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Ernst Barlach, Der Einsame, 1911

Ernst Barlach, Der Einsame, 1911

Bronze. Höhe 58,9 cm. Auf mitgegossener Plinthe (4,3 x 29 x 22 cm). Auf der Plinthe seitlich rechts hinten signiert 'E. Barlach' sowie links am unteren Plinthenrand mit dem Giesserstempel "H. NOACK BERLIN" versehen. Einer von 15 unnummerierten, posthumen Güssen nach dem Gipsmodell (Laur 165), die seit 1952 zur Ausführung gelangten. Der vorliegende Guß lt. Ernst Barlach Lizenzverwaltung vom Ende der 1950er oder Anfang 1960er Jahre. Es gab keine Lebzeitengüsse. - Mit hellerer brauner, stellenweise grünlicher Patina (vornehmlich in den Vertiefungen).

Laur 166; Schult I 116

Mit einer Bestätigung von Ernst Barlach, Ernst Barlach Lizenzverwaltung, Ratzeburg, gegenüber dem Vorbesitzer vom 26. September 2016.

Losnummer: 206


Provenienz

Norddeutsche Privatsammlung

Ausstellungen

Reutlingen 1955 (Spendhaus); Tuttlingen 1955 (Jahn-Halle); Freiburg 1955 (Augustinermuseum); Antwerpen 1957 (Middelheimpark), 4. Biennale voor Beeldhouwkunst, Kat. Nr. 3; Brüssel 1958 (Weltausstellung); Bremen 1959 (Kunsthalle Bremen), Ernst Barlach, Kat. Nr. 497, Abb. S. 27; Hamburg 1977 (Ernst Barlach Haus Hamburg, Stiftung Hermann F. Reemtsma), Nr. 26; Kyoto/ Tokyo/ Kofu 2006 (The National Museum of Modern Art Kyoto/ The University Art Museum, Tokyo National University of Fine Arts and Music/Yamanashi Prefectural Museum of Art, Kofu), Kat. Nr. 61

Literatur

Anita Beloubek-Hammer, Ernst Barlach, Plastische Meisterwerke, Leipzig 1996, S. 10, 44 f.; Ausst. Kat. Hamburg 2003 (Hauptkirche St. Katharinen Hamburg), Ernst Barlach. Mystiker der Moderne, Hamburg 2003, S. 219

1910 verlegte Ernst Barlach seinen Wohnsitz nach Güstrow. Mitunter geprägt von einer Lust an grotesk-phantastischer Stofflichkeit reflektieren seine Werke dieser Jahre das einfache Leben der Bauern und Tagelöhner, Schäfer und Marktfrauen. Fern jedem bukolischen Klischee stehen Barlachs Figuren in unmittelbarem Bezug zu der sie umgebenden Natur und Lebenswelt und widersetzen sich mit leiser Geste auferlegten bürgerlichen Daseinsformen: „Die dramatisch bewegten Geschöpfe dieses Künstlers sind nicht Repräsentanten eigener ‚Spezialgefühlchen', räsonieren nicht über subjektive Übelkeiten, sondern weisen über Ich-Bezogenheit hinaus auf soziales Verhalten, machen sich zum Fürsprecher derer, die im Schatten leben. Robust und scheu, ängstlich und voller Zukunftserwartungen treten sie aus ihrer Verschlossenheit ans Licht.“ (Elmar Jansen, Ein halbmythischer Mann namens Barlach, in: Ausst. Kat. Ernst Barlach. Bildhauer, Zeichner, Graphiker, Schriftsteller 1870-1938, Antwerpen 1994-1995, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, S. 289)

„Der Einsame“ zeichnet sich durch seinen massigen und zugleich gekonnt dynamisierten Körper aus. In der linken Hand eine Kerze haltend, gibt das locker fallende Gewand einen Teil des Oberkörpers frei. Konzentriert richtet sich der Blick des Mannes in den Raum und scheint dabei derart gebannt, dass er das Gleichgewicht zu verlieren droht. Es ist die langsame Bewegtheit gepaart mit dem suchenden Blick, welche der Figur ein zutiefst szenisches Moment verleiht. Neben dem Gipsmodell für die vorliegende Bronze entstand 1911 eine nur wenig größere Holzfigur (Laur 167). Zunächst in der Sammlung Tilla Durieux, befindet sie sich heute in der Hamburger Kunsthalle.


Veranstaltungshinweise:

Am 02.12.2016 Auktion 1078: Moderne Kunst


Schätzpreis: 35.000 - 40.000  EURO

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