000). Eine wahre Entdeckung sind „Catsuit – after William Morris“ (EUR 100.000-120.000) und ihr Pendant „Victoria“ (EUR 100.000-120.000) der südafrikanischen Künstlerin Marlene Dumas in Zusammenarbeit mit dem Niederländer Bert Boogaard. In den Werken verbinden sich zwei künstlerische Welten: Auf die weiblichen Figuren Dumas in Aquarell legt sich die transparent-wirkende Ornamentik Boogaards.

Eine Rarität aus dem Bereich Fotografie bereichert das spartenübergreifende Abendangebot mit dem „Porträt Wassily Kandisky“ von 1925 Hugo Erfurth, hier trifft der bedeutenste Porträtfotograf seiner Zeit auf einen der wichtigsten Künstler der Moderne (EUR 10.000-15.000). Der Vintage print aus dem Besitz von László Moholy-Nagy war 1938 Teil der legendären ersten Bauhaus-Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art.

Eine Sonderauktion mit eigenem Katalog ist der Sammlung Calábria am 4. Dezember gewidmet. Versteigert wird die Kunstsammlung des früheren brasilianischen Botschafters Mário Calábria, der in Ostberlin ein weitgespanntes Netz von Künstlerfreundschaften pflegte. Schwerpunkt seiner Sammelleidenschaft war die abstrakte und konkrete Kunst, die mit bedeutenden Werken u.a. von Hermann Glöckner und Almir da Silva Mavignier vertreten ist. Calábria baute eine Sammlung auf, die nicht nur seiner Leidenschaft für die Kunst entsprang, sondern auch einer sozialen Verantwortung, die Künstler materiell und ideell zu unterstützen.

Die Abteilung Zeitgenössische Kunst kann mit einem stringenten und vielseitigem Angebot aufwarten: An der Spitze der rund 180 Lose steht mit einem Schätzpreis von EUR 300.000-400.000 Per Kirkebys imposantes Ölgemälde „Ohne Titel“ aus dem Jahr 2006. Die monumentale, abstrahierte Landschaft wurde in der großangelegten Retrospektive zum 70. Geburtstags des Künstlers im Louisiana Museum of Art gezeigt. Martin Kippenbergers „Young Beach believe Us. Young Beachbelievers“ von 1986, zeigt eine typisch, ironische Collage, einen Materialmix aus verschiedenen Baumwollstoffen, Silikon und Latex. Das für den Künstler ungewöhnlich poppige Sujet stammt aus der Blake Byrne Collection, Paris/Los Angeles (EUR 50.000– 70.000).

Die Sammlung Thomas und Raffaela von Salis, die im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten eklektisch entstanden ist, reflektiert das geschulte Auge und den pointierten Geschmack des Kunsthändlers. Grisebach freut sich, einzelne Werke aus der Sammlung in den Herbstauktionen versteigern zu dürfen. Das ausgeprägte Gespür und die anhaltende Leidenschaft der Sammler spiegeln sich unter anderem in spannungsvollen Gegenüberstellungen verschiedener Künstler wie etwa Arnulf Rainer, Robert Mangold, Clement Meadmore, Lucio Fontana und Mario Giacomelli.

Das Hauptlos der Auktion Kunst des 19. Jahrhunderts ist Carl Gustav Carus’ Ölgemälde „Schiffsmühle auf der Elbe bei Dresden“ um 1826, ein Kleinod der Dresdner Romantik – die Nähe zu Caspar David Friedrich unübersehbar – ist auf EUR 100.000–150.000 geschätzt. Ebenfalls von Friedrich und seinem skandinavischen Landsmann Johan Christian Dahl in Dresden inspiriert ist das „Kliff an der nord-norwegischen Küste“ (um 1845, EUR 30.000-40.000) des Ausnahmekünstlers Peder Balke - der „Turner Skandinaviens“, dessen spektakuläre Studien im Nationalmuseum Oslo als auch im Louvre hängen. Der glühende Sonnenuntergang, der die Studie „Ägina mit dem Apollotempel“ (um 1835, EUR 18.000-24.000) aus Carl Rottmanns berühmtem Griechenland-Zyklus zum virtuosen Farbenfest macht, bildet den Auftakt für dessen künstlerisches Leitmotiv der 1840er Jahre.

Allein 175 Losnummern moderner und zeitgenössischer Photographie werden im Rahmen der Herbstauktionen bei Grisebach versteigert. Zu den besonderen Sammelstücken gehören nebst dem Coverlos „Flag“ des amerikanischen Fotografen Mitch Epstein aus dem Jahr 2000 (EUR 25.000-30.000), die Arbeit „‚Parlour Games‘ Munich“ von 1991 einem der berühmtesten Photographen des 20. Jahrhunderts: Helmut Newton (EUR 20.000-30.000).

Insgesamt werden bei den Herbstauktionen vom 2. bis 4. Dezember knapp 900 Kunstwerke mit einem unteren Schätzpreis von insgesamt EUR 15,5 Mio. versteigert. Die Vorbesichtigung in Berlin an drei Standorten in der Fasanenstraße (25, 27, 73) beginnt am 20. November und endet am 1. Dezember.

Quelle: © Villa Grisebach Auktionen GmbH

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