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Théo van Rysselberghe, Le Tub, 1913

Théo van Rysselberghe, Le Tub, 1913

Öl auf Leinwand.

Unten links monogrammiert und datiert: TVR 13.

173 x 117 cm.

Losnummer: 3209


Provenienz:
- Galerie Giroux, Bruxelles, 7 Mai 1928, Nr. 160.
- Galerie D.A. Hoogendijk & Co., Amsterdam.
- Privatbesitz Liechtenstein (bei obiger Galerie erworben).

Ausstellung: Venedig 1914, XI. Esposizione Internazionale d'Arte della Citta di Venezia, Nr. 120 (mit Abb. im Ausst. Kat. Nr. 33).

Literatur:
- Colin, Paul: La peinture belge depuis 1830. Edition des Cahiers de Belgique, Bruxelles 1930, S. 322.
- Feltkamp, Ronald: Théo van Rysselberghe 1862 - 1926, Catalogue raisonné, Bruxelles 2003, Nr. 1913-006, S. 404 (mit Abb.).

Théophile van Rysselberghe ist der bedeutendste belgische Maler des Neoimpressionismus und spielt eine sehr entscheidende Rolle in der Kunstszene der Jahrhunderwende.

1862 in Gent geboren, stammt er aus einer französischsprechenden, bürgerlichen Familie. Ab 1879 studiert er an der Académie des Beaux-Arts in Brüssel unter Jean-François Portaels, dessen nordafrikanische Gemälde eine orientalistische Modeströmung auslösen, und die auch auf Rysselberghe einen grossen Einfluss haben. So unternimmt er in jungen Jahren einige Reisen nach Marokko und stellt in den Salons von Gent und Brüssel aus. Dann bereist er mit Freunden auch Spanien und ist sehr beeindruckt von den im Prado ausgestellten Werken. In dieser Zeit fertigt er viele Porträts an und fängt das mediterrane Leben ein: Es ist das intensive Licht, das an diesen Orten vorherrscht, welches er gekonnt auf die Leinwand bringt. Diese Werke, die er später in Belgien ausstellt, lösen viel Begeisterung aus. Von nun an spielt gerade das Licht eine entscheidende Rolle in seiner Malweise. Im Oktober 1883 ist er ein prominenter Mitbegründer der avantgardistischen Gruppierung "Les XX" bestehend aus jungen, radikalen Malern.
An der Ausstellung der Gruppe von 1886 nehmen auch Renoir und Monet teil. Rysselberghe ist zutiefst beeindruckt von der impressionistischen Technik und beginnt mit dieser zu experimentieren. Als er aber im gleichen Jahr die achte impressionistische Ausstellung in Paris besucht, ist es das berühmte Gemälde "La Grande Jatte" von Georges Seurat, das ihn schliesslich zum Pointillismus führt, den er in den folgenden Jahren anwenden wird. Dies allerdings mit weniger Erfolg, da dieser Stil das Publikum, gerade in Belgien, noch sehr irritiert. Dennoch pflegt er einige Jahre intensiven Kontakt zu der Pariser Kunstszene. Bei Reisen, die er zusammen mit seinem Malerfreund Eugène Boch in die Kunsthauptstadt unternimmt, lernt er Maler wie Sisley, Signac, Degas und Toulouse-Lautrec kennen, die er alle sehr bewundert. Er hat ein sehr gutes Gespür, die Genialtät avantgardistischer Kunst früh zu erkennen. Er lädt über ein Treffen mit Theo van Gogh dessen Bruder Vincent ein, in Belgien auszustellen, wo dieser sein Werk "Vigne Rouge à Montmajour" an Anna Boch verkaufen kann. Dies galt lange als einziger Verkauf zu Lebzeiten van Goghs.

1897 zieht er schliesslich nach Paris um. In diesen Jahren findet seine pointillistische Malerei ihren Höhepunkt. Ab ungefähr 1903 wendet er die Technik nicht mehr so streng an und malt mit stärkerem Strich etwas freier. Bestimmt unter dem Einfluss der nun postum zu grossem Ruhm gelangenden Maler Van Gogh und Cézanne, aber auch durch die neu entstehenden, fauvistischen Tendenzen, möchte er sich von dem etwas gar starren und technisierten Malen befreien. Dies gelingt ihm so gut, dass sein Spätwerk nicht als etwa schwache Phase angesehen wird. Im Gegenteil, gerade nachdem er den Pointillismus ab etwa 1910 ganz aufgibt, findet er zu einer Malweise, mit der er das Licht durch starke Farbkontraste darstellt. In dieser Zeit malt er vor allem im Süden Frankreichs. Es sind nun vorwiegend Landschaften, aber berühmt aus dieser Zeit werden seine intimen Porträts seiner Frau, seiner Tochter und seines Bruders Octave. Akte werden bei Rysselberghe erst spät, ab ungefähr 1905 wichtig. Vorher kommen diese kaum in seinem Werk vor. Danach zählen die Aktdarstellungen zu seinen bevorzugten Themen.

Ähnlich wie bei den Werken der ebenfalls im Süden wirkenden Maler Bonnard, Manguin oder Lebasque wird das Experiment gewagt, den Blick des Vertrauten, Innersten zu zeigen, ohne dass sich dadurch eine Indiskretion entwickelt. Da dieser Blick aber auf der Leinwand eingefangen wird, entsteht notgedrungen eine Gratwanderung, die aber den Effekt dieser Malerei ausmacht, den diese Künstler so gut beherrschen.
Das vorliegende Werk ist eines der schönsten Beispiele aus dieser Zeit. Rysselberghe malt diesen grossen Akt (der grösste Akt in einem Innenraum im gesamten Werk des Künstlers) 1913, und stellt diesen im folgenden Jahr auf der Biennale in Venedig aus.

In Lebensgrösse steht die Frau vor uns, entblösst nach dem Bade steht sie vor dem unsrigen Werk titelgebenden, so genannten "Tub", dem Wasser auffangenden Becken, das man in dieser Zeit oft beim Abtrocknen nutzte.

Wie oft in den Porträts des Malers wohnt diesem Gemälde eine spannende Intimität inne. Etwas erröteten Gesichtes trocknet sich die Nackte ab. Man wähnt sich selbst als Betrachter in einer leicht schamhaften Situation. Dies ist sehr typisch für diese Werke von van Rysselberghe, dem es um die Aufmerksamkeit des Betrachters geht: "He painted nudes under pine trees, after bathing, lying down and relaxed, at their toilet in front of the mirror, doing their hair, washing in the bath... His nudes painted in interiors, just like his portraits, illustrate the same desire to focus the spectator's attention on the subject. The background never competes with it, but remains neutral." (Ausst.Kat. Théo van Rysselberghe. Centre for Fine Arts, Brussels & Geementmuseum, Den Haag, 2006, S. 69).


Veranstaltungshinweise:

Am 27.06.2017 Auktion A181: Design, Schweizer Kunst, Klassische Moderne, PostWar & Contemporary, Grafik, Fotografie, Schmuck & Uhren


Schätzpreis: 150.000 - 250.000  SFR

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