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Maria Lassnig, Gegenüberstellung

Maria Lassnig, Gegenüberstellung, 1967

Öl auf Leinwand; 74 × 93 cm
Signiert und datiert rechts oben: Lassnig 67
Provenienz: Aus einer österreichischen Sammlung

Losnummer: 442


„Ein Körpergefühl ist optisch schwer zu definieren: wo fängt es an, wo hört es auf, welche Form hat es, rund, eckig, spitzig, gezackt?¬“, schreibt Maria Lassnig in einem Text aus dem Jahr 1982.1 Dieses Gefühl zu erforschen sei wie ein Umzäunen von Wolken, ein Feststecken von Nebelreichen, eine Mystik des Physischen. Für Lassnig ist es das große Lebensthema. Untrennbar scheint der Begriff der „Körperbewusstseinsmalerei“ mit ihrem Werk verbunden – eine Umschreibung, die sie selbst für ihre Selbstbildnisse, Porträts und Stillleben verwendet. Die Künstlerin betrachtet und beobachtet (meist) ihren eigenen Körper, seine Bewegung, seinen von ihm besetzten Raum und erweitert die physische Erscheinung um die Dimension des Empfundenen. Oft steht oder liegt sie mit geschlossenen Augen vor der Leinwand und hält, ganz auf sich selbst konzentriert, ihre Wahrnehmung mittels Formen und Farben fest: „Ich trete gleichsam nackt vor die Leinwand, ohne Absicht, ohne Planung, ohne Modell, ohne Fotografie, und lasse entstehen.“ Das einzig Reale seien ihre Gefühle, etwa ein Druckgefühl beim Sitzen und Liegen oder Spannungs- und räumliche Ausdehnungsgefühle – „ziemlich schwierig darstellbare Dinge“, wie Lassnig konstatiert.2 Noch schwerer als die graphische Darstellung des Körpergefühls empfindet sie aber dessen farbliche Umsetzung. Die „Körpergefühls-Farben“ werden spontan auf der Grundlage von Weiß gemischt: „Die Stirne bekommt eine Gedankenfarbe, die Nase eine Geruchsfarbe, Rücken, Arme und Beine Fleischdeckfarben; es gibt Schmerzfarben und Qualfarben (…), Quetsch-und Brandfarben, Todes- und Verwesungsfarben, Krebsangstfarben – das sind Wirklichkeitsfarben.“3

Neben die Konzentration auf ihrem eigenen Körper lenkt Lassnig die Aufmerksamkeit auch immer wieder auf ein kollektives Körperbewusstsein und erschafft phantastische Tier-, Mensch- und Maschinenwesen. In „Gegenüberstellung“, einem Werk, das kurz vor Ihrer Auswanderung nach Amerika entstand, sind dicht am Bildrand zwei Rückenfiguren zu sehen. Eine weiße, roboterähnliche Gestalt versucht ihren Arm um eine fleischige rötliche zu legen. Die türkis-teppichartige Fläche im Hintergrund lässt an eine Landschaft, einen See, einen Fluss denken. Doch von lieblicher Romantik gibt es keine Spur. Schlangenartig streckt die rote Figur ihrem kalten Gegenüber eine giftgrüne Zunge entgegen. Große Wirkungskraft und spannungsvolle Dynamik entfaltet das Bild auch durch den Gegensatz von malerischer Verdichtung und unbearbeitetem weißem Freiraum. Was als Deformierung der Realität erscheint ist keine, die malerische Realität findet auf einer Gefühlsebene statt. Dabei ist Lassnig schonungslos. In einem mutigen Akt der Selbstdarstellung und Entblößung zeigt sie uns ihre Sehnsüchte und Wünsche, besonders aber auch ihre Ängste und ihr Leiden. (Günther Oberhollenzer)

1 Maria Lassnig, Über das Malen von Körpergefühlen, in: Maria Lassnig, hrsg. Von Wolfgang Drechsler im Auftrag des Museums moderner Kunst und der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, Ritter Verlag, Klagenfurt 1985, S.70.
2 Ebd. S. 79.
3 Ebd. S. 71.


Veranstaltungshinweise:

Am 25.11.2014 bis 27.11.2014 103. Auktion "Erlesene Kunstwerke"

Maße: 74 × 93 cm

signiert datiert


Schätzpreis: 120.000 - 180.000  EURO

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