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Max Liebermann, Stilleben - Alter Stuhl, Dreimaster, Buch mit Siegel, 1869/70

Max Liebermann, Stilleben - Alter Stuhl, Dreimaster, Buch mit Siegel, 1869/70

Öl auf Eichenholz. 1869/70.
23,6 x 17 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "M Liebermann" und bezeichnet "Weimar 1870".
Eberle 1869/3.

Losnummer: 8325


Liebermann malt eine Leerstelle. Zunächst ist dies die Abwesenheit des Menschen, genauer: des Mannes. Denn es sind männliche Utensilien, die er um den alten Lehnstuhl mit seinen gewundenen Barockformen herum drapiert, nämlich den auch "Dreimaster" genannten friderizianischen Dreispitz, die Jacke aus blauem Samt; am weißen Tuch über der Armlehne lehnt ein Säbel, und auf der Sitzfläche liegen neben einem ledergebundenen Folianten noch einige gesiegelte Urkunden. Da ein Stilleben ja immer auch eine Art Erzählung ist, sehen wir hier also nicht nur die Abwesenheit eines Mannes, sondern den Platz, den er verlassen hat. Dieser Platz ist gefüllt mit teils bürgerlich, teils historisch und auch soldatisch wirkenden Insignien preußischer Pflichterfüllung. Liebermann malt hier ein Arrangement, das entweder dazu anregen soll, ein Stück geschriebener Geschichte zu reflektieren (Eberle) oder möglicherweise, sei es bewusst, sei es unbewusst, auch für die eigene Abkehr von dem für ihn vorgesehenen Lebensweg steht: Seine Eltern waren nicht begeistert von seiner früh begonnenen Malerei, so dass er zunächst begann, Chemie zu studieren. Im Januar 1868 wurde er von der Universität Berlin wegen "Studienunfleißes" exmatrikuliert. Nach einem intensiven Konflikt mit dem Vater, der vom Weg seines Sohnes nicht angetan war, ging Liebermann im Frühjahr 1868, im Alter von gut 20 Jahren also, nach Weimar, um dort an der Kunstakademie bei den belgischen Professoren Pauwels und Thumann zu studieren. Bei einem Besuch der Klasse im Fridericianum in Kassel brachte ihm der Landschaftsmaler Pauwels Rembrandt näher. Diese Begegnung beeinflusste den Stil des jungen Liebermann nachhaltig. Er konzentrierte sich in seinem Schaffen weitgehend auf die Beobachtung und die Wiedergabe des Lebens, doch entstanden zu dieser Zeit wenige kleine Stilleben, darunter auch das vorliegende Gemälde, eine seiner frühesten bekannten Arbeiten.
Ein schriftliches Gutachten von Prof. Dr. Matthias Eberle vom 3.5.2014 liegt vor.

Provenienz: Prof. Peter Paul Müller München (1914)
Privatbesitz Schweiz (bis 1999)
Philippe Schuler Versteigerungen AG Zürich, Februar 1999

Ausstellung: Große Berliner Kunst-Ausstellung, Berlin 1897, Nr. 893 (?)

Literatur: Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 527
Matthias Eberle, Max Liebermann. Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, Bd. I, München 1995, Nr. 1869/3


Veranstaltungshinweise:

Am 05.06.2020 bis 06.06.2020 115. Auktion: Moderne Kunst Teil I + Teil II. Works on Paper - Aus einer deutschen Privatsammlung


Schätzpreis: 30.000,-  EURO

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