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Chaim Soutine, Bildnis einer jungen Frau. Um 1929.

Chaim Soutine, Bildnis einer jungen Frau. Um 1929.

Öl auf Leinwand. Unten rechts signiert: Soutine.
44,5 x 36,8 cm.

Losnummer: 3257


Provenienz:
- Georges Renand (1949).
- Pers Galleries, New York (1950).
- Georges Schick, Paris.
- Perls Galleries, New York.
- Jacob Rosenberg, New York.
- Ben Heller, New York.
- Perls Galleries, New York.
- Dr. Harry Bakwin, New York (1967).
- Sotheby's Parke Bernet, New York, 20. Oktober 1976, Los 67.
- Privatbesitz Schweiz.

Ausstellungen:
- New York 1950, The Perls Galleries Collection of Modern French Paintings. Kat.Nr. 6, 27. Februar - 25. März / 27. März - 29. April 1950, Nr. 139.
- New York 1952, The Perls Galleries Collection of Modern French Paintings. Kat.Nr. 8, 3. März - 5. April / 7. April - 10. Mai, Nr. 176.
- Venedig 1952, XXVI Biennale, Nr. 15.
- New York 1953, The Perls Galleries Collection of Modern French Paintings. Kat.Nr. 9, 9. März - 11. April / 13. April - 16. Mai, Nr. 193.
- New York 1953, Perls Galleries, Nr. 18.
- New York 1954, The Perls Galleries Collection of Modern French Paintings. Kat.Nr. 10, 8. März - 10. April / 12. April - 15. Mai, Nr. 229.
- New York 1967, The Dr. and Mrs. Harry Bakwin Collection. Wildenstein & Co., 4. Oktober - 4. November, Nr. 46.
- New York 1973, Marlborough Gallery, Nr. 55 (mit Abb.).

Literatur:
- Offin, C.Z.: Pictures on Exhibit, 1953, S. 15 (mit Abb.).
- Negri, R.: L'Arte Moderna, 1967, Bd. 10, Nr. 90 (mit Abb.).
- Courthion, Pierre: Soutine. Peintre du déchirant, 1972, S. 268 (mit Abb.).
- Tuchman, Maurice/Dunow, Esti/Perls, Klaus: Chaim Soutine (1893-1943). Catalogue Raisonné Werkverzeichnis, Köln 1993, Bd. II, S. 698, Kat.Nr.129 (mit Abb. S. 700).

Chaim Soutine wird in einem litauischen Dorf bei Minsk geboren. Er wächst in einer armen jüdischen Familie auf, die seiner Leidenschaft für die Malerei nicht nur ablehnend gegenüber steht, sondern diese sogar mit Gewalt zu unterdrücken versucht. Dennoch beginnt er 1910 ein Studium an der Kunstakademie in Wilna und reist nach seinem Abschluss im Jahr 1913 nach Paris. Er wohnt in "La Ruche", dem baufälligen Atelierhaus, in dem u.a. auch Marc Chagall, Fernand Léger, Ossip Zadkine, und Alexander Archipenko leben und arbeiten. Er wird Schüler an der École des Beaux-Arts und ist voller Bewunderung für die Alten Meister, die er im Louvre studiert.
Er verbringt die ersten Jahre in bitterer Armut. Durch die Vermittlung seines engen Freundes Amedeo Modigliani lernt Soutine den Kunsthändler Léopold Zborowski kennen. Auf den Rat Zborowskis und mit dessen finanzieller Unterstützung geht Soutine 1919 nach Céret, einem Ort in den französischen Pyrenäen, nahe der spanischen Grenze. In den hier entstehenden Landschaftsbildern findet er zu einem wilden, erregten Expressionismus. In hektisch zuckenden und wirbelnden Pinselschlägen und glühenden Farbtönen entlädt sich in seinen Bildern die große emotionale Spannung, die den Künstler, bedingt durch seine Herkunft und seine Lebenssituation, bestimmt. Soutine kehrt mit über 200 Gemälden 1922 nach Paris zurück. Hier lernt er den amerikanischen Millionär und Sammler Albert C. Barnes kennen, der ihm 52 seiner Gemälde abkauft und Soutine über Nacht zu einem berühmten und wohlhabenden Künstler macht. 1927 werden seine Werke auf einer ersten Einzelausstellung in der Pariser Galerie Henri Bing gezeigt. Die öffentliche Wertschätzung Soutines erreicht ihren Höhepunkt, als 1928 die erste Soutine-Monografie und 1929 die Publikation von Elie Faure erscheinen. Mitte der 1930er Jahre ist er wiederholt auf Ausstellungen des New Yorker Museums of Modern Art vertreten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Lage für ihn als Jude in Paris immer prekärer, er muss sich auf dem Land verstecken, wechselt nun häufig die Unterkunft. Soutine stirbt 1943 während einer Operation an inneren Blutungen infolge eines Magengeschwürs.
Vor einem Gemälde Soutines stehend, erfährt man in ganz besonderer Weise die Aura des Originals. Denn seine Werke sind nicht nur durch das darstellende Bild, sondern auch gerade im Materiellen äusserst aussagekräftig. So glaubt man bei seinen Porträts wie dem unseren, man stünde tatsächlich vor einer Persönlichkeit. Das Gemälde selbst scheint zu leben und zeigt uns seine Lebensspuren. Es handelt sich um ein Stück Leinwand, beschnitten, doubliert, ja sogar zerschnitten. Was üblicherweise als Zustandsproblem zu gelten hat, ist bei Soutines Werken wesentlicher Bestandteil seiner Kunst, welche einzigartig das Defekte, das Wesentliche des Dargestellten ungeschminkt zeigt, gerade auch in dem Fragilen, Schwachen, Zerstörten, was vielen seiner Schöpfungen anhängt.
Kennt man die Arbeitsweise Soutines, so versteht man viele dieser Spuren, die uns eine extrem faszinierende Geschichte erzählen.
Von der Suche nach dem Motiv - er hält sich streng an die klassische Trias Landschaft, Stillleben, Porträt - bis zur Zerstörung vieler Werke ist der gesamte bildschaffende Prozess bei Soutine von einer intensiven Expressivität bestimmt. Dabei ist er aber keineswegs irrational oder wahnhaft, wie dies oft falsch dargestellt wird. Wenn, dann ist seine "Besessenheit", wenn man seinen malerischen Drang so nennen will, extrem zielgerichtet und konzentriert. Viele Anekdoten seiner Bekannten überliefern uns Eindrücke davon. In den 20er Jahren ist er auf der Suche nach einem mageren Huhn "mit langem Hals und blauer Haut", er lehnt das - von der offenkundigen Armut Soutines gerührte - Angebot eines Geflügelhändlers ab, der ihm ein Fettes Huhn geben wollte, und besteht auf eim möglichst elenden Exemplar. "Ich werde es mit einem Nagel aufhängen, in ein paar Tagen wird es genau richtig sein."
Auch bei der Suche nach Modellen zeigt sich seine energische Hartnäckigkeit. Es wird erzählt, dass Soutine einst von der Frau eines Kleinbauern so sehr begeistert ist, dass er diese inständig bittet sie porträtieren zu dürfen, und er lässt seine Freunde für seine Sittsamkeit bürgen. Als sie einwilligt, ist jedoch ihr Ehemann dagegen. Erst als er auch ihn tagelang anfleht und gar bedroht, willigt dieser ein, und so stand die Frau dem Künstler schliesslich doch zur Verfügung. Hat er dann das ersehnte Model an seinem Platz, starrt er es erst sehr lange an, bevor er einen Pinsel in die Hand nimmt. Er scheint jeweils auf denjenigen Augenblick zu warten, an dem er kein Hindernis mehr zwischen sich und der Erfahrung des zu Proträtierenden verspürt. Einer Entladung der gesammelten Energie gleich überträgt er nun in vollkommener Versenkung seinen unmittelbaren Bezug zum Gemalten auf die Leinwand. Dieser Schaffensdrang ist bei Soutine in jedem seiner Pinselstriche spürbar.
r wählt für seine Porträts bevorzugt ihm persönlich unbekannte Modelle, was ihm eine absolute objektive Sicht auf das Sujet selbst ermöglicht. Nur bedingt beeinflusst durch subjektive Erfahrungen, kann er sich so ganz auf die malerische Umsetzung konzentrieren. Dies wird gesteigert durch die Beschränkung auf wenige Kompositionsschemata: den Bildraum meist als Halb- oder Dreiviertelfigur fast ausfüllend, sitzen oder stehen seine Figuren vor einem kahlen Hintergrund, der bisweilen mit einem Stuhl oder Vorhang ausgestattet ist. Dem Betrachter gerade zugewendet, haben sie die Hände in den Schoß gelegt oder in die Hüften gestemmt.
Bei seinen Porträts kann Soutine, wie Tuchman es formuliert "die ganze Vielfalt der Farbe und Materie erforschen und so genau die Einzigartigkeit einer bestimmten Person festhalten" (Tuchman, Chaim Soutine, Catalogue Raisonné, Bd. II, Köln 1993, S. 520). Seine Formsprache, die eine sehr eigenartige Verzerrung des Dargestellten kennt, ist dabei auch im Genre des Porträts vorhanden, mal stärker mal schwächer. Neben dem offensichtlichen Einfluss des Expressionismus von van Gogh ist hierfür mit Sicherheit das andere grosse Vorbild von Soutine, El Greco, eine Inspirationsquelle. Als Porträtist schafft er so eine Einzigartigkeit, die wiederum Einfluss auf weitere grosse Maler ausübt. Eine solche Wirkung wurde jüngst erst durch die Gegenüberstellung bedeutender Werke Soutines mit jenen von Francis Bacon in der Helly Nahmad Gallery, New York, eindrucksvoll dokumentiert.


Veranstaltungshinweise:

Am 05.12.2014 bis 06.12.2014 Auktion Z37: Art Deco & Art Nouveau, Schweizer Kunst, Impressionismus & Klassische Moderne, PostWar & Contemporary, Moderne Graphik, Design


Schätzpreis: 350.000 - 800.000  SFR

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