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Ernst Jünger, Sammlung von Briefen, Postkarten, Dokumenten, 1978-1990

Ernst Jünger, Sammlung von Briefen, Postkarten, Dokumenten, 1978-1990

"Ich werde zur Museumsfigur"

Jünger, Ernst, Schriftsteller, Offizier und Entomologe, einer der international meistgeehrten, gleichermaßen umstrittenen wie bewunderten dt. Autoren (1895-1998). Sammlung von 23 Briefen (19 masch., 4 hs.), 18 Postkarten und beschrifteten Fotos im Postkartenformat (11 hs., 7 nur mitunterzeichnet) und zahlreichen Beilagen. Zus. ca. 35 S. Die Briefe bis auf 1 Ausnahme gr. 4to. Meist Wilflingen, aber auch Griechenland, Jugoslawien, Frankreich, Schweiz, Singapur u. a. 1978-1990.

Losnummer: 2508


An ein befreundetes Ehepaar, das dem Schriftsteller in vielerlei literarisch-organisatorischen Dingen behilflich war, Archivierung der weltweiten, von Jünger sehr beachteten Resonanz zu seinen Werken und Auftritten, Kopier-, Korrespondenz- und Ordnungsarbeiten, Verkehr mit Antiquariaten, Beratung in literatur- und kulturhistorischen Fragen. Jünger weiß ihre Arbeit und ihre Meinung sehr zu schätzen und korrespondiert mit beiden als Freund und Gleichgestellter. Naturgemäß ist die Mehrzahl der Briefe maschinenschriftlich, die Mehrzahl der Karten handschriftlich; von diesen sind 7 von Liselotte Jünger geschrieben und von ihrem Mann nur signiert. Einige Zitate mögen den Inhalt kennzeichnen. 1979 vergleicht er den Hamburger Auktionator Hauswedell mit dem legendären König Midas: "... Hauswedell bietet ein lädiertes, signiertes Exemplar der editio princeps der 'Marmorklippen' für tausend Mark an. Wie hoch würde er demnach die, allerdings unverkäufliche, Handschrift des Werkes ansetzen? Offenbar ein Exemplar, das ich verschenkt habe. König Midas: was er anrührt, wird Gold, während ihm die Eselsohren anwachsen. Der Autor ist 'le pauvre' im Sinne von Léon Bloy. - In diesen Tagen kam ein Friedensorden ins Haus: La Médaille de la Paix der Stadt Verdun. Auch gut - in der Antike waren bei Friedensschlüssen die Kriegsgötter, vertreten durch ihre Priesterschaften, anwesend [14.XI.1979] ... ich fand diese beiden, von Pfarrer Walz mir gesandten Copien. Der Vortrag wurde anläßlich des Tages der 'Bücherverbrennung' in Berlin gehalten, unter Präsidium des Oberbürgermeisters [! In Berlin gibt es nur einen Regierenden Bürgermeister]. Hat er die Infamie moniert? Das lohnte eine Anfrage [5.VII.1982] ... möchte ich Ihnen die anliegende Sendung des Norddeutschen Rundfunks über [den Nobelpreisträger Jorge Luis] Borges mitteilen. Meine Frau, die mit Grippe im Bett lag, hat zufällig die Passage auf S. 52/53 mitgehört und ließ sich den Text senden. Mehr brauchen auch Sie nicht zu hören - mir kam dabei der Gedanke, daß wir vielleicht Ihre Begabung zur Ironie, etwa durch eine Hörerzuschrift, ins Spiel bringen könnten - natürlich nur, wenn es Sie reizt. Der Sprecher scheint wenig von Goethe zu wissen - jedenfalls ist ihm dessen Vorliebe für den 'gebildeten Soldaten' unbekannt. Und darauf bezog ich mich. Zudem hatte der Herr das besondere Pech, daß Borges, mit dem er mich konfrontiert, vor kurzem in Wilflingen weilte - ich war der einzige deutsche Autor, mit dem er zu sprechen gewünscht hat. Und was war der besondere Anlaß? Mein Tagebuch aus dem Ersten Weltkrieg, das er vor sechzig Jahren in der spanischen Übersetzung gelesen hat. 'Das war für mich eine vulkanische Eruption.' Wichtig wäre mir auch, den Namen des Sprechers zu erfahren; seine Leistung könnte als casus typicus in 'Siebzig Verweht III' zitiert werden ... Eine Entdeckung, die mir angenehme Schlaflosigkeit bereitet hat: Umberto Eco 'Der Name der Rose' [23.IV.1983] ... Otto von der Linde, der vorletzte Ritter des Ordens Pour le Mérite, ist plötzlich gestorben und läßt mich nun als den einzigen zurück. Ich werde mit meiner Frau von Berlin aus nach Wienhausen fliegen, um den Kranz mit der Schleife des Ordens am Sarg niederzulegen. Dann kehren wir zur Firmung nach Berlin zurück [25.V.1984] ... Anbei zwei coupures - ich weiß nicht, ob die merkwürdige Auslassung des Herrn im 'Pan' Ihnen schon vorgelegen hat. (Er möchte mich lieber mit Parabellum sehen) ... Sodann die merkwürdige Duplizität: zwei Komponisten, die an einer Trilogie über meine Erzählungen arbeiten - ich komme mir bald wie Hoffmann vor. Könnten Sie mir - ich möchte fast sagen 'zuständigkeitshalber' einen Teil dieser Korrespondenz abnehmen? [15.VII.1984] ... Vor der Fahrt nach Bonn ... Nur von den beiden Einladungen (Mitterand und Senat) hätte ich diesmal gern je fünf Ablichtungen [2.XII.1984] ... Wie Sie dem Text dieses Briefes entnehmen werden, habe ich mit den Entomologen eine Menge zu tun. Doch das ist nicht die Hauptsache. Inzwischen haben sich meine beiden Bibliographen, die Doctores Walz und Mühleisen zerstritten - das soll aber nicht bedeuten, daß sie nicht weiter mit Ablichtungen versorgt werden [18.I.1985] ... Anbei schon wieder zwei coupures. Wie Sie sehen, werde ich schon in medizinischen Zeitschriften ausgestellt [12.II.1985] ... Anbei wieder etwas Abzulichtendes: Einige Erinnerungen an Carl Schmitt. Ein Aufsatz meines Freundes Marcel Schneider ... An dieser Sendung bitte ich ausnahmsweise zu beteiligen: Dr. Alexander Jünger, Berlin ... Er ist Patensohn von Carl Schmitt [24.VIII.1985] ... Der Freisler-Brief ruft, wie ich erwartet habe, Wirbel hervor. Aber ich will dem nicht ausweichen [26.XI.1985] ... Anbei zu Ihrer bewährten Ablichtung der Brief eines Leutnants der Bundeswehr. Ich werde zur Museumsfigur ..." [15.VII.1986]. Zu einer Kopie aus einem Auktionskatalog, in dem Jüngers Briefe an den Photographen Albert Renger-Patzsch angeboten werden, schreibt der Autor: "Können wir hiervon ein halbes Dutzend kopieren? Zur Abschreckung hartnäckiger Autographen-Sammler" [21.XI.1985].

Das reichhaltige Briefmaterial wird ergänzt durch eine Fülle von Beilagen: 3 Schriftstücke und 2 Umschläge mit Widmung oder Notiz von Jüngers Hand. - 5 Orig.-Fotografien, davon 2 großformatige, die Ernst Jünger gemeinsam mit Helmut Kohl und François Mitterand zeigen (Metz 22.X.1984), davon eines mit Widmung Jüngers; ferner ein gedrucktes Foto mit Jünger, Loriot und Hermann Prey (München 1996). - 4 Brief- bzw. Postkarten von Liselotte Jünger. - Mehrere Schreiben an Ernst Jünger, darunter ein Brief seines Bibliographen Horst Mühleisen. Zahlreiche Fotokopien von Zuschriften und Aufsätzen über Jünger, auf die er in den vorliegenden Briefen Bezug nimmt, darunter eine Kopie des Schreibens vom Vorsitzenden des "Volksgerichtshofes", Roland Freisler, an Martin Bormann (1. Dez. 1944), in dem er mitteilt, daß das Ermittlungsverfahren gegen Jünger wegen seines Buches "Auf den Marmorklippen" auf telefonischen Befehl Hitlers eingestellt worden sei. - Schließlich eine größere Anzahl Veröffentlichungen vom "Freundeskreis der Brüder Ernst und Friedrich Georg Jünger e. V." und seinen Symposien seit 1999.


Veranstaltungshinweise:

Am 11.04.2017 bis 13.04.2017 109. Auktion: Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen


Schätzpreis: 8.000,-  EURO

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