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Paula Modersohn-Becker, Kopf eines sitzenden Mädchens, nach links, um 1898

Paula Modersohn-Becker, Kopf eines sitzenden Mädchens, nach links, um 1898

Öl auf Leinwand. Auf Karton aufgezogen. 42 x 36cm. Modellrahmen.

Auf der Rückseite des Kartons befindet sich eine Bestätigung der Arbeit von Dr. Günther Busch, Bremen, vom 14. Februar 1961.

Losnummer: 9


Provenienz:
- Tille Modersohn
- Galerie Alex Vömel, Düsseldorf (1957)
- Privatsammlung Deutschland

Ausstellungen:
- Galerie Alex Vömel, Düsseldorf 1961, Kat.-Nr. 1
- Kunstverein Frankfurt a.M., Steinernes Haus 1963, Kat.-Nr. 1, Abb.

Literatur:
- Busch, Günther/Schickentanz, Milina/Werner, Wolfgang (Hrsg.): Paula Modersohn-Becker, 1876-1907 - Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. II, München 1998, WVZ.-Nr. 22, Abb.

Paula Modersohn-Becker gehört zu den Künstlerinnen und Künstlern, die wichtige Impulse für die Moderne Kunst in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzen. Im Sommer 1898 schließt sie sich den Malern der Künstlerkolonie in Worpswede an. Doch schon früh distanziert sie sich von der Bildauffassung ihrer Kollegen, die noch ganz der Tradition des Realismus und der Freilichtmalerei verbunden sind. So reist sie 1900 zu Studienzwecken erstmals nach Paris. Dort inspirieren sie die Werke der avantgardistischen Maler wie Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Paul Gauguin nachhaltig. In der Abgeschiedenheit Worpswedes verarbeitet sie dann die neu gewonnenen Eindrücke. Dabei löst sie sich immer mehr von der abbildhaften Wiedergabe des Naturvorbildes und findet zu einer Bildsprache, die einfühlsam und gefühlsbetont ihre subjektive Wahrnehmung reflektiert.

Von Beginn an gilt Modersohn-Beckers künstlerisches Interesse vor allem der Darstellung des Menschen. Neben alten Frauen sind es insbesondere Kinder, die sie immer wieder auf dem Papier und der Leinwand festhält. Das hier gezeigte Bildnis eines jungen Mädchens malt sie etwa zu der Zeit, als sie sich in Worpswede niederlässt. Ohne jegliches erzählerische Detail gibt sie hier das Kind ernst und einfach wieder. Dabei verwendet sie warme, erdige Farbtöne und als Kontrast ein leuchtendes Weiß und Rot. Obwohl die Künstlerin sich in diesem Frühwerk noch mit der damals bestimmenden akademischen Malerei auseinandersetzt, bringt sie mit ihrem außergewöhnlichen Farbensinn und der auf das Wesentliche reduzierten Form etwas ganz Eigenes in die Komposition ein. Trotz der Selbstzweifel und Kritik, die sie immer wieder bekommt, verfolgt sie unbeirrbar ihren Weg. Denn in ihren Bildnissen geht es ihr nicht um das genrehafte Erzählen über den Porträtierten. Vielmehr sucht sie im Studium des Menschen stets nach der, wie sie es nennt, "erhabenen Größe des Einfachen". Wie bei unserem Gemälde strahlen daher ihre Bilder eine meditative Ruhe aus, die ihr tiefes Empfinden für das Geheimnis des Lebens wiederspiegeln.

Kinderbildnisse nehmen in Modersohn-Beckers Oeuvre eine besondere Stellung ein. Die malerische Intensität, mit der sie auf einzigartige Weise die seelische Durchdringung der kindlichen Verfassung aufspürt, zieht den Betrachter immer wieder in den Bann. Diesem kann sich auch Rainer Maria Rilke nicht widersetzten. So schreibt er ein Jahr nach dem frühen Tod der Künstlerin: "und sahst die Kinder so von innen her getrieben in die Form ihres Daseins". (Rilke in: "Requiem für Paula Modersohn-Becker", Paris 1908).


Veranstaltungshinweise:

Am 29.05.2019 429. Auktion: Modern


Schätzpreis: 100.000 - 150.000  EURO

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