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Tiepolo ganz in Braun

Giovanni Battista Tiepolo, Innenraum mit Kapuzinermönchen am Sterbebett eines Ordensbruders

Die Auktionen vom vergangenen Wochenende – Alte Kunst und 19. Jh., Schmuck, Kunstgewerbe mit den beiden sehr bedeutenden Sammlungen Roentgen-Möbel und Sammlung Renate und Tono Dreßen mit Meißen-Porzellan und altem Glas waren mit einem Gesamtergebnis 9,2 Millionen Euro sehr. Highlight der Offerte der Alten Kunst und des 19. Jh. war ein Gemälde von Giovanni Battista (Giambattista) Tiepolo mit 500.000 Euro. Zu den Höhepunkten gehörte auch ein Stilllebenpaar von Pieter van Schaeyenborgh für € 338.000. Es folgten ein Blumen- und Früchtestillleben von Abraham Brueghel (€ 125.000) und ein Stillleben von Frans Snyders für € 144.000. Ein “Kücheninterieur” von David Teniers d. J. kam auf € 100.000, die auch eine große Leinwand Theodore Boeyermans erreichte.

Das Angebot des 19. Jahrhunderts brachte ebenfalls starke Ergebnisse hervor. Anselm Feuerbach kam mit einer frühen, großen Leinwand auf € 125.000, die auch das prachtvolle Gemälde „Nach dem Ball“ von Conrad Kiesel und eine Leinwand Anselm Feuerbachs einspielten. Einen bemerkenswerten Anstieg gab es mit € 106.000 für ein Gemälde von Konstantin Makowskis.

Die Skulpturen glänzten mit zwei herausragenden Resultaten: So erreichte eine nord-französische Madonna aus dem 15. Jh. € 103.000 und eine vergoldete Kupfer- und Email-Hostiendose des 13. Jh. aus Limoges € 88.000.

Für Giovanni Battista (Giambattista) Tiepolo ist die 56 x 42 cm große Leinwand „Innenraum mit Kapuzinermönchen am Sterbebett eines Ordensbruders“ ein ungewöhnliches Thema: Ein Kapuzinermönch auf dem Sterbebett begleitet von sechs Ordensbrüdern in einer Klosterzelle. Ebenso ungewöhnlich die Farbpalette des Bildes, die aus einem reichen Akkord unterschiedlicher Brauntöne besteht. Doch in der skizzenhaften Unmittelbarkeit, in der Art, wie mit raschen und virtuosen Pinselstrichen das Sujet erfasst wird, ist die Handschrift des großen venezianischen Settecento-Malers unmittelbar zu erkennen – wie auch in der lebendigen, flackernden Lichtregie dieser intimen Szene. Beachtlich ist auch die Provenienz: Von der Familie Corniani-Algarotti ging das Gemälde an Lord George Cavendish-Bentnick (1821–1891) über, den leidenschaftlichen Kunstliebhaber und Treuhänder des Britischen Museums. Nun wandert dieses bemerkenswerte Bild für € 500.000 in eine ausländische Sammlung (Lot 2079, € 400/450.000).

Ein weiterer Höhepunkt der Auktion war mit € 338.000 Pieter van Schaeyenborghs Gemäldepaar "Stillleben mit Süßwasserfischen / Stillleben mit Seefischen“ das eine besondere Geschichte auszeichnet. Die beiden großformatigen Gemälde des Künstlers nehmen eine besondere Stellung in der Gattungsgeschichte des holländischen Fischstilllebens ein: Es sind wohl die einzigen Beispiele der in den Niederlanden so populären Gattung, deren Provenienz sich bis zur Auftragsvergabe zurückverfolgen lässt und ein klares Bild der ursprünglichen Bestimmung der Gemälde bietet. Über 200 Jahre schmückten sie das Provenhuis van Nordingen in Alkmaar, später waren sie als Leihgabe im dortigen Stadtmuseum zu sehen, bevor sie ins Provenhuis zurückgelangten und 1971 durch Verkauf auseinandergerissen wurden. Durch glückliche Umstände konnten sie wieder zusammengeführt werden und bilden heute so, wie ursprünglich vorgesehen, ein Bilderpaar. Nun werden sie in die Niederlande gehen (Lot 2043, € 150/200.000).

Für € 144.000 übernahm ein deutscher Sammler ein „Stillleben mit Vögeln und Traubenkorb“ von Frans Snyders. In den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts gehörte der Künstler zu den gefragten wie künstlerisch engstens vernetzten Malern in Antwerpen: Als Schüler von Pieter Brueghel d. J. und Hendrick van Balen, als Mitarbeiter von Peter Paul Rubens und als Oberhaupt einer großen Werkstatt, in der Jan Fyt und viele andere namenhafte Künstler tätig waren (Lot 2028, € 90/110.000). 100.000 Euro investierte ein Sammler in ein signiertes „Stillleben mit Blumen und Früchten“ von Abraham Brueghel (Lot 2050, € 100/120.000). „Ländliche Küche mit Stillleben und einem Paar“, ein Kücheninterieur von David Teniers d. J. , wandert für ebenfalls € 100.000 in eine Sammlung. Der Künstler hat die Entwicklung des Bauerngenres in der flämischen Kunst des 17. Jahrhunderts entscheidend geprägt (Lot 2053, € 60/70.000). Auch Theodore Boeyermans spielte mit seiner 219,5 x 141 cm messenden Leinwand „Der Zinsgroschen“ € 100.000 ein. Werke dieses Antwerpener Malers tauchen auf dem Kunstmarkt sehr selten auf (Lot 2062, € 80/90.000).

19. Jahrhundert

Ein heftiger Bietwettbewerb entbrannte um Anselm Feuerbachs 147 x 182 cm große Leinwand „Jacob freit um Rahel“. Das frühe und großformatige Werk Gemälde des Künstlers ist wohl um 1854 entstanden. Auf € 40/50.000 geschätzt, konnte sich deutscher Handel erst mit der Bewilligung von € 125.000 durchsetzen (Lot 2249, € 40/50.000).

Die zu den Hauptwerken Conrad Kiesels zählende prachtvolle, virtuos-elegante Leinwand „Nach dem Ball“ spielte € 125.000 ein. Kiesel war ein äußerst vielseitig begabter Künstler; er feierte große Erfolge mit seinen Darstellungen anmutiger junger Damen in reich ausgestatteten Interieurs. Man schätzte, was schön und kostbar ist. Das Können der Salonmaler, auch der deutschen Vertreter wie Conrad Kiesel, ist bemerkenswert (Lot 2295, € 130/140.000).
Einen bemerkenswerten Anstieg gab es nach langem Bietgefecht mit € 106.000 für „Vierhändiges Klavierspiel“, ein 39,5 x 31,5 cm großes Gemälde auf Holz von Konstantin Makowski aus dem Jahr 1880 – das Bild war mit € 6/8.000 bewertet (Lot 2276). Die „Mühle im Eichtal“ von Ernst Ferdinand Oehme kam auf € 88.000 (Lot 2239, € 80/100.000).

Skulpturen und Zeichnungen

Eine 73 cm große, in Sandstein gearbeitete und wohl nordfranzösische Madonna mit Kind aus der 1. Hälfte des 15. Jh. kam dank engagierter Gebote mit € 103.000 weit über ihre Taxe von € 12/14.000 hinaus, die ein deutscher Sammler investieren musste, um den Sieg im Bietwettkampf davonzutragen (Lot 2132). In Limoges ist in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts eine sehr seltene Hostiendose aus vergoldetem Kupfer und Email entstanden. Vielfaches Interesse trieb sie von € 25/30.000 bis auf € 88.000 (Lot 2123).

Bei den Zeichnungen überzeugte insbesondere Federico Baroccis in Pastell ausgeführtes „Haupt Christi mit Dornenkrone“, das für € 45.000 von einem deutschen Sammler übernommen wurde (Lot 2087, € 35.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1160: Alte Kunst und 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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