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Renée Sintenis, Knabenakt, 1923

Renée Sintenis, Knabenakt, 1923

Bronzeplastik. Höhe 26,5 cm. Auf der mitgegossenen Plinthe hinten links monogrammiert 'RS'. Seitlich hinten mit den Giesserstempeln "H. NOACK BERLIN FRIEDENAU" versehen. Lebzeitguss. Eines von zwei bekannten Exemplaren, das zweite in der Sammlung Karl H. Knauf, Berlin. - Mit dunkelbrauner Patina.

Berger/Ladwig 057 ("Maße unbekannt"); Buhlmann 89 (o. Abb.)

Wir danken Ursel Berger und Günter Ladwig, Berlin, für die wissenschaftliche Beratung.

Losnummer: 324


Provenienz

Sammlung Ludolf und Edith Rosenheim, Berlin und New York, seitdem in Familienbesitz
Ausstellungen

Berlin 1925 (Galerie Flechtheim), Marie Laurencin und Renée Sintenis, Kat. Nr. 43 (dieses Exemplar)
Literatur

Gustav Eugen Diehl (Hg.), Renée Sintenis, Berlin 1927, Nr. 49 (dieses Exemplar); René Crevel/Georg Biermann, Renée Sintenis, Berlin 1930, S. 14, Nr. 49 (o. Abb., "bei Ludolf Rosenheim")

Nicht nur bei ihren Tierfiguren weiß Renée Sintenis das ihnen Eigentümliche auf erhellende Art herauszustellen - beispielsweise eine hochbeinige Staksigkeit der im Stand noch unsicheren Fohlen oder den spielerischen Dickkopf ihrer eigenen Terrier -, sondern auch in ihren menschlichen Porträts erfasst die Berliner Bildhauerin die Eigenschaften ihrer jeweiligen Modelle. So scheint sich in der angebotenen Plastik, dem Porträt des jungen Peter Rosenheim, der Ausdruck eines gewissen Eigensinns in Kopf- und Körperhaltung Bahn zu brechen. Die kraftvolle Attitüde der geballten Fäuste und des breiten Stands wird durch die Zerbrechlichkeit des zarten Jungenkörpers rührend und amüsant konterkariert. Der für ein bestimmtes Kindesalter charakteristische Trotz, diese neue entdeckte Willensstärke, ist hier porträtübergreifend auf eine typische Art bildhaft umgesetzt und macht das Kinderbildnis von Peter auch außerhalb des familiären Zusammenhangs für einen größeren Sammlerkreis interessant.

Das Kinderporträt wurde von Peters Mutter, der Berliner Bankiersgattin Edith Rosenheim bei der mit ihr befreundeten Künstlerin Renée Sintenis in Auftrag gegeben. Die Plastik begleitete die jüdische Familie während ihrer Emigration in die USA zu Beginn der 1930er Jahre, auf ihren späteren Wegen zurück nach Europa und trat nun aus dem Besitz der Erben zutage.


Veranstaltungshinweise:

Am 01.12.2017 Auktion 1099: Moderne Kunst


Schätzpreis: 18.000 - 22.000  EURO

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