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Claude-Joseph Vernet, Küstenlandschaft am späten Nachmittag

An der Spitze der beeindruckenden, mit zahlreichen sechsstelligen Gemälden bestückten Auktion stehen neben einem Bild von Jan Brueghel d. Ä. mit 230/300.000 Euro Werke von Claude-Joseph Vernet (€ 150/200.000) und Jean-Honoré Fragonard (150/170.000). Es folgen Bilder von Salomon de Bray (€ 100/150.000), Alessandro Turchi genannt Orbetto (€ 100/130.000) und eine Gemeinschaftsarbeit von Hendrik van Balen und Jan Brueghel d. J. mit € 100/120.000, auf die auch ein Blumenstilleben von Jan van Huysum geschätzt ist. Mit je € 80/100.000 sind eine Landschaft von Moyses van Uyttenbroeck, eine weitere Gemeinschaftsarbeit von Joos de Momper und Jan Brueghel d. Ä. und eine Landschaft von Salomon van Ruysdael bewertet. Die höchsten Taxen des 19. Jahrhunderts tragen mit € 70/90.000 zwei Leinwände von Michael Neher und Joseph Karl Stieler.

Von Jan Brueghel d. Ä. wird mit „Dorfstraße mit tanzenden Bauern“ eine kleine malerische Kostbarkeit offeriert. Das nur 11 x 16 cm messende, hervorragend erhaltene Gemälde, das Ertz als „Kleinod auf Kupfer“ bezeichnet hat, trägt eine Taxe von € 230/300.000. Die Provenienz des Bildes lässt sich lückenlos bis 1748 verfolgen: Die Dorfstraße befand sich u. a. in der Kurfürstlichen Galerie in München und in der kurfürstlichen Sammlung von Schloss Schleißheim und bis 1911 in der Alten Pinakothek in München (Lot 1221).

Claude-Joseph Vernets „Küstenlandschaft am späten Nachmittag“ ist ein Gemälde aus einer Serie von vier Tageszeiten mit je zwei Hafen- und Landszenen. Die 96 x 128 cm messende Auftragsarbeit für einen Engländer ist in Rom entstanden und weist eine interessante Provenienzgeschichte auf: Josiah Taylor, Esq., London; John Rushout, 2nd Baron Northwick; Erle-Drax, John Samuel Wanley Sawbridge; Galerie Charles Brunner Paris, Nov. 1910; Agnews Gallery; Acquavella Galleries, New York, 1966 (Lot 1298, € 150/200.000).

„Weite Landschaft mit Hirten und ihrer Herde“ von Jean-Honoré Fragonard ist wahrscheinlich in den 1760er Jahren entstanden – vielleicht noch in Italien oder kurz nach der Rückkehr des Künstlers nach Paris. Bildmotiv und Komposition entsprechen dem in der Tradition als sog. „Südliche Landschaft mit Hirten“ überlieferten Sujet, das vor allem niederländische Maler des 17. Jh. eingeführt hatten; unter den Italienern wurde es vor allem von Castiglione gestaltet. Als Bildmotiv blieb die pastorale Idylle vor allem bei den höfischen Auftraggebern bis weit ins 18. Jh. ein beliebtes Sujet. Sehr ähnlich zu dem vorliegenden Bild, da kompositorisch geradezu im Gegensinn gestaltet, ist Fragonards Gemälde „Le Retour du Troupeau“, auch „Annette et Lubin“ genannt, im Worcester Art Museum (Lot 1302, € 150/170.000).

Mit € 100/150.000 ist „Pero – Allegorie der Nächstenliebe“ des bedeutenden Haarlemer Künstlers Salomon de Bray bewertet. Die von Valerius Maximus in seinem Werk „Factorum ac Dictorum Memorabilium“ beschriebene Geschichte der Pero hat immer wieder Maler vom 16. bis zum 19. Jh. inspiriert: von Rubens über Jansens, Baburen und Pieter van Mol bis zu Jean-Baptiste Greuze in Frankreich und Johann Zoffany in England (Lot 1252).

Alessandro Turchi genannt Orbetto wurde in Verona geboren, wo er bei Felice Brusasorzi lernte. Später zog er nach Venedig und Rom, wo er ab 1613 dokumentiert ist. Als „römischer“ Maler des frühen 17. Jh. speist sich seine Malerei zum einen aus der Caravaggios und zum anderen aus der der Carraccis und des Guido Reni. Neben zahlreichen öffentlichen und kirchlichen Aufträgen war Turchi vor allem als Maler von Kabinettbildern gefragt, von denen sich viele heute in den großen Museen der Welt befinden. Die hier dargestellte Verführungs-szene mit „Joseph und Potiphars Frau“ aus dem Alten Testament wurde im Laufe der Jahrhun-derte von vielen Künstlern gemalt, insbesondere für Kabinettbilder war sie wegen der sinnlichen Komponente besonders beliebt. Dieses reife Werk Turchis ist mit € 100/130.000 bewertet (Lot 1231).

Bei € 100/120.000 liegt Hendrik van Balens und Jan Brueghel d. J. Gemeinschaftsarbeit „Die Versöhnung zwischen Jakob und Esau“, wobei van Balen die Figuren und Brueghel die Landschaft malte. Die Gestaltung der Figuren offenbart van Balens Kenntnis der italienischen Kunst, die er auf einer Reise nach Rom und Venedig im Jahr 1602 kennenlernte. Die Gestaltung des Hintergrunds wiederum zeugt von der hohen Landschaftskunst des jüngeren Jan Brueghel, die dieser in der Werkstatt des Vaters erlernte, so dass manche ihrer Werke kaum zu unterscheiden sind (Lot 1224). Um jedes Detail seiner Stillleben so realistisch wie möglich wiederzugeben, widmete der Amsterdamer Maler Jan van Huysum sich ausgedehnten Naturstudien. So schrieb er einmal an einen Gönner, um zu erklären, dass sich die Fertigstellung des Gemäldes um ein Jahr verzögern würde, da er keine passende gelbe Rose auftreiben könne, die ihm als Studienobjekt dienen sollte. Van Huysum lernte sein Handwerk von seinem Vater Justus. Für die üppigen Sträuße, die van Huysum einen internationalen Ruf einbrachten zahlten Sammler oft mehr als tausend Gulden (Lot 1285, € 100/120.000).

Bei € 80/100.000 liegt eine „Bewaldete Landschaft mit Salmakis und Hermaphroditos“ von Moyses van Uyttenbroeck. Das Gemälde, ein Hauptwerk van Uyttenbroecks, befand sich lange Zeit im Bestand des Mauritshuis in Den Haag (Lot 1230). Dieselbe Taxe trägt auch eine Gemeinschaftsarbeit von Joos de Momper und Jan Brueghel d. Ä. Bei dem Gemälde der beiden Antwerpener Maler war de Momper für die reich differenzierte und dennoch klar konstruierte Felsarchitektur zuständig, während Brueghel die abwechslungs-reiche Figuren-staffage schuf (Lot 1222). Mit € 80/100.000 ist auch „Kühe an der Tränke (Raubzug)“ von Salomon van Ruysdael bewertet (Lot 1261).

Diese beeindruckende Offerte wird von zahlreichen fünfstelligen Gemälden von niederländischen und flämischen Künstlern abgerundet.

19. JAHRHUNDERT

Italien ist das Land der Sehnsucht vieler Künstler des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts - insbesondere deutscher Künstler von den Romantikern bis zu den Nazarenern, von Hackert bis zu Schadow, Nerly oder Michael Neher. Dieser, 1798 in München geboren, studiert ab 1813 an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in München bei Mathias Klotz und Angelo I. Quaglio und verbringt ab 1819 mehrere Jahre in Italien. Ab 1823 weilt er in Rom, wo er sich als geschickter Landschafts- und Architekturmaler einen Namen macht und Bekanntschaft mit dem Architekturmaler Heinrich Maria von Hess schließt. Selbst nach seiner Rückkehr 1825 nach Deutschland denkt Neher noch an italienische Motive wie „Eine Straße in Tivoli“, wie das vorliegende eindrucksvolle Beispiel seiner romantisch-narrativen Genremalerei aus dem Jahr 1832 belegt (Lot 1517, € 70/90.000).

Die ersten zwei Porträts für die berühmte "Schönheitengalerie" des bayerischen Königs Ludwig I. hat Joseph Karl Stieler im Jahr 1827 gemalt. Aber den Plan für einer Porträtserie der schönsten Frauen, die eine sichtbare Umsetzung der „Idee des Schönen in einer von Stand und Nationalität unabhängigen Auswahl“ sein sollte, hatten der König und sein Hofmaler schon seit 1821 entwickelt. Das war keine neue Erfindung, gab es doch in England mit Peter Lelys „The Windsor Beauties“ oder Knellers „Hampton Court Beauties“ sowie mit ähnlichen Serien auch in Sachsen im Auftrag von August III. und in Bayern selbst im Auftrag der Kurfürstin Henriette Adelheid von Savoyen mehrere Vorbilder. Heute ist diese wohl letzte Schönheitengalerie, entstanden über einen Zeitraum von über zwanzig Jahren, eine der bekanntesten. Auf dem ersten Gemälde für diese Serie porträtierte Stieler 1828 die Tochter eines Hauptbuchhalters, Auguste Strobl – ein Bildnis von großer Anmut (Lot 1507, € 70/90.000).

Das vorliegende Gemälde „An der Küste von Sorrent“ von Sylvester Shchedrin hat Dr. Luisa Martorelli dem Werk des russischen Romantikers Sylvester Feodosievic Shchedrin zugeordnet und als wichtige Ergänzung zu dessen Oeuvre beschrieben. Shchedrin kam 1818 nach Italien, zog zunächst nach Rom und dann nach Neapel, um sich später endgültig in Sorrent niederzulassen. Er trug wesentlich zur Bildung der sogenannten "Scuola di Posillipo" bei, der süditalienischen Landschaftsmalerei der 1820er und 1830er Jahre, die entscheidend geprägt wurde von Shchedrins Umgang mit den atmosphärischen Phänomenen und der Wiedergabe von Landschaft und Natur (Lot 1506, € 60/70.000).

Die Offerte wird ergänzt von Gemälden deutscher und europäischer Spätromantiker wie etwa Ludwig Richter mit einem Blick über das Castel dell'ovo auf den Vesuv am Golf von Neapel (Lot 1516, € 40/60.000). Felix Schlesinger ist mit der Leinwand „Wie die Alten sungen ...“ für € 30/40.000 vertreten (Lot 1547). Das um 1820 entstandene Gemälde „Nach dem Kirchgang“ von Giuseppe Canella d. Ä. ist mit einer Taxe von € 20/25.000 versehen (Lot 1505). Mit 35/40.000 Euro ist Heinrich Bürkels „Rauferei vor einem Wirtshaus“ höher bewertet (Lot 1532).

SKULPTUREN

Bei den 43 Skulpturen aus Holz, Stein und Marmor und Kleinplastiken aus Elfenbein und Bronze des 13.–19. Jh. ragt mit € 50/60.000 eine um 1450 in Kalkstein gearbeitete „Madonna mit Kind“ aus Burgund heraus (Lot 1338). Bei € 25/30.000 liegt ein in Schwaben um 1490 entstandenes „Martyrium der Hl. Afra“ (Lot 1343). Mit € 30/40.000 ist ein „Hl. Sebastian“ von Michael Zürn d. Ä. bewertet (Lot 1357). Das 19. Jh. ist neben anderen mit „Junger Fischer und Sirene“, einer Marmorskulptur von Joseph Geefs, vertreten (Lot 1560, € 20/25.000).

Lempertz Auktion 1132
18. Mai 2019, 11.00 Uhr, Lempertz Köln

Vorbesichtigung
11. – 17. Mai

Katalog online / Live-Auktion
http://www.lempertz.com/kataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1132: Alte Kunst - 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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