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Otto Modersohn, Abend im Moordorf, 1898

Otto Modersohn, Abend im Moordorf, 1898

Öl auf Leinwand. 111,7 x 214,8 cm. Gerahmt. Unten rechts rotbraun signiert, bezeichnet und datiert 'Otto Modersohn W. 98'. - In sehr guter Erhaltung.

Wir danken Rainer Noeres, Otto Modersohn Museum, Fischerhude, für ergänzende Auskünfte.



Das Gemälde ist in Otto Modersohns Atelierbuch 1897-98 unter der Nr. 214-111 aufgeführt.

Provenienz

Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Werth, Kiel (1898); Rheinische Unternehmenssammlung

Ausstellungen

Dresden 1898 (Sächsischer Kunstverein), Internationale Kunstausstellung, Nr. 279; Wien 1898 (Künstlerhaus), Jubiläums-Kunstausstellung, Kat. Nr. 273 mit Abb. ("Ehrenpreis Fürst Liechtenstein")

Literatur

Richard Muther (Hg.), Die Kunst - Worpswede, Berlin 1903/1904, S. 70

Losnummer: 250


Mit dem Gemälde „Abend im Moordorf“ möchte der Künstler, so scheint es, die ganze Umgebung seiner neuen Heimat erfassen. Er kennt die Landschaft um Worpswede gut, seitdem er und sein Studienfreund Fritz Mackensen diese unweit von Bremen gelegene Umgebung erstmals 1889 gemeinsam besuchen. Mit den ersten Aufenthalten beschäftigt sich Modersohn in ersten Skizzen mit dem Charakter dieser Landschaft, mit den Moorgräben, den Moorkanälen mit den Torfbooten, den Moorkanten mit den geduckten und mit Reet gedeckten Bauern- und Schifferhäusern, den typischen im Spalier aufgereihten Birken und studiert immer wieder die bewegten Wolken über der Hamme. „Man muß ein ganz besonderes, geheimes eigenes Gefühl haben, wenn man ein Bild malt, ganz persönlich, sich selbst zur innigsten Freude. Der Einsichtsvolle merkt gleich, ob das Bild solchem Gefühl entsprungen“, schreibt Modersohn am 12. April 1897 in sein Tagebuch.

Das großformatige Gemälde „Abend im Moordorf“ gehört wie die im Jahr zuvor entstehenden Landschaften „Herbstmorgen am Moorkanal“, „Herbst im Moor“ oder „Mädchen am Moortümpel“ zu einer Reihe großartiger Landschaftsporträts. Sie dokumentieren eine über die Jahrhunderte entstandene Kulturlandschaft mit ausgeklügeltem Entwässerungssystem, um den Abbau der Torfkörper zu ermöglichen und die Landschaft für die darauffolgende bäuerliche Viehwirtschaft zu öffnen. Mit erzählerischem Talent und fein beobachteten Zitaten erfasst Modersohn um die Jahrhundertwende die Wirklichkeit dieser alten Moorlandschaften und porträtiert diese einzigartige Natur mit empfindsamen Valeurs in einer neuen Tonalität der Farben. Diese Besonderheit erkennt früh schon Rainer Maria Rilke, als er die Malerei Modersohns 1895 im Münchener Glaspalast sieht und sichtlich überrascht vermerkt: „Otto Modersohn war mit nicht weniger als acht Bildern vertreten, acht rasch hintereinander gemalten Bildern, in denen alles Glanz, Klang und atemberaubende Bewegung war. Die Sprache war neu, die Wendung ungewöhnlich, die Kontraste klangen einander wie Gold und Glas. Man hatte ähnliches nie gesehen, man war beunruhigt, betroffen, ungläubig. [...] An Stelle der frischen Farben traten welke, stumpfe Farben der Erinnerung statt der Farben des Lebens. Rot dunkelte fast zu Schwarz, Blau verblich wie in der Sonne und alle Grüns nahmen eine bräunliche, dauerhafte Färbung an, die sich nicht mehr verändert.“ Rainer Maria Rilkes Eloge auf Modersohns Gemälde (zit. nach Ausst. Kat. Otto Modersohn. Monographie einer Landschaft, Hamburg 1978, S. 129), beschreibt nicht nur seine eigene persönliche Überwältigung im Anblick der Gemälde. Er bemerkt ebenso den Einfluss dieser Moorlandschaften auf das Gemüt des Künstlers und empfindet seine ins Melancholische sich verwandelnde Bildsprache.

Die Landschaftsmalerei Modersohns erfährt mit diesen Bildern eine Blüte zum ausgehenden 19. Jahrhundert; die strenge wie erfindungsreiche aber verklärt schwärmerische Landschaftsmalerei der Romantik wandelt er zu einem menschlichen, spätzeitlichen Naturalismus mit den Mitteln der französischen Pleinair-Malerei. Modersohn gelingt es, die seelische Tiefe unter dem zarten Einfluss des Symbolismus hervorzuheben und die akademisch realistische Malerei, die Detailtreue im Naturalismus mit der Verliebtheit zum Jugendstil aufzubrechen.


Veranstaltungshinweise:

Am 31.05.2019 Auktion 1134: Moderne Kunst


Schätzpreis: 100.000 - 120.000  EURO

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