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Kasimir Malewitsch, Eigenhändiger Brief mit Unterschrift

Kasimir Malewitsch, Eigenhändiger Brief mit Unterschrift "Kasik". 1933

Moskau, 19. September 1933. 4 S. auf 2 Blatt und gelaufenes Kuvert. 22 x 17,5 bzw. ca.11,5 x 14,5 cm. (Falzspuren, etwas gebräunt, das Kuvert mit ca. 2 cm breiter Fehlstelle im Rand, etwas stockfleckig).



Vollständig abgedruckt in: Irina Wakar und Tatjana Michijenko (Hrsg.). "Malewitsch o sebe sowremenniki o Malewitsche" [Russisch: Malewitsch über sich selbst, Zeitgenossen über Malewitsch]. Bd. I. Moskau, 2004, S. 281, Nr. 44 (auf Russisch) und Supremus, Nr. 4 (von 5), 5. Jg. Moskau/ Zürich, 1995, S. 5 (deutsche Übersetzung).

Losnummer: 524


Malewitsch gilt als Pionier der abstrakten geometrischen Kunst der Avantgarde und ist der Begründer des Suprematismus. Sein Hauptwerk, Das Schwarze Quadrat auf weissem Grund, 1915, gilt noch heute als Meilenstein der Moderne. In dem vorliegenden vierseitigen Brief berichtet Malewitsch an seine dritte Frau Natalja Andrejewna Mantschenko, über kulinarische und Alltags-Erlebnisse, sein mit Schulden behaftetes Leben, über seine Arbeit und seine Sehnsucht nach ihr:
"Meine liebe Natascha!
Und so fahre ich fort, mein Leben in Moskau zu beschreiben. In den vorangegangenen Briefen schrieb ich darüber, dass ich von Nemtschinowka nach Moskau umgezogen bin und mich beim liebenswürdigen, sehr gastfreundlichen Iwan Wasilewitsch Kljun niedergelassen habe. Im Verlauf von ungefähr fünf Tagen ging ich ständig zum ISOGIS [Staatsverlag der bildenden Künste], ich war weder bei Metscheslaw noch in Nemtschinowka und habe ihnen nichts darüber mitgeteilt. Aber sie haben von Dir Geld und einen Brief erhalten, sie brachten alles auf die Beine, fuhren nach Moskau und brachten ebenfalls alle auf die Beine, wohnin ich verschwunden war, blieb unbekannt... Danach ging ich los und erhielt Dein Geld, ich bewahre es auf, weil es für den Weg noch nicht ausreicht, aber mit der Arbeit wird es morgen, den 19. September, bereits zu Ende sein, ich habe den Vertrag am 17. unterschrieben, aber am 18. ist arbeitsfreier Tag, am 19. wird der Vorstand unterschreiben, aus all dem kam jedoch nichts heraus, denn sie reduzierten alles von 800 Ru[bel] auf 250, so dass der Vorschuss nur mit Müh und Not sowohl für die Rückzahlung der Schulden als auch für das Billett reichen wird...
Und so werde ich morgen, sofern es nicht regnet, denn jetzt regnet es, Zeichnungen anfertigen, und ich beabsichtige, schon morgen die Billette zu kaufen, im Notfall am 20., sobald ich [sie] habe, werde ich sogleich eine Karte schreiben...
So erschrak ich ob all dem , eigentlich ohne Grund, ich habe mich so sehr nach Dir gesehnt, Du kannst Dir nicht vorstellen wie, so sehr möchte ich Dich sehen, dass ich alles an den Nagel hängen und losfahren möchte, aber ich wusste, dass es um unsere Angelegenheiten schlecht steht, es notwendig ist, sie zu festigen, und diese Festigung gibt es dank der neuen Bekanntschaft. Ich möchte Dich und UNotschka sehen, der aussergewöhnlichsten Sache gleich, wie ich sie in meinem ganzen Leben niemals hatte, ich hatte keine Familie mit Kindern, die mit mir gelebt hätten, gegangen wären, und ich gäbe ihnen einen Klaps und noch einen, zudem möchte ich dass Du und Unka zusammen wärt und ich mit Euch, ich fühle eine ungewohnte Regung und träume, wie schön es bloss wäre und wie gut wir lebten...
Ein wenig störe ich mich auch an der Rente, weil sie und das Labor das normale Einkommen bilden, von dem viele leben. Aber ich bewies, dass jene, welche ein solches Einkommen erhalten, nicht Künstler sind und keine Modelle, keine Leinwand, keine Farben brauchen. Ich brauche das Doppelte und Dreifache. Keine Ahnung, welche Massnahmen noch gegen mich ergriffen werden, und währenddessen ist meine Stimmung äusserst gedrückt, aber man muss kämpfen...
Was meine Ernährung betrifft, so habe ich in dieser Woche sogar zugenommen, weil I[wan] W[asilewitsch] einen gut verpflegt, und bei P[awlow] haben wir so zu Mittag gegessen, wie Krylow einst gegessen hat, ich ass so vile, dass ich sogar überrascht war, der Organismus war starkt erschöpft und in ihn liess sich alles hineinfüllen wie in einen Gummibeutel, das Essen war nicht schlechter als einst bei uns am Bankett im Astoria...
Ich weiss nicht, ob Dir meine Briefe gefallen oder nicht, aber ich schreibe über alles, beschreibe jeden Schritt, einem Tagebuch gleich, und Du kannst mich nicht dafür tadeln, dass ich nicht schreibe. Überhaupt überkam mich irgendwie die Schreibwut, aber Du liest meine Briefe offensichtlich nicht zu Ende, denn ich habe Dich gebeten, mir die Adresse von Grisch aus Charkow zu schicken, Du hast sie jedoch nicht geschickt, ich wollte an ihn Briefe, bereits im Sommer geschrieben, abschicken.
Und so sehe ich mich, ich weiss nicht wie, ich möchte schon nach Hause und Dich sehen, und heute, wenn es nicht gelingen sollte, einen Vorschuss zu erhalten, werde ich das Billett kaufen, denn wenn ich es gekauft habe, vergehen nochmals zwei, drei Tage. Morgen, den 20., fahre ich nach Nemtschinowka, um die Sachen zum Bahnhof zu bringen, und wenn ich das Billett gekauft habe, bleiben mir noch fünf Rubel. Heute jedoch fahre ich los und male meine Landschaftsbilder. Nach dem Tee gehen I[wan] W[asilewitsch] und ich zum ISOGIS. Ich möchte auch ihm ein Landschaftsbild anfertigen. Wenn ich gehe, werde ich diesen Brief einwerfen.
Also, warte auch mich.
Ich küsse Dich herzhaft Dein Kasik..." (zit. nach der Übersetzung in Supremus 1995).

Provenienz: Privat-Archiv Moskau - Von dem damaligen Besitzer 2004 erworben - Seither in Privatsammlung Schweiz.


Veranstaltungshinweise:

Am 19.03.2018 Auktion A184: Autographen


Schätzpreis: 30.000 - 40.000  SFR

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