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August Macke, Spaziergänger unter Bäumen (Leute vor dem Schaufenster), 1914

August Macke, Spaziergänger unter Bäumen (Leute vor dem Schaufenster), 1914

Schwarze Kreidezeichnung, teils gewischt, auf festem glatten, chamoisfarbenen Zeichenpapier. 34,3/34,5 x 29,5/29,8 cm. Unbezeichnet. - Rückseitig unten zweifach mit dem ovalen Nachlass-Stempel "Nachlass AUGUST MACKE" versehen; links zusätzlich mit Bleistift von fremder Hand beschriftet "Spaziergänger unter Bäumen, / rechts Hutladen hinten Stadt/ KZ 3,4" und im Stempel datiert "1912". - Der Bogen im linken Rand leicht unregelmässig. Die Rückseite stellenweise mit Tuschespuren (Atelierspuren). - In schöner Erhaltung.

Heiderich 2419 (Nachlaßliste KZ 3/4)

Wir danken Ursula Heiderich, Syke, für freundliche Information.

Provenienz

Aus dem Nachlaß des Künstlers; Privatbesitz

Ausstellungen

Münster 1957 (Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte), August Macke - Gedenkausstellung zum 70. Geburtstag, Kat. Nr. 157 mit Abb. S. 74 und Detailabb. auf dem Katalogumschlag; Bonn 1957 (Städtische Kunstsammlungen), August Macke als Zeichner, Kat. Nr. 37; Reutlingen 1958 (Hans-Thoma-Gesellschaft e.V., Spendhaus), August Macke, Kat. Nr. 28; Bremen 1964/1965 (Kunsthalle Bremen), August Macke, Handzeichnungen und Aquarelle, Kat. Nr. 85 mit Abb. S. 44; Gießen 1970 (Bürgerhaus Gießen), Rheinische Expressionisten: August Macke, Helmuth Macke, Paul Adolf Seehaus, Hans Thuar, Kat. Nr. 18; Münster/ Bonn/ Krefeld 1976/1977 (Westf. Landesmuseum für Kunst u. Kulturgeschichte/ Städtisches Kunstmuseum Bonn/ Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld), August Macke 1887-1914, Aquarelle und Zeichnungen, Kat. Nr. 122 mit Abb. S. 150; Berlin 1977/1978 (Galerie Pels-Leusden), Franz Marc - Gouachen, Aquarelle und Zeichnungen, August Macke - Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Plastik, Kat. Nr. 89 a (Leihgabe); Bonn/ Krefeld/ Wuppertal 1979 (Städtisches Kunstmuseum Bonn/ Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld/ Von der Heydt-Museum), Die Rheinischen Expressionisten, August Macke und seine Malerfreunde, Kat. Nr. 253 mit Abb. S. 255; Bonn 1981 (Bundeskanzleramt), August Macke, Kat. Nr. 46 mit Abb.; Münster/ Bonn/ München 1986/ 1987 (Westf. Landesmuseum für Kunst u. Kulturgeschichte/ Städtisches Kunstmuseum Bonn/ Städtische Galerie im Lenbachhaus), August Macke, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Kat. Nr. 333 mit Abb. S. 409; Thun/ Bonn 2013/ 2014 (Kunstmuseum Thun/ August Macke Haus Bonn), August Macke und die Schweiz, Kat. Nr. 66 mit Abb. S. 82; Bonn/ München 1914/ 1915 (Kunstmuseum Bonn/ Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München), August Macke, Franz Marc, Eine Künstlerfreundschaft, Kat. Nr. 169 mit Abb. S. 272 ; Langjährige Dauerleihgabe im Kunstmuseum Bonn aus Privatbesitz (bis 2015)

Losnummer: 306


Literatur

Carl Bäufer, August Macke als Zeichner, in: Ausst. Kat. Münster 1957, S. 45 f.; Günter Busch, August Macke - Handzeichnungen, Mainz/Berlin 1966, S. 33, Kat. Nr. 46 mit Abb.; Frank Günter Zehnder, Ein neu entdecktes Portrait von der Hand August Mackes - zur Deutung von Mackes 'Abschied' im Museum Ludwig, in: Kölner Museums-Bulletin 1/1991, S. 11 mit Abb.; Dierk Stemmler, August Macke, in: Ausst. Kat. Die Rheinischen Expressionisten, August Macke und seine Malerfreunde, 1979, S. 268; Ina Ewers-Schultz, August Macke, Maler des modernen Lebens, in: Ausst. Kat. August Macke und die Schweiz, 2013/2014, vgl. S. 56 ff.

Die vielfach ausgestellte Kreidezeichnung "Spaziergänger unter Bäumen" von August Macke zählt zu den Spitzenblättern des zeichnerischen Spätwerks. Sie kombiniert nicht nur motivlich verschiedene Macke-typische Einzelmotive, die sehr bekannt sind, sondern weist in der klaren räumlichen Anlage und in der zeichnerischen Stilistik als Schwarz-Weiß-Blatt eine Qualität auf, die den Gemälden oder Aquarellen ebenbürtig ist. Vergleichbare späte Zeichnungen Mackes fand man ausgezeichnet durch eine letzte "Vereinfachung der Mittel", die "zu großangelegter bildhafter Wirkung" gelangt (Paul Vogt, Zum zeichnerischen Werk von Franz Marc und August Macke, in: Ausst. Kat. Pels-Leusden, Berlin 1977/1978, op. cit., S. 6). Obwohl im Nachlass-Stempel mit dem Eintrag "1912", gehört das Blatt nach Angaben der Werkverzeichnisbearbeiterin Ursula Heiderich nach "Motivbestand, Technik und Stil" ohne jeden Zweifel in die Hilterfinger Periode, die 1913/1914 eine ausserordentliche Werkdichte aufweist und einen besonderen Höhepunkt im Werk darstellt, unmittelbar vor der berühmten Tunis-Reise im Sommer des Jahres 1914.

Das erwähnte motivliche Repertoire der Zeichnung umfasst wie im Selbstzitat: das grosstädtische, elegante Paar, das Schaufenster-Motiv mit den spiegelnden Scheiben und der Hut-Auslage samt "Thuner" Markise, das Flanieren unter Bäumen sowie Figuren, die über ein Geländer oder eine Brüstung gelehnt, ruhig in der Aussicht und Schau auf eine unbestimmte Ferne begriffen sind. Die angedeutete, erhöhte Terrassenlage der Komposition erinnert einerseits an Topographisches der Wirklichkeit, etwa an Fribourg (vgl. "Kathedrale zu Freiburg in der Schweiz" 1914, Heiderich 548), andererseits hat das ausschauende männliche Paar an der Brüstung einen Bezug zu dem zuletzt entstandenen Gemälde Mackes, dem "Abschied" der Sammlung Haubrich, einer unvollendeten Figurenkompostion, in der zwei grosse gebeugte Rückengestalten nach rechts, vom Bildrand fragmentiert, dem Vordergrund ein formales wie symbolträchtiges Gewicht verleihen (vgl. Heiderich 590).

Bemerkenswert ist die räumliche Disposition der "Spaziergänger unter Bäumen", einer Zeichnung, die die Figurenpaare, wie in einem Dreiklang gestaffelt, in die Bildebenen von Vor-, Mittel-, und Hintergrund einfügt. Dabei sind klare Zwischenräume zwischen den Figuren gestaltet und freiräumlich geordnete Durchblicke gelassen. Die Komposition wird zudem gegliedert und gefasst durch die betonten Vertikalen, die im Hintergrund durch die vereinfachten architektonischen Umrisse der dargestellten Stadt ein horizontal gelagertes Gegengewicht erfahren. "Das Schaufenser fungiert nicht nur als Bildeinführung, sondern gibt dem räumlichen Kontinuum, das von rechts vorn nach links hinten verläuft, einen transparenten Beginn [...]", schrieb Dierk Stemmler und empfand, dass Macke den Raum "nicht allein perspektivisch", sondern "gestalthaft lebendig" organisierte (zit. aus Ausst. Kat. Bonn 1979, op. cit., S. 268) und eine Durchsichtigkeit wie Leichtigkeit gewährte, die nicht zuletzt durch zeichnerische Stilmittel wie den leichten Schraffurlagen im spiegelnden Schaufenster - die ganz abstrakt anmuten - erzielt ist oder durch die fedrige Linienführung in den dichten Baumkronen.

Die künstlerische Form und die Atmosphäre heben zugleich die Darstellung aus dem Konkreten ins Überzeitliche und Allgemeine."Das Blatt bewahrt einen hohen Eigenwert an graphischer Schönheit und birgt eine Skala verschiedenster Nuancen im Zeichnerischen, die den Gegenstand still machen. Die Figuren, die in ihrer statischen Abhängigkeit wie schwebend erscheinen, erwecken den Eindruck, als würden sie sich vollends in einem nicht mehr diesseitigen Dasein verwirklichen, als fänden sie in einem zunehmend von Licht erhellten Raum ihr reines Beieinander." (Carl Bäufer, Augsut Macke als Zeichner, in: Ausst. Kat. Münster 1957, op. cit. S. 46).


Veranstaltungshinweise:

Am 27.11.2015 Auktion 1059: Moderne Kunst


Schätzpreis: 150.000 - 200.000  EURO

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