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Hermann Max Pechstein, Zwei Kutter im Hafen von Leba, 1922

Hermann Max Pechstein, Zwei Kutter im Hafen von Leba, 1922

Öl auf Leinwand. 81 x 100 cm. Unter Glas (Museumsglas) gerahmt. Unten rechts schwarz signiert und datiert 'HMPechstin 1922' (HMP ligiert) sowie rückseitig auf der unteren Keilrahmenleiste zusätzlich signiert und beschriftet '1. Fischkutter HMPechstein' (HMP ligiert) und mit den Adressdaten 'Berlin W. 62 Kurfürstenstr. 126' versehen. - In schöner Erhaltung. Vereinzelte minimale Farbausbrüche professionell restauriert.

Soika 1922/23

Losnummer: 326


Provenienz

Galerie Wilhelm Grosshennig, Düsseldorf (1959), mit dem rückseitigen Rahmungsaufkleber; dort erworben, seitdem in Familienbesitz, Privatsammlung Rheinland

Die Ostsee bleibt für Pechstein auch in diesen Nachkriegsjahren ein lebenswichtiger Fluchtpunkt. Der Künstler entflieht Berlin, der Großstadt und den Alltagsquerelen, die mit privaten und geschäftlichen Dingen zusammenhängen, in die Natur und in alternative Lebensbedingungen, die völlig anders funktionieren. Unter den Fischern der Küste lebt Pechstein, der sich ihnen verwandt fühlt, nach den Zeugnissen dieser Jahre, buchstäblich auf: „…freue mich bald wieder losfahren zu können, und ungehindert in der Natur zu leben“, schreibt er im Frühjahr 1922 an Walter Minnich (zit. nach Aya Soika, Max Pechstein, Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, München 2011, Bd. 2, S. 11). Es entsteht motivisch wie künstlerisch in Bezug auf das gesamte Oeuvre sehr Wesentliches, so dass die Gemälde dieser Epoche als Höhepunkte seiner malerischen Produktion bezeichnet werden dürfen.

In diesem Sinn strahlen „Zwei Kutter im Hafen von Leba“ von 1922, eine fast majestätische Schönheit und Gelassenheit aus. Vermutlich in den glatten Wassern am Ufer des Mühlengrabens liegend, haben sie Segel und Netze an den Masten und Rahen zum Trocknen aufgehängt (s. auch Vergleichsabb.). Eine satte, dunkeltonige Farbigkeit unterstreicht sinnenhaft und atmosphärisch die Feuchte und Moosigkeit des baumbestandenen grünen Ufers, aus dem die roten Hütten und Schuppen wirkungsvoll herausleuchten. Nicht Sturm, Brandung, Welle und Fischzug ist hier thematisiert, sondern ein Zur-Ruhe-Gekommen-Sein.

Starke Pinsel-Akzente in Schwarz in den Konturen und Schattengebungen akzentuieren die Farbflächen. Die malerische Faktur unterstreicht in ihrem flüssigen Auftrag die souveräne Handhabung der Mittel. Leuchtendes, pastoser aufgetragenes Weiß scheint vor dem dunkleren Bildgrund zu schweben. Die klassische, dreizonige Gliederung der Komposition erfährt jedoch eine markante Belebung durch den hellen Himmelsstreifen mit hier besonders freier, fast kubistisch nachempfundener Wolkenbildung, zu der die gezackten Silhouetten der Bäume im Hintergrund wirksam überleiten. Die expressiven Pinselschwünge mit ihren prismatisch gebrochenen Formen, die das sonnenhafte Licht des Himmelsgestirns nur indirekt spiegeln, erzeugen zusammen mit dem Feld der lichthaften Flecken im Wasser eine atmosphärische Strahlung und öffnen die Darstellung räumlich ins Weite.

Dass Pechstein als Expressionist in den seit 1921 in Leba entstehenden Gemälden insbesondere den Atmosphären des Lichts an der See nachspürte, sie geradezu thematisierte, zeigt sich häufig an den eigenen, auf den rückseitigen Leinwänden vermerkten Titelgebungen (u.a. „Spiegelung“, „Fischkutter in Nachmittagssonne“, „Kalter Nachmittag“, „Abendruhe“, „Kutter im Sturm“, „Morgensonne“, „Sonne im Schilf“, „Sonnenflecken“, „Blauer Tag“, „Abendwolke“, usw.; s. auch Vergleichsabbildungen). In spätem Nachklang der Malerei Vincent van Goghs inszeniert Pechstein über die Farben und insbesondere über die freie, künstliche Formbildung in den Himmelszonen seine Visionen, die immer ein tief empfundenes Erlebnis transportieren.


Veranstaltungshinweise:

Am 01.12.2017 Auktion 1099: Moderne Kunst


Schätzpreis: 400.000 - 500.000  EURO

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