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Fulminante Steigerungen bei der Alten Kunst

Joos van Cleve, Porträt eines jungen Mannes

Eine beeindruckende Fülle beachtlicher Gemälde vom 14. bis zum 19. Jahrhundert aus nahezu allen europäischen Ländern konnte große Erfolge erreichen. Joos van Cleve kam auf 652.000, der Meister des Tobias auf rund eine halbe Million und Francesco Guardi auf 235.600. Johannes Bosschaert erreichte 198.400, Pierre Patel ebenso wie Juan van der Hamen y León 186.000, während Gerret Willemsz Heda auf 148.800 Jusepe de Ribera auf 136.400 kamen.

Beim 19. Jh. waren zwei charakteristische Italien-Landschaften von Jacob Philipp Hackert mit 161.200 und 99.200 am erfolgreichsten – gefolgt von Ernst Fries mit 105.400, Carl Gustav Carus mit 78.100 und Carl Rottmann mit 93.000. Die Gemälde des Meisters des Tobias, von Carl Gustav Carus und Carl Rottmann stammten aus dem Nachlass Kardinal Meisners.

Insgesamt spielten die Auktionen Alte Kunst und Kunstgewerbe sehr erfreuliche 7,4 Millionen ein (ohne Mehrwertsteuer). Die Kunstwerke aus dem Nachlass Kardinal Meisners erzielten weit mehr als das Doppelte der Taxen.

Alte Meister

Fulminant war der Erfolg für Joos van Cleves nur 20 x 12,5 cm messendes „Porträt eines jungen Mannes“. Van Cleve hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, darunter Altarbilder, Madonnen und eine stattliche Anzahl an Porträts. Um 1530 wurde der Künstler als Porträtist an den Hof Franz I. berufen und sein Stil wurde in der Folge richtungsweisend für die französische Bildnismalerei von 1530 – 1570. Das Gemälde weckte großes internationales Interesse und lockte zahlreiche Bieter an. Leichtfüßig überwand es bei einer Taxe von 100/120.000 Dank eines heftigen Bietwettkampfes die Hunderttausenderhürden bis der hartnäckigste Bieter schließlich mit einer Bewilligung von 652.000 den Sieg davontrug (Lot 1006).

Das bedeutendste Werk aus dem Nachlass Kardinal Meisner stammte vom Meister des Tobias (Maestro die Tobia), einem toskanischen Maler des 14. Jahrhunderts. Der kleine Klappaltar zeigte die „Madonna mit Kind und Heiligen und Kreuzigung“. Nach aufwendigen Recherchen ist es den Lempertz-Experten gelungen, den Künstler dieses Werks zu identifizieren und eine gesicherte Zuschreibung festzulegen. Diese Zuschreibung wäre sicherlich auch für Kardinal Meisner überraschend gewesen, den leidenschaftlichen Kunstverehrer. Das prachtvolle Gemälde löste internationales Interesse aus und war heftig und lange umkämpft. Die Taxe lag bei 120.000 – 160.000 und war bald durchstoßen, ebenso die Marken bei 200.000, 300.000 und vierhunderttausend. Sieger wurde ein internationaler Bieter erst mit der Bewilligung von rund einer halben Million Euro. Ein großer Erfolg (Lot 1001).

Francesco Guardis um 1770 gemaltes „Capriccio con Arco rovinato e mura di paese“ wurde von 180/200.000 von einem deutschen Sammler bis auf 235.600 gehoben. Neben Antonio Canal, gen. Canaletto, hat Guardi unsere Vorstellung von Venedig geprägt: topographisch präzise und narrativ der eine, impressionistisch und visionär der andere. Im Gegensatz zu anderen Vedutenmalern der Lagunenstadt gilt Guardis künstlerisches Interesse allein der optischen Erscheinung und Magie dieses einzigartigen Ortes (Lot 1108).

Johannes Bosschaerts in Öl auf Holz ausgeführtes „Blumenstillleben mit Eidechse“ ging für 198.400 an einen deutschen Sammler. Johannes Bosschaert war der mittlere der drei Söhne von Ambrosius Bosschaert d. Ä, einem der bedeutendsten frühen Blumenmaler in den Niederlanden. Was die künstlerische Qualität anbelangt, blieb der Vater von den Söhnen gewiss unerreicht. Das vorliegende hervorragend erhaltene Bild zeichnet sich durch die präzise, fast wissenschaftlich kühle Beobachtung und Wiedergabe der Bildmotive aus (Lot 1029, 200.000).

Erfolg auch für Pierre Patels signierte und datierte „Landschaft mit der Flucht nach Ägypten“ aus dem Jahr 1657. Sie zeichnete sich aus durch einen besonders feinen Pinselduktus der Architektur und des Blattwerkes, die sanfte abendliche Lichtstimmung sowie der akademisch-kompositorische Aufbau der Szenerie innerhalb dieser idealen Landschaft – sie sind Inbegriff der Bildsprache Patels. Die Bieter honorierten die große Qualität und hoben das Gemälde bis auf 186.000 (Lot 1065, 120/150.000).

Auf ebenfalls 186.000 kletterte ein Früchtestillleben in einem Korb von Juan van der Hamen y León, der 1596 als Sohn eines aus Flandern stammenden Leibgardisten von Königs Philipp II in Madrid geboren wurde. 1619 wurde er mit 23 Jahren an den spanischen Hof berufen. Seine frühe Hinwendung zu der Bildgattung der Stillleben zeigt van der Hamen y León als einen Künstler, der unmittelbar Anschluss an die neuen Entwicklungen der Kunst auch in anderen Teilen Europas gefunden hatte (Lot 1034, 120/160.000).

Mit einem Schätzpreis von 80/100.000 versehen, wurde das „Stillleben mit Hering, Römer, Wanli-Schale und einem Brot“ von Gerret Willemsz Heda bis auf 148.800 emporgehoben (Lot 1051). 136.400 erreichte die um 1640 entstandene Darstellung des Hl. Franz von Paola von Jusepe de Ribera. Das Bild ist charakterisiert durch die ausdrucksstarke Physiognomie des Heiligen, das kraftvolle Chiaroscuro wie auch den virtuosen Pinselduktus. Es entstand in einer Schaffensphase, in der Ribera der führende Künstler Neapels war und bedeutende Werke für religiöse und weltliche Auftraggeber schuf (Lot 1050, 100/140.000).

19. Jahrhundert

Bei der Offerte mit Gemälden des 19. Jh. fuhren zwei charakteristische Italien-Landschaften von Jacob Philipp Hackert den größten Erfolg ein. Sein „Blick auf das Arnotal und Fiesole“ gilt als spätes Meisterwerk des deutschen Landschaftsmalers, das 1804 in Florenz entstanden ist. Hackert hat es er für einen guten Freund, den Engländer John Francis Edward Acton, gemalt, der „Primo Ministro“ am Neapolitanischen Königshof war; das Bild war bisher nur durch die Korrespondenz Hackerts mit Johann Wolfgang Goethe bekannt. Ein deutscher Bieter trieb das Gemälde gegen die Konkurrenz von 70/90.000 bis auf 161.200 (Lot 1301). Auf dem zweiten, 1805 für denselben Auftraggeber geschaffenen Bild ist die Ansicht von Süden auf den Ort Maddaloni am Fuß des Monte Michele bei Caserta dargestellt, wo sich das königliche Schloss befand und Hackert 14 Jahre als Hofmaler Ferdinands IV. tätig war, zu sehen. Hier bewilligte ein weiterer deutschen Sammler 99.200 (Lot 1303, 60/80.000).

Eine fulminante Steigerung erreichte die mit 20/30.000 bewertete Ansicht der „Wasserfälle von Tivoli mit dem Ponte Lupo sowie dem Vesta- und Sibyllen-Tempel“ von Ernst Fries. Mehrere Interessenten lieferten sich ein erbittertes Bietgefecht – bis ein europäisches Museum schließlich mit der Bewilligung von 105.400 obsiegte (Lot 1311).

Herausragend unter den Künstlern des 19. Jh. waren auch zwei Gemälde aus dem Nachlass Kardinal Meisners. Das „Tor bei einer gotischen Kirche im Mondschein“ von Carl Gustav Carus wurde von 30/40.000 bis auf 78.100 gesteigert (Lot 1323). Übertroffen aber wurde dieser Erfolg noch von Carl Rottmann mit „Morgensonne über dem Meer“, das bei zahlreichen Bietern auf großes Interesse stieß und von 20/25.000 bis auf 93.000 emporgetrieben wurde (Lot 1318).

Skulpturen

Aus der Offerte mit 66 Skulpturen und Kleinplastiken des 13.–19. Jahrhunderts mit Schwerpunkt auf Holzplastik deutscher und flämischer Gotik (15.–16. Jh.) ragte mit 60.000 ein um 1500 in der Werkstatt von Dries Holthuys geschaffener Hl. Adrianus heraus (Lot 1170, 40/50.000). Beim 19. Jh. erzielte ein „Junges Paar – Werbung“ von Adolf von Hildebrand, dem wohl bedeutendsten deutschen Bildhauer des späten 19. Jh., 32.200 (Lot 1371, 30.000).

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1108: Gemälde und Zeichnungen Alter Meister, Skulpturen - Kunst des 19. Jahrhundert

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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