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Millionen-Richter an der Spitze

Gerhard Richter, Teyde-Landschaft (Skizze), 1971

Spitzenstück der Offerte ist das mit 800.000 – 1.000.000 bewertete Gemälde „Teyde-Landschaft (Skizze)“ von Gerhard Richter aus dem Jahr 1971. Richters spezifisch bildnerischer Diskurs, eine fotografisch vermittelte Wirklichkeit für seine Malerei einzusetzen, verführt den Betrachter. Wirkt die Fotografie oftmals banal, mitunter auch uninteressant und für uns unmotiviert, so verwandelt Richter die Vorlage in ein stimmungsgeladen-geheimnisvolles Motiv. Er gewinnt unsere Aufmerksamkeit, indem er einen belanglosen Ausschnitt durch sein künstlerisches Eingreifen zu einem malereiwürdigen Gegenstand erhebt und die fotografische Vorlage als medialer Ausgang dennoch deutlich, zumindest aber erahnen lässt.

Übergänge zwischen den wenigen, inszenierten Farbtönen werden von Richter äußerst subtil vermalt. Dadurch bleiben dem Betrachter die motivischen Details verschlossen. Er stößt bei dem Versuch, diesen fotografischen Illusionismus zu durchdringen, an eine Wahrnehmungs-grenze, mit der sich das Motiv wieder als Malerei präsentiert. Dieser manipulierende Eingriff zielt auf Irritation des Sehens und wird von Richter bisweilen gesteigert, indem er verschiedene Aufnahmen miteinander kombiniert und collagiert (Lot 633).

Zu den weiteren Höhepunkten gehört Richters Buch „Ohne Titel (Comic Strip)“. 1962 entsteht dieses Künstlerbuch, in dem die Figur eines Mannes mit breitkrempigem Hut das Hauptmotiv bildet. Zur Darstellung dieser Figur schneidet Richter Stempelvorlagen in variierenden Posen, was ihm eine schnelle Wiederholung des Motives in identischer Form ermöglicht. Er greift damit auf frühe Arbeiten zurück, in denen er das Stempelmotiv vereinzelt verwendet hat. Ohne einer klaren narrativen Struktur zu folgen, werden episodenhafte und fragmentarische Erzählungen illustriert, die von einem außergewöhnlichen Ideenreichtum zeugen. Begleitet werden die Bildergeschichten von einer Ornamentschrift, die sich nur teilweise entschlüsseln lässt und sich zumeist vollständig in eine abstrakte Form auflöst. Das vorliegende Werk beinhaltet Elemente, die im 2014 erschienen Reprint „Comic Strip“, nicht abgedruckt sind. Zusätzliche Zeichnungen, teils zusammengeklebte Seiten und Collagen sowie künstlerische Werkspuren sind nur in diesem lange Zeit unentdeckten Künstlerbuch sichtbar (Lot 632, 100/120.000). „Strip“, ein stark horizontal ausgerichteter digitaler Farbtintenstrahldruck Richters, trägt eine Taxe von 70/90.000 (Lot 634).

Ein Highlight der Auktion ist auch “Study to Homage to the Square: Warm Welcom” von Josef Albers. Der Künstler und Lehrer Albers gilt als einer der wichtigsten Mittler zwischen der europäischen Avantgarde und der US-amerikanischen Malerei. So ist sein Einfluss auf die Entstehung der Minimal Art in einem Bild wie „Warm Welcome“ aus der Serie „Homage to the Square“ augenscheinlich. 1950 begann Albers in dieser Bildserie die optische Wahrnehmung von Farben und deren Wechselwirkung in unterschiedlichen Kombinationen auszuloten – eine Fragestellung, mit der er sich auch theoretisch auseinandersetzte, etwa in seinem 1963 erschienenen Buch „Interaction of Color“. Der flächige Bildaufbau der Serie, für die Albers vier Varianten und fünf Formate definierte, resultiert aus der vertikal zentrierten, horizontal nach unten verrückten Anordnung verschiedenfarbiger Quadrate unterschiedlicher Größe.

Rebecca Horn ist mit einem Ihrer poetischen Maschinenobjekte vertreten. Die unbetitelte Arbeit von 1995 mit den Maßen 80 x 110 x 25 cm besteht aus Papageienfedern, Metallstäben und einem Elektromotor. Die Künstlerin besitzt die Fähigkeit, Kunst und Raum auf wunderbare, bisweilen geheimnisvolle Weise in Beziehung zu setzen und hierin eine ästhetische wie poetische Präsenz zu verbreiten. Filigrane Automaten steuern und bewegen Objekte, verzaubern zwischen Stillstand, Verharren und anmutender Bewegung. Das leise Surren der Motoren wird zur unverwechselbaren Aura. In der Materialisation akustischer und mechanischer Phänomene entsteht der Nimbus ihrer Werke zwischen Bosheit, Skurrilität und Surrealität (Lot 629, 100/120.000).

Zu den Spitzenstücken gehört auch „Paripa“ von Emil Schumacher – eine typische, stark in Rot gehaltene Arbeit von 1961 für 150/180.000 (Lot 605A). Von Georges Mathieu kommen zwei Leinwände: „Saint Guillaume, duc d'Aquitaine, premier comte de Toulouse chassant les sarasins de la ville d'Orange“ von 1954 für 140/150.000 (Lot 602) und „Grâces vagabondes“ von 1991 für 55/70.000 (Lot 601). Yves Klein ist mit „Vénus d’Alexandria“ von 162/1982 in dem für ihn prägenden IKB für 90/100.000 vertreten (Lot 615). Von Agostino Bonalumi werden zwei monochrome, geformte Leinwände angeboten (Lots 626/627, 100/120.000 und 45/55.000).

Das Angebot wird mit zahlreichen Bildern im höheren fünfstelligen Bereich vervollständigt. So liegen im Bereich von 60/80.000 Rupprecht Geiger mit einer stark orangefarbenen Leinwand von 1991 (Lot 610) und Adrian Ghenie mit einer dunkel rostroten Leinwand für 60/70.000 (Lot 641) und einer weiteren Ölarbeit für 45/50.000 (Lot 642).

Auf 50/65.000 kommen Anselm Reyle mit einer Leinwand (Lot 639), Frederic Matys Thursz mit einem violetten Bild (Lot 607) und Sam Francis mit einer Arbeit in Acryl und Gouache (Lot 613). Niki de Saint-Phalle ist mit einer knapp 1 Meter großen Polyester-Figur vertreten (Lot 614, 50/60.000) und Jörg Immendorff mit einer Bronzeskulptur von 1989 (Lot 631).

Mit Arbeiten bis 60.000 sind präsent: Joannis Avramidis mit einer charakteristischen Bronzefigur (Lot 612), William Nelson Copley mit einer 1964er Leinwand (Lot 616), Andy Warhol mit einer Marilyn Monroe-Farbserigraphie (Lot 618) und mit drei Farbserigraphien von Joseph Beuys (Lot 619). Die Offerte umfasst auch Arbeiten von Enzo Cucchi (Lot 636), Hans Hartung (Lots 603/606) und Otto Muehl (Lots 622/623).

Lempertz Auktion 1100
2. Dez. 2017, 14.00 Uhr, Köln

Vorbesichtigung Köln
25. – 30. Nov.

Katalog online / Live-Auktionen
http://www.lempertz.com/kataloge.html

Veranstaltungen zum Bericht:
Auktion 1100: Zeitgenössische Kunst

Quelle: © Kunsthaus Lempertz

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