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Hermann Max Pechstein, Das blaue Kleid: Bildnis Frau Dr. Plietzsch, 1921

Hermann Max Pechstein, Das blaue Kleid: Bildnis Frau Dr. Plietzsch, 1921

Öl auf Leinwand. 100,6 x 78,1 cm. Gerahmt. Oben links schwarz monogrammiert und datiert 'HMP 1921' (HMP ligiert) sowie rückseitig schwarz signiert 'HMPechstein', betitelt 'Bildniß Frau Dr. Pl.' und zweifach datiert '1921', bzw. '21'. - Mit einzelnen kleinen Retuschen.

Soika 1921/61

Provenienz

Mica Plietzsch, Köln; Kunsthandel Wolfgang Werner KG, Bremen (ca. 1974, mit rückseitigem Etikett auf dem Zierrahmen); seitdem Privatsammlung Rheinland

Ausstellungen

Selm 1989 (Schloß Cappenberg), Max Pechstein, S. 18 mit Farbabb.

Literatur

Graphisches Kabinett Kunsthandel Wolfgang Werner, Deutsche Kunst 1900 - 1940, Bremen 1974, o. Kat. Nr., o. S. mit ganzseitiger Farbabb. ("Das blaue Kleid (Bildnis M. P.)")

Losnummer: 267


Das Porträt, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Menschen, interessiert den Maler Max Pechstein von Anfang an. Schon in den frühesten Jahren seiner Laufbahn entstehen Selbstbildnisse, Darstellungen von Freunden und Bekannten.

Spätestens ab 1917, nach Pechsteins Entlassung aus dem Kriegsdienst, wird das Porträt zu einer zentralen Ausdrucksform seines Schaffens - eine besondere Werkgruppe von zentraler Relevanz für das Oeuvre des Künstlers, der nicht nur Bernard S. Myers eine herausragende künstlerische Qualität beimisst. Über die Bildnisse der Jahre 1917 bis 1921 hält er fest: „Monumental in their conception of form, expressive in their capture of the sitter's character and mood in the inward-turning sense of the school generally, these half-length studies are blocked in with bold, assured strokes and conscious deformations that intensify their meaning. In some ways these portraits, especially the studies of himself, are among the finest things that Pechstein did: very personal in style, they differ considerably from other Expressionist portraits.” (vgl. Bernard S. Myers, Expressionism. A Generation in Revolt, London 1963, S. 145).

Unser Porträt der Mica Plietzsch belegt eindrucksvoll Pechsteins scharfes Auge und das Talent seine präzisen Beobachtungen fein nuanciert ins Bild zu übersetzen. Es sind Gestik, Mimik und Attribute wie das geknäulte Taschentuch in den Händen, auch der leicht entrückte Blick minimal aus dem Bild herausschauend, über die der Künstler versucht, die Persönlichkeit des Modells und herrschende Stimmung gleichermaßen einzufangen. Seine subtil psychologisierende Darstellung kontrastiert er höchst reizvoll mit klaren Konturen, einem souveränen breiten Pinselstrich und leuchtender Farbigkeit in Rot, Grün und Violett.

Max Pechstein und der fünf Jahre jüngere Kunsthistoriker Dr. Eduard Plietzsch waren ein Leben lang miteinander verbunden und unterhielten einen lebendigen Briefwechsel. Mica Plietzsch war wie ihr Gatte Eduard eng mit Pechstein befreundet (s. Vergleichsabb.).

Es wird dem direkten persönlichen Verhältnis von Maler und Modell geschuldet sein, dass sich in unserem repräsentativen Bildnis eine ganz unmittelbare Nähe transportiert, welche die außerordentliche formale Qualität dieses wichtigen und bemerkenswerten Gemäldes in der unvermittelten Wirkung auf den Betrachter noch zu steigern vermag.


Veranstaltungshinweise:

Am 31.05.2019 Auktion 1134: Moderne Kunst


Schätzpreis: 150.000 - 200.000  EURO

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