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Klassische Moderne an der Spitze der Offerte

Max Liebermann, Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten, 1926

An der Spitze der Offerte stehen mehrere Gemälde der Klassischen Moderne. Zu den Highlights der Auktion gehören zwei Gemälde von Alexej von Jawlensky aus der Zeit um 1919 für 400/500.000 und 200/250.000. Max Liebermann ist mit drei Bildern aus dem Jahren 1886 (150.000), 1890 (80/100.000) und einem seiner gesuchten Blumengärten von 1926 für 400/500.000 vertreten. Zu den Höhepunkten gehört auch Emil Nolde mit einem Gemälde von 1918 für 350/450.000 und vier Blumen- und Landschaftsaquarellen von 1930 bis 1954 (bis 160.000). Von Paula Modersohn-Becker kommen zwei Gemälde mit Taxen von 300/400.000 und 80/120.000. Eine Terracotta-Büste Wilhelm Lehmbrucks liegt bei 250/300.000 und eine Leinwand Ernst Wilhelm Nays von 1952 bei 150/180.000.

Eines der Spitzenstücke der Auktion ist mit 400/500.000 Alexej von Jawlenskys um 1919 entstandenes Heilandsgesicht. Ausgehend vom Natureindruck dekliniert Alexej von Jawlensky in seinen berühmten Serien wie etwa der „Mystischen Köpfe“, der „Heilandsgesichter“ und der „Abstrakten Köpfe“ eine in Ausschnitt, Komposition und Detail gewonnene Grundform, deren Darstellung in der Abstraktion fortschreitend reiner und verdichteter gerät. Wie wenige Arbeiten des Künstlers zeichnet sich unser "Heilandsgesicht" durch eine ungewöhnlich starke Expressivität in der Formulierung der Augenpartie aus. Sie verkörpert eine zentrale Qualität unseres Werks, den kommunikativ angedeuteten Blick und das "heiliges" Anschauen gleichermaßen (Lot 253). Auch ein zweites Werk des Künstlers, ein stark expressiver Mystischer Kopf ist in dieser Zeit entstanden und verdeutlicht exemplarisch diese künstlerische Gestaltung; dieses Bild hing 12 Jahre als Dauerleihgabe in der Mannheimer Kunsthalle (Lot 254, 200/250.000).

Mit ebenfalls 400/500.000 kommt eines der weiteren Highlights von Max Liebermann: Die 1926 gemalten Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten. 1909 erwirbt Liebermann ein Grundstück am Ufer des Großen Wannsees. Die Gestaltung des Gartens ist das Ergebnis einer intensiven Planung, die er gemeinsam mit Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, unternommen hat. Die nun entstehenden, zahlreichen Gemälde Liebermanns mit dem Garten als Motiv lassen dessen unterschiedliche Garten-Anlagen nachvollziehen und zeigen die farbliche Pracht. Über mehr als zwei Jahrzehnte malt Liebermann seinen Garten, und von Beginn an entsteht neben den bekannten Themen eine neue Facette in seinem umfangreichen Werk – mit einem zusehends freieren und leichteren malerischen Blick auf den Ort der Ruhe fernab der Großstadt Berlin (Lot 248). Liebermann ist darüber hinaus mit zwei weiteren Gemälden vertreten: Die Kompositionsstudie zur "Flachsscheuer in Laren" von 1886 ist mit 150.000 bewertet (Lot 244) und Nähende Mädchen in Huyzen (Holländische Näherinnen) aus dem Jahr 1890 mit 80/100.000 (Lot 245).

Auch von Emil Nolde stammt eines der Spitzenbilder der Auktion. Üblicherweise schreibt der Künstler den Titel seines Bildes direkt auf die Rückseite der Leinwand oder den Keilrahmen. Und so tut er dies auch dieses Mal und nennt sein 1918 entstandenes Bild Der Jäger, personalisiert den Porträtierten aber nicht weiter, etwa sondern belässt es bei der Berufsbezeichnung „Jäger". Dieses Vorgehen ist typisch für Emil Nolde; nur wenige Porträts und dann ausschließlich die seiner Frau Ada oder nach deren Tod die Bildnisse seiner letzten großen Liebe Jolanthe erhalten den Namen im Titel. Das Gemälde mit Provenienz Ludwig Schames, einem der seinerzeit bedeutendsten Händler für Expressionismus, ist auf 350/450.000 geschätzt (Lot 250). Darüber hinaus werden von Nolde vier Aquarelle angeboten – neben drei Blumenbildern (bis 120.000) auch eine Landschaft Am Nachmittag (Lot 267, 130/160.000).

Ein weiteres Highlight kommt von Paula Modersohn-Becker: Ihre um 1900 entstandene doppelseitige Leinwand Kinder vor Bauernhaus. In den Jahren nach 1900 ist die Worpsweder Landschaft das hauptsächliche Thema der Künstlerin; Landschaften mit Figuren und Figuren-bilder unmittelbar in der Natur, die in den Fokus der Betrachtung rücken. Es sind dies besonders die Worpsweder Bauernkinder, die einzeln oder in Gruppen, in sich versunken, isoliert am Rande des Geschehens oder miteinander spielend in landwirtschaftlichem Umfeld dargestellt sind (Lot 242, 300/400.000). Ein weiteres, 80/120.000 taxiertes Gemälde Modersohn-Beckers aus derselben Zeit zeigt eine Landschaft mit Moorkanal kommt aus der Essener Sammlung Heinrich Conrad (Lot 243).

Zu den Spitzenstücken gehört ebenfalls eine Terrakotta-Büste von Wilhelm Lehmbruck. Bei der Büste der Knienden (Geneigter Frauenkopf) von 1912 – 1914 handelt es sich um ein Unikat, mit Flechtheim- und Hugo Simon-Provenienz Als eine von nur sechs dokumentierten alten Terrakotta-Exemplaren belegt unsere Büste Lehmbrucks herausragende Fähigkeiten in der Variation seiner Schlüsselwerke. Wie kaum ein Zeitgenosse vermag er in der Fragmentierung die Anmutung klassischer Werkformen in der Bildhauerei des 19. Jahrhunderts in die Moderne zu überführen. Eindrucksvoll inszeniert Lehmbruck in der Terrakotta eine spezielle, beseelte Aura, die bei aller Formenreduktion einen expressiven Ausdruck, eine überzeugende Geste voll berührender Anmut beibehält (Lot 249, 250/300.000)

In Mit Tropfenketten eröffnet Ernst Wilhelm Nay ein freies, ungezwungenes Zusammenspiel von Farben und Linien. Suggeriert der Titel noch Ordnung und verweist auf gegenständliche Welten, leitet er den Betrachter in einen Bereich des Unfassbaren: Was wir sehen, ist ein rhythmisch-expressives Gefüge aus Farben, Formen, Linien und schwarzen Punkten, jenen Tropfenketten, die zwar noch Assoziationen zulassen, sich jedoch der Zuordnung zu konkreten Dingen entziehen. Die Farben sind losgelöst von materieller Gegenständlichkeit und emanzipiert von der Präzision geometrischer Bindung (Lot 282, 150/180.000). Nay ist zudem mit vier Aquarellen vertreten (u.a. Lot 284, 70/80.000).

Oskar Jespers auffälliger Vrouwehoofd (Frauenkopf) Frauenkopf aus weißem Marmor aus dem Jahr 1930 gehört zu den zentralen Werken des Bildhauers, der in eine Bildhauerfamilie geboren wird; der Vater Emile Jespers ist ebenfalls Bildhauer. Constantine Meunier und George Minne vertreten damals die moderne Bildhauerei in Belgien um die Jahrhundertwende. Während seiner Studienzeit rückt Auguste Rodin in Jespers Blickfeld und er teilt den bildhauerischen Ansatz seiner Zeitgenossen mit Constantin Brancusi, Amadeo Modigliani, Alexander Archipenko, Jacques Lipchitz, Ossip Zadkine und Pablo Picasso. Der bemerkenswerte Kopf ist mit einer Taxe von 60/80.000 versehen (Lot 315).

Leo Putz ist mit seiner großformatigen Leinwand Reigen 2.1. aus dem Jahr 1921 vertreten (Lot 240, 80/100.000) und Heinrich Vogeler mit einem Bildnis seiner Frau Martha im Profil vor verschneiter Bergkulisse (Lot 241, 90/100.000). Beachtliche Meisterschaft in der Technik des Holzschnitts demonstriert Ernst Ludwig Kirchner mit einer Tänzerin mit gehobenem Rock einem Original-Holzschnitt von 1909 (Lot 251, 60/80.000). Von Hermann Stenner wird das doppelseitige Gemälde Christuskopf, verso Damenbildnis, von 1913 offeriert (Lot 251A, 70/80.000).

Zwischen 30.000 und 50.000 Euro liegen Arbeiten von Maxime Emile Louis Maufra mit einer Flusslandschaft (Lot 246, 30/35.000), von Auguste Renoir (Original-Farblithographie Le chapeau épinglé, 2e planche um 1898, Lot 247, 30/40.000), von Georg Kolbe die 1917 entstandene 42,9 cm hohe Statuette I aus Bronze (Lot 255, 35/45.000) und von Matisse – neben einer Radierung für 18/22.000 (Lot 457) – die Zeichnung Jeune femme assise aus der Zeit um 1908 – 1910 (Lot 260, 25/30.000).

Herausragend unter den Papierarbeiten des Expressionismussind neben Kirchners Blatt Max Beckmanns Tuschfederzeichnung Lesende Frau von 1946 (Lot 268, 35/40.000) und die Original-Radierung das Karussell aus dem Jahr 1921 (Lot 367, 15/20.000). Otto Mueller ist mit seiner Farblithographie Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm aus den Jahren 1926 – 1927 vertreten (Lot 256, 30/35.000) und Gert Heinrich Wollheim mit seinem Tuschfeder-Porträt Otto Dix von 1921 (Lot 343, 20/25.000) und Selbstportrait mit Braut aus demselben Jahr (Lot 345, 30/40.000).

Bemerkenswert ist auch eine rheinische Privatsammlung mit insgesamt 66 von Künstlern zwischen 1918 und 1933 geschaffenen Gemälden, Papierarbeiten und Plastiken; sie vereint eine Vielzahl der damaligen künstlerischen Positionen und konzentriert sich neben Landschaften und Stillleben insbesondere auf Menschen- und Figurenbilder (Lots 288 – 353, bis zu den 60/80.000 für den bereits erwähnten Frauenkopf von Jespers).

Lempertz Auktion 1110
1. Juni 2018, 18.00 Uhr, Köln

Vorbesichtigung Köln
26. – 30. Mai

Katalog online / Live-Auktionen
http://www.lempertz.com/kataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1110: Moderne Kunst

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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