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Ein ausdrucksstarker Hofnarr

Meister von 1537, wohl Frans Verbeeck, Bildnis eines Narren, um 1550

Die Auktion Gemälde Alter Meister vom 27. September bei Koller Zürich beinhaltet ein faszinierendes Narrenportrait aus der Mitte des 16. Jh. des flämischen Meisters von 1537, welches wohl dem Künstler Frans Verbeeck (vor 1530 - ca. 1570) zuschreibbar ist. Der Künstler lässt den Narren eine auffällige Pose einnehmen und thematisiert somit ein altes niederländisch Sprichwort: „iest door de vingers zien” (Etwas durch die Finger sehen). Es bedeutet so viel wie ein Auge vor den Missetaten der anderen zuzudrücken. Ein Zuschlag zwischen CHF 500 000 und 700 000 wird für dieses höchst reizvolle Ölgemälde erwartet (Los 3012). Unter den zahlreichen Highlights dieser Auktion sticht eine Selektion italienischer Goldgrund-Malereien heraus: so zum Beispiel eine Kreuzigungsszene aus der märkischen Schule des 15. Jh. (Los 3005, CHF 40 000 / 60 000) oder eine Madonna mit Kind um 1500 vom Meister von Marradi (Los 3009, CHF 60 000 / 100 000). Das elegante Werk im manieristischen Stil von Pier Francesco di Jacopo Foschi stellt eine Madonna mit Kind und dem Johannesknaben dar, deren ineinandergreifende Anordnung kunstvoll im Bildraum arrangiert ist (Los 3025, CHF 400 000 / 600 000). Foschi galt seinerzeit als einer der erfolgreichsten Künstler, geriet dann aber in Vergessenheit bis zum Zeitpunkt seiner Wiederentdeckung in den 1950er Jahren. Blumenstillleben aus dem 17. Jh. sind im Auktionsangebot durch Werke von Peter Binoit (Los 3042, CHF 80 000 / 120 000) und Balthasar van der Ast (Los 3046, 180 000 / 280 000) ebenfalls stark vertreten.

Romantik aus dem 19. Jh. dank der Rademakers Sammlung

Im Anschluss an die erste erfolgreiche Versteigerung der Sammlung des niederländischen Filmemachers Jef Rademakers im letzten März, kommt nun am 27. September der zweite Teil in der Auktion Gemälde des 19. Jh. bei Koller Zürich zum Ausruf. Die Auswahl beinhaltet niederländische und belgische Werke aus der Epoche der Romantik, von denen beispielsweise Theodorus Jacobus Abels’ „Dorf am Fluss im Mondschein” (Los 3214, CHF 12 000/18 000) und „Nächtliche Arbeit in den Docks” von Adolphe Schaep (Los 3210, CHF 15 000/20 000) besonders augenfällig sind. Die Sammlung Rademakers war zuletzt in internationalen Ausstellungen, so u. a. in der Hermitage in St. Petersburg, öffentlich gezeigt worden und in begleitenden Museumskatalogen publiziert.

Von Neapel nach München

Weitere Werke dieser Auktion bieten einen umfassenden Blick über die europäischen Strömungen des 19. Jh. Angeführt wird dieses Angebot vom Gemälde „Naples – le Mont Saint-Elme et partie de la ville. 1828”, gemalt von einem Pionier des französischen Impressionismus, Jean-Baptiste-Camille Corot (Los 3236, CHF 70 000/90 000). Corot malte diese lichtdurchflutete Landschaftszene geprägt von den Eindrücken seiner Italienreise in den Jahren 1825-1828. Das vorliegende Werk war in der Vergangenheit in zwei Ausstellungen zu bestaunen und gehörte einst dem einflussreichen Kunsthändler und Galerist Paul Durand-Ruel. Die dem Realismus verschriebenen Gegenstücke mit dem Titel «Emigrazione dell' Agro Romano - Partendo und Tornando» des italienischen Malers Giovanni Piancastelli thematisieren die Migrationswellen der römischen Umgebung im späten 19. Jh. Dieses Werk war vermutlich während der Weltausstellung in Rom und München im Jahre 1883 zu sehen (Los 3207, CHF 180 000 / 250 000). Ein heitereres Werk mit der Darstellung von drei Klosterbrüdern bei der versteckten Lektüre eines intimen Stiches liefert uns hingegen Eduard Grützner, einer der wichtigsten Münchner Genre-Maler des 19. Jh. («Heimliche Studie», Los 3226, CHF 40 000 / 60 000).

Vorläufer der Computertechnik

In der Bücher Auktion vom 24. September kommen zwei höchst ungewöhnliche Kuriositäten zum Ausruf: Die weltweit allerersten und wohl einzigen auf einem von Lochkarten programmierten Seidenwebstuhl bedruckten Bücher. Dieser technologische und künstlerische Kraftakt wurde von Joseph-Alphonse Henry, einem Lyoner Seidenfabrikant, in den Jahren 1878-1887 ausgeführt. Basierend auf einem automatisierten Webprozess, welcher vom Lyoner Joseph-Marie Jacquard erfunden wurde, ermöglicht der Einsatz von Lochkarten die Produktion komplexer Muster. Dieses Prozedere kann somit als ein früher Vorläufer moderner Datenverarbeitungsprogramme angesehen werden. Das erste Buch, Alphonse de Lamartines „Les Laboureurs“ (Los 301, CHF 80 000/120 000), war 1878 auf der Exposition Universelle in Paris ausgestellt. Heute sind nur noch drei Exemplare bekannt, wovon sich eines im Musée Louis-Philippe im Château d’Eu in Frankreich befindet. Jenes hier angebotene Werk ist das erste produzierte Objekt aus der Serie von drei Exemplaren. Das zweite gewebte Exemplar, welches bei Koller angeboten wird, ist ein Stundenbuch aus den Jahren 1886-87 mit dem Titel „Livre de Prières“. Es ist zeichnet sich durch reichhaltige Illustrationen aus, deren Fertigstellung zwischen 300 000 und 400 000 Lochkarten benötigte (Los 302, CHF 40 000/60 000).

Eines der bedeutendsten Werke der Inkunabelzeit vor 1500 ist der «Schatzbehalter» des Stephan Fridolin (Los 3236, CHF 70 000/90 000). Der frühneuhochdeutsche Predigtzyklus ist dem Leben und Leiden Jesu Christi gewidmet und wird durch 96 Holzschnitte aus der Nürnberger Wolgemut-Pleydenwurff-Werkstatt illustriert. Ihren besonderen Rang verdanken die Darstellungen nicht zuletzt ihrem Detailreichtum bei Kostümen, Waffen, Interieur und Landschaft. Das Andachts- und Erbauungsbuch wurde 1491 bei Anton Koberger in einer Auflage von ca. 150 Exemplaren gedruckt, Exemplare in Privatbesitz sind heute von allergrösster Seltenheit.

Quelle: © Koller Auktionen AG

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