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Karl Schmidt-Rottluff, Ziegelei bei Varel, 1909

Karl Schmidt-Rottluff, Ziegelei bei Varel, 1909

Holzschnitt auf faserigem Naturpapier. 1909.
29,7 x 39 cm (34,2 x 43,2 cm).
Signiert "Schmidt-Rottluff" und (eigenhändig?) bezeichnet "Werk mit Bach".
Schapire H 7.

Losnummer: 8214


Herausragend ausdrucksstarker, früher Holzschnitt des Künstlers. So konsequent wie in dieser Drucktechnik setzt Schmidt-Rottluff seine expressionistischen Ideen in keinem anderen Medium um: Reduktion, Klarheit und Aufrichtigkeit.
Einen Neubeginn im Holzschnittschaffen Schmidt-Rottluffs stellt das Jahr 1909 dar, nachdem er 1905/06 bereits 20 erste Holzschnitte angefertigt hatte (die er jedoch trotz ihrer Qualität nicht in Schapires Katalog aufgenommen sehen wollte). Es folgte eine Pause von zwei Jahren, in denen er vor allem Lithographien druckte, dazu wenige Radierungen.
Unweit von Dangast an der oldenburgischen Nordseeküste, Schmidt-Rottluffs regelmäßigem Sommeraufenthaltsort der Jahre 1907 bis 1912, befindet sich der Vareler Hafen, gelegen zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven. Gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden der "Brücke" zog er mit Malutensilien häufig zu den kleinen Fischerhäfen der Umgebung, Ellenserdamm und Varel. Ein ungewöhnlicher Schaffensrausch erfüllte ihn in dieser Dangaster Zeit. Das Motiv, eine Ziegelei in der Nähe des Dorfes Varel südlich von Dangast, greifen sowohl Schmidt-Rottluff als auch Heckel in den Jahren von 1907 bis 1909 häufig auf. Der lange, niedrige Gebäudekomplex mit Schuppen, der in einem Schornstein endet, erstreckt sich vom linken Bildrand bis in den Hintergrund. Vom linken Vordergrund bis zum Horizont verläuft rechts ein kleiner Bach, in dem die verzerrte Spiegelung des Schornsteins zu sehen ist. Die radikale Vereinfachung der Form und die Unterdrückung der Perspektive zugunsten des Rhythmus' der Oberfläche machen die Gruppe der Holzschnitte von 1909 zu den abstraktesten und interessantesten Drucken, die von einem Mitglied der "Brücke" produziert wurden. Linien und Flächen in dichtem Schwarz und einem von den Halbtönen der Stege gelegentlich durchbrochenen Weiß erzeugen eine schwingende Bewegung in der Komposition.
Ganz selbstverständlich liegen alle Produktionsschritte in Schmidt-Rottluffs eigener Hand, von der Idee bis zum Abzug. Hier ist es das weiche, kaum gemaserte Holz der amerikanischen Pappel, in das er sein radikal vereinfachtes Motiv schneidet. Schapire zufolge wurde der Holzschnitt, wie alle Arbeiten Schmidt-Rottluffs zwischen 1906 und 1912, vom Künstler selbst gedruckt; selten erreichten sie eine Auflagenhöhe von zehn Exemplaren. Die Struktur der pastosen Druckfarbe auf dem Naturpapier ist bis heute erkennbar. Brillanter, tiefschwarzer, im Vordergrund teils ganz leicht aufgehellter Druck des bedeutenden Blattes mit kleinem, wohl dem vollen Rand. Von äußerster Seltenheit.

Provenienz: Heddergott & Maaß, Berlin, Katalog 1, 1991, Nr. 126


Veranstaltungshinweise:

Am 01.06.2019 113. Auktion: Vergessene Moderne - Meistergraphik deutscher Klassiker - Moderne Kunst Teil I


Schätzpreis: 35.000,-  EURO

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