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Mit einem Gesamtumsatz von 4,5 Millionen Euro beschließt Bassenge die Herbstsaison

Marwan, Marionette, 1979

Käme man auf die Idee, die erfolgreichsten Lose der vergangenen Kunstauktionen bei Bassenge auf eine Leinwand zu bringen, so säße eine damenhafte Marionette im Frühling zwischen zwei Bäumen beim Friseur. Katzen beobachten die Szene, zwei Maulesel stehen mit gesenktem Kopf daneben, im Hintergrund kniet ein Elefant. Und irgendwo in der Ferne spielt ein Mann den Kontrabass. Aber wen könnte man für dieses zusammengewürfelte surreale Opus schon gewinnen? Die Auktionen hingegen, auch sie oft unberechenbar wie ein Würfelspiel, überzeugten im Realen – aufs Ganze gesehen und im Einzelnen – und bekamen so viel Aufmerksamkeit wie eine Puppe, die sich unter freiem Himmel den Kopfputz erneuern lässt.

Das 1979 entstandene Portrait einer farbenfrohen Marionette des in Berlin lebenden syrischen Malers Marwan war einer Galerie 155.000 € wert, fast das Zehnfache des Schätzpreises. Die Frisierszene „The Coiffing“ von Aubrey Beardsley, eine Federzeichnung von 1896, erreichte 82.000 € (Schätzung: 4.500 €) und das Album „Le Chats“ von Foujita kletterte erwartungsgemäß auf 115.000 € (Schätzung: 70.000 €), ein Telefongebot aus den USA. Die recht entspannten Posen der Miezen entsprachen ganz und gar nicht der aufgekratzten Stimmung im Saal. Zu den Bäumen: Die Ölskizze „Birke und Eiche im Frühling“ des Caspar-David-Friedrich-Schülers von Leypold belegte bei einem Zuschlag von 90.000 € (Schätzung: 28.000 €) einen der Spitzenplätze im Gemäldekatalog, die beiden Maulesel des Livländers von Reutern ertrugen das Bietgefecht mit stoischer Ruhe. Ergebnis: 8.000 €, auf 450 € geschätzt. Von ähnlicher Brisanz: Eine als „Italienisch, 17. Jh.“ mit 600 € angesetzte Gewandstudie kletterte auf 28.000 €, der furiose Auftakt für den ersten, allein den Zeichnungen des 15. bis 19. Jahrhunderts gewidmeten Katalog des Hauses. Kurz darauf erlangte die Rötelzeichnung von Horemans Kontrabassisten – schönstes Rokoko – das zehnfache der Schätzung (6000 €), und eine englische „Augenminiatur“ erblickte bei 7.500 € (Schätzung: 600 €) ihren neuen Besitzer. Mit diesem Aquarell kommen wir passenderweise zum letzten Motiv auf unserem imaginären Auktionsbild: Renée Sintenis’ „Kniender Elefant“ war mit 19.000 € das wertvollste Stück in der fast komplett verkauften Sammlung von Tierskulpturen.

Im Ganzen bestätigten die Auktionen die solide gesetzten Maßstäbe, fern von übersteigerten Erwartungen, in einer Branche, auf deren Launen und Eskapaden man am besten mit heiterer Gelassenheit und zähem Engagement reagiert. Zahlreiche Zuschläge lagen im fünfstelligen Bereich: Lady Jane Montagu von Ingres, auf dem Cover des Katalogs (55.000 €), Noldes Dschunken (54.000 €), eine Abendstimmung von Klever (38.000 €); zwölf Renoir-Lithographien (28.000 €) und das Doppelportrait „Die Mulattin und ihre Vertraute“ von Leo von König (20.000 €). Das Bildnis der Schriftstellerin Ossip Schubin von Karl Gussow ging in die USA für 26.000 €. Außer den Gewändern – auch Ingres Werk zeigt in vollendeter Meisterschaft den Faltenwurf – kulminierte das Kaufinteresse im Bereich der Druckgraphik bei Dürer (Nemesis 28.000 €, Der Hl. Hubertus: 24.000 €), bei einem sterbenden Adonis, einer Radierung des wenig bekannten Jean Mignon (32.000 €) und bei Overbecks „Christi Einzug in Jerusalem“, einer Lithographie, die ein deutscher Sammler auf das Siebenfache der Schätzung anhob (5.500 €). Weitere Überraschungen: ein italienisches Ölbild aus dem 17. Jahrhundert spielte – auf 2.400 € geschätzt – 12.000 € ein, eine anonyme, sehr deutsche Winterlandschaft mit Eichen und Raben 8.000 € (Schätzung: 900 €) und Klingers Atlant verzehnfachte die Schätzung auf 18.000 €, um ebenfalls über den Atlantik zu reisen. Ein Ölbild von Otto Schön, einem Protagonisten der Neuen Sachlichkeit, bereichert in Zukunft eine deutsche Sammlung (15.000 €, Schätzung: 2.400 €).

Im zweiteiligen Katalog Moderne Kunst, der in einem ganztägigen Durchlauf in unterschiedlichen Tempi von Adagio bis Presto präsentiert wurde, ragten neben den oben bereits genannten Spitzenstücken heraus: die frühe Bleistiftzeichnung von Rudolf Belling (9.500 €) sowie Arbeiten von Ludwig Wilding und Josef Albers (jeweils 8.000 €).

Am Schluss der herbstlichen Auktionssaison stand wie immer die Fotoauktion, so gut besucht wie lange nicht mehr, unter internationaler Beteiligung. In der modernen und zeitgenössischen Fotografie erreichte das Spitzenlos, „Something More # 5“ des Australiers Tracey Moffatt auch unter dem Hammer etwas mehr: 12.000 € (Schätzung: 7.500 €), Ruff und Ruscha blieben unterbewertet (5.000 bzw. 2.000 €). Im dicht bebotenen „19. Jahrhundert“ gingen 8 Albuminabzüge von der Akropolis für 7.500 € an einen französischen Sammler (Schätzung: 1.200 €). Äußerst lebhaft verlief die Versteigerung der umfangreichen Sammlung mit indischen Fotografien des 19. Jahrhunderts, von der nur wenige Lose liegenblieben. Der höchste Zuschlag hier: 4 Fotografien von indischen Regenten aus den 1870er Jahren (10.000 €, Schätzung: 500 €). Die Marionette und ihr Coiffeur, Katzen, Maulesel, Elefant und Musikant – und der Maharadscha von Dhar kommt schließlich auch ins Bild.

Veranstaltungen zum Bericht:
106. Auktion: Druckgraphik des 15. - 19. Jahrhunderts
106. Auktion: Gemälde Alter und Neuerer Meister - Zeichnungen des 15. - 19. Jahrhunderts
106. Auktion: Moderne Kunst Teil I und II
106. Auktion: Fotografie des 19. - 21. Jahrhunderts, Fotobücher

Quelle: © Galerie Bassenge Berlin

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