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Bildnis Gisela Richter

 • Hans Theo Richter • 

Bildnis Gisela Richter, 1929

Öl auf Sperrholz. Signiert u. datiert. Verse signiert.

Losnummer: 391


Provenienz: Privatsammlung Dresden. - Ausgestellt und abgebildet in: Hans Theo Richter. Zeichnung und Graphik. Dresden, Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen u.a., 2002, Katalog-Nr. 187, S. 55. - Nach seiner Ausbildung unter Richard Müller erhielt Hans Theo Richter sein eigenes Atelier an der Dresdner Kunstakademie bei Otto Dix und wurde dessen Meisterschüler. So wie viele seiner Zeitgenossen, stand auch Richter im Bann der Neuen Sachlichkeit und altmeisterlichen Malweise, wie Dix sie vertrat. Für Richter waren bereits die Jahre 1929 bis 1933 von einem maßgeblichen Erfolg gekennzeichnet: 1929 erhielt er ein Reisestipendium der Akademie, das ihm einen Paris-Besuch ermöglichte; 1930 wurden erste Werke durch das Schlesische Museum der Bildenden Künste in Breslau angekauft; der Jubiläumspreis der Stadt Dresden wurde ihm 1932 zugesprochen; eine erste Einzelausstellung in der Dresdner Galerie "Neue Kunst Fides" folgte und schließlich verlieh ihm der Deutsche Künstlerbund 1933 den Rompreis, eine Auszeichnung, deren Umsetzung durch den Einfluss nationalsozialistischer Behörden verhindert wurde. Als seltener Beweis dieser frühen, erfolgreichen Zeit vor dem ersten Weltkrieg gilt vorliegendes Gemälde, denn durch den Bombenangriff auf Dresden im Jahre 1945 verlor Richter nicht nur seine Frau, sondern auch sein gesamtes malerisches Frühwerk. Aus diesem Grund sind heute nur noch zwei Gemälde des Künstlers bekannt: Neben dem Bildnis Gisela existiert noch das Porträt eines alten Mannes in Privatbesitz. Nach den schmerzhaften Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges widmete sich Richter ganz dem Zeichnen und Malen auf Papier und erlangte darin große Meisterschaft. - Im großen Gemälde von Gisela Hergesell aus Breslau von 1929, die der Künstler im folgenden Jahr heiratete, zeigt Richter mit seiner ganz eigenen Mischung aus Realismus, Neuer Sachlichkeit und Renaissance-Elementen, warum ihm bereits in dieser Zeit so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde. In fein lasierender Maltechnik hielt er die Figur seiner Angebeteten in ihrem festlichen Abendkleid auf einem Sofa sitzend fest. Der Hintergrund wird durch einen dunklen, kaum differenzierten Vorhang begrenzt. In malerischer Finesse ist die zarte Nuancierung des Kleides, das unmerklich von einem Grün- zu einem hellen Ockerton wechselt, verwirklicht und in feinen Kontrast zum dem detailliert ausgeführten Gesicht mit rotblondem Schopf über wachen, blaugrünen Augen sowie den grazilen Händen gesetzt. Zudem wurden Farbpartien geschichtet, geradezu modelliert, so dass eine gekonnte Balance aus Realismus, bestechender Sachlichkeit und repräsentativem Porträt gelang. - Als Accessoire hält die junge Frau eine Nelke in ihrer rechten Hand, deren Verwendung an Bildwerke der Renaissance erinnert. In zahlreichen Porträts dieser Zeit verheißen die Blumen dem Träger Liebe, Liebreiz, Verlobung, Hochzeit, Fruchtbarkeit und Schutz gegen "Schrecken aller Art". Nelken wurden als medizinische Heilpflanzen genutzt, aber darüber hinaus wurden ihnen Kräfte gegen das Böse und der Abwehr von Unheil zugeschrieben. Otto Dix nutzte die Nelke bereits 1912 in einem frühen Selbstbildnis, das im Stile der Renaissance gehalten war. Wie sehr Dix den Werdegang seines Schülers schätzte und registrierte, belegt auch sein Gemälde von 1933, in dem Dix das Ehepaar Richter großformatig porträtierte.


Veranstaltungshinweise:

Am 27.10.2018 Auktion 49

Maße: 108,5 x 59,5 cm

signiert datiert


Schätzpreis: 22.000,-  EURO

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