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Nove Novos – Emerging architects from Brazil

Rodrigo Cerviño Lopez, Adriana Varejão Galerie, Inhotim 2004-2008

Junge Architekten prägend das Bild Brasiliens

Am Ende der 1950er Jahre schrieb sich Brasilien mit dem Bau einer neuen Hauptstadt die Moderne auf seine Fahnen. Die institutionellen Gebäude Brasílias im Stil einer heroischen, tropischen Moderne entwarf der spätere Pritzker-Preisträger Oscar Niemeyer. Die Marken-zeichen dieser Moderne waren große Linien, außergewöhnlich mutige Konstruktionen mit weiten Auskragungen in Beton und sinnlich schwingende Formen.

Die wirtschaftliche und politische Stabilität des Landes am Beginn des neuen Jahrtausends lenkte die Aufmerksamkeit Europas erneut auf Brasilien. Kurz vor der Austragung zweier bedeutender Sportereignisse – die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die olympischen Spiele 2016 – fragt sich die internationale Architekturszene: Was machen eigentlich die jungen brasilianischen Architekten?

Nove Novos stellt Positionen der jüngsten Generation brasilianischer Architekten vor. Für sie bedeutet die wirtschaftlich dynamische Gegenwart Brasiliens die Chance, viel zu bauen und damit das Land – vielleicht erstmalig nach Niemeyer – entscheidend zu prägen. Die jüngsten der vorgestellten Architekten sind noch keine 30 Jahre alt, fast alle unter 40. Doch das gebaute Werk, das viele von ihnen bereits aufweisen können, ist nicht nur hinsichtlich der Anzahl der Projekte, sondern auch hinsichtlich des Maßstabs erstaunlich groß. Die präsentierten Arbeiten - private Wohnungsbauten, Verwaltungsbauten, Sportstätten, Gewerbebauten bis hin zu Museen - beweisen, dass auch die junge brasilianische Architektur längst Weltniveau erreicht hat. Ein besonderes Augenmerk wird im 2. Obergeschoss auf das Gartenreich Inhotim im Bundesstaat Minas Gerais gerichtet.


Projekte in der Ausstellung

Inhotim, Minas Gerais

In dem kleinen Ort Brumadinho in unmittelbaren Nachbarschaft von Belo Horizonte/Minas Gerais, liegt das in die wunderbare Landschaft eingebettete Museum für Gegenwartskunst Inhotim. Das von Bernardo Paz, einem Eisenerzmagnaten, initiierte Projekt, in das dieser 250 Mio. Dollar investiert hat, beherbergt eine Sammlung brasilianischer und ausländischer zeitgenössischer Kunst. Die Kunst wird eingebettet in eine üppige Gartenlandschaft in einem Ensemble von kleineren Ausstellungsgebäuden präsentiert.

Die Architektur war ursprünglich nicht Teil der Szenerie, die Kunstwerke wurden in schlichten Lagerhäusern gezeigt und aufbewahrt. Dies veränderte sich, als der Sammler Adriana Varejão, eine der bekanntesten brasilianischen Künstlerinnen, einen eigenen Pavillon in Inhotim anbot. Er gewährte ihr absolute Freiheit, was die Wahl des Architekten für das Gebäude betraf. Den Auftrag erhielt Paula Zasnicoff Cardoso, 29. Cardoso arbeitete drei Jahre in Inhotim. In dieser Zeit widmete sie sich neben der Erledigung technischer Auftragsarbeiten (wie dem Entwurf von Ausstellungsarchitekturen) verschiedenen Projekten wie der Umwandlung der alten Schreinerei in einen Ausstellungsraum, der Verlegung des »Magic Square« (1977) von Hélio Oiticica und sie unterstützte Valeska Soares bei »Folly« (2005) und Rivane Neuenschwander bei »Continente/nuvem« (2008). Gemeinsam mit dem Kolumbianer Carlos Granada hat sie die Doris Salcedo Galerie (2006-2008) gestaltet, in dem sich die Arbeit »Neither« (2004) befindet. Cardoso hat überdies an der Gestaltung der Pavillons von Matthew Barney und Doug Aitken mitgewirkt.

2006-2009 gestaltete sie mit ihrem Ehemann Alexandre Brasil – einem Partner von Arquitetos Associados aus Belo Horizonte – das Burle Marx Bildungszentrum für Inhotim. Zwei Jahre später wurde Arquitetos Associados mit der Entwicklung eines ganzen Projektpakets beauftragt, das die Miguel Rio Branco Galerie (2008-2010), die Cosmococas Galerie (2008-2010) und die Grande Galerie (2008-2013) umfasst.

Im September 2012 wurde die, von Rizoma gestaltete, Tunga Galerie (2011-2012) eröffnet. Nach ihren Auslandsstudien hatten Thomaz Regatos, 32 und die Nichte von Bernardo Paz, Maria Paz, mit 26 Jahren die jüngste Architektin der »Nove Novos«, verschiedene kleinere Aufträge, wie Sanitäranlagen und Snack Bars, erhalten. Daraufhin gründeten sie 2008 Rizoma. Mittlerweile haben sie neben einer weiteren Galerie auch den dortigen Pflanzenladen(2009-2010) und das Restaurant Oiticica (2010) fertiggestellt. Gegenwärtig arbeiten sie am Master Plan und einem Pavillon für den deutschen Lichtdesigner Ingo Maurer.


Arquitetos Associados
Burle Marx Bildungszentrum (2006-2009) Brumadinho, MG

Das Burle Marx Bildungszentrum befindet sich ganz in der Nähe des Eingangs von Inhotim. Das eingeschossige Ausbildungszentrum auf U-förmigen Grundriss verfügt über Bibliotheken, Ateliers und einen Hörsaal mit 210 Sitzen. Auf dem Dach befindet sich auf einem erhobenen Platz mit einem bepflanzten und reflektierenden Pool die Arbeit »Narcissus Garden Inhotim« (2009) des japanischen Künstlers Yayoi Kusama. 500 Edelstahlkugeln schwimmen auf der Oberfläche des Pools und bewegen sich mit dem Wind.


BCMF Arquitetos
Nationales Schiesssportzentrum – PAN 2007 (2005-2007) Rio de Janeiro, RJ

Das Sportzentrum wurde für die Panamerikanischen Spiele 2007 in Rio de Janeiro errichtet. Hier fanden Reitsportveranstaltungen, Schießen und Bogenschießen, Hockey und Fünfkampf statt. Die permanenten Teile des Sportzentrums – wie das Schwimmbecken und der Hockeybereich – werden seit Ende der Spiele von Sportvereinen genutzt. Die fünf Zentren erhalten ihre Struktur durch einen Mix aus Ortbeton, Fertigbeton und Metall.


Carla Juaçaba
Humanidade 2012 Pavillon (2011-2012) Rio de Janeiro, RJ

Dieser temporäre Pavillon wurde für Veranstaltungen gebaut, die parallel zur internationalen UN Rio +20 Konferenz im Juni 2012 stattfanden. Die Architektin Carla Juaçaba verwendete für die Konstruktion die Module und Stangen von Gerüsten, die häufig für die Dach- und Bodenkonstruktionen von zeitlich befristeten Events eingesetzt werden. Das Gerüst diente hier jedoch nicht als Stützkonstruktion eines Zeltes, sondern formte auf der Länge von 170 Metern, 40 Metern Breite und 20 Metern einen gewaltigen hohlen Pavillon. Zwischen den lastentragenden Gängen wurden an den längeren Seiten auf drei Ebenen geschlossene Kästen für Veranstaltungen installiert. Diese wirkten als würden sie schweben. Sie boten Raum für Ausstellungen, Begegnungszonen, eine Gastronomieebene, einen Veranstaltungssaal und einen 10 Meter hohen Hörsaal mit 500 Sitzplätzen. Ein kleinerer Hörsaal bot Ausblick auf das Meer. In den Zwischenräumen wurden die Zugangsrampen installiert, von denen die Besucher den Ausblick auf die Landschaft genießen konnten.

Rizoma
Lygia Pape Galerie (2010-2012) Brumadinho, MG

Die Galerie in Inhotim wurde eigens für »Ttéia1C« (2002), eine raumgreifende Installation aus gebündelten Goldfäden, die in verschiedenen Winkeln zwischen Decke und Boden gespannt sind, von Lygia Pape (gest. 2004) errichtet. Die Inszenierung in einem abgedunkelten Raum lässt die Drähte schwebend erscheinen. Ein wichtiger Aspekt in der Gestaltung war, dass die Architektur im Hintergrund tritt, um nicht vom eigentlichen Kunstwerk abzulenken. Der Pavillon steht auf einem kleinen Plateau, das sich hoch oben an einem Steilhang verbirgt. In Bezugnahme auf Papes Installation lässt der in sich gedrehte Betonkubus ein Gefühl von Bewegung entstehen, sodass die seitlichen Fassaden je nach Perspektive ganz unterschiedlich erscheinen.


Corsi Hirano ArQuitetos
TRT Landesarbeitsgericht (2007-2012) Goiânia, GO

Das Konzept des Landesarbeitsgericht Goiás sieht ein schwarzes und ein weißes Gebäude vor, die durch einen erhöhten öffentlichen Platz verbunden sind, über dem sich die ovale Kuppel des Plenarsaals erhebt. Der erste Teil des Komplexes beherbergt den Gerichtshof , der 2012 eröffnet wurde. Der geradlinige Monolith verkörpere die Neutralität eines demokratischen Raums, so die Architekten. Am Tag hat das Gebäude eine massive Anmutung, in der Nacht ähnelt es einem Kristall. Die dunkle Farbe resultiert aus einer Außenhaut aus Siebdruckglas, welches Schutz vor Sonneneinstrahlung bietet. In einem zweiten Bauabschnitt, der noch aussteht, wird der weiße Gebäudekorpus für die Berufungsrichter, Richter und Staatsanwälte entstehen.


Jacobsen Arquitetura
ML Residenz (2008-2010) Porto Feliz, SP

Dieses Wochenendhaus in Porto Feliz wurde für ein Paar mit kleinen Kindern gebaut. Das architektonische Konzept ist äußerst klar: Ein quadratischer Grundriss mit Seitenlängen von 30 Metern schafft eine gebaute Wohnfläche von ungefähr 900 Quadratmetern. Das Gebäude ist vom Boden etwas abgehoben und in der Mitte mit einem quadratischen Innenhof versehen. Dieser lässt natürliches Licht einfallen und sorgt für eine kühlende Brise. An der Nordseite befinden sich Wohn- und Esszimmer, die sich zum Garten und Pool hin öffnen. Die Schlafräume sind im östlichen Gebäudeteil untergebracht, im Westen die Versorgungsräume und im Süden, zur Straßenseite, ein Home-Entertainment-Raum.


Metro Arquitetos Associados
Nestlé Schokoladenmuseum (2009-2011) Caçapava, SP

Die Nestlé Fabrik in Caçapava wurde in den 1970er Jahren von Maurício Kogan entworfen. Das Museum dokumentiert den Herstellungsprozess der Schokolade in einem Besucher-rundgang. Zwei Stahltürme, die mit rotem Mehrschichtglas und Lochblechsichtschutz verkleidet sind, markieren Anfang und Ende des neuen Besucherrundgangs. Die architektonischen Eingriffe sind in der Unternehmensfarbe Rot gehalten. Die Türme sind mit der Fabrik durch einen mit Lochblechen verkleideten Laufsteg verbunden, der eine Werksstraße überspannt. Der Rundgang innerhalb des Gebäudes besteht aus zwölf Bereichen (entsprechend den Produktionsschritten) die durch eine eigene Farbe, Klang und Kulisse gekennzeichnet sind.


Nitsche ArQuitetos Associados
João Moura 1144 Bürogebäude (2008-2012) São Paulo, SP

Das Bürogebäude im Westen von São Paulo wurde auf einem Grundstück errichtet, das aufgrund seiner Lage zwei Gebäudefronten aufweist und zudem einen Höhenunterschied von 14 Metern überbrückt. Dies erklärt die ungewöhnliche Bauform des Gebäudes, das im Prinzip auf Stützen angehoben ist und mit einem offenen Geschoss beginnt. Die seitlichen Fassaden sind abwechselnd mit verglasten Öffnungen und farbigen laminierten Platten versehen. Diese verleihen dem Gebäude eine horizontale Struktur, während die 70 cm starken Stützen mit Spannweiten von 5 und 7,5 Metern von der Fassade zurückversetzt sind.

Studio Paralelo
Hauptsitz CREA-PB (2010-2013) Campina Grande, PB

Der Entwurf ging als Sieger aus einem öffentlichen Architekturwettbewerb für die neue Zentrale von CREA, dem brasilianischen Berufsrat für Ingenieurwesen hervor. Die Aus-schreibung machte zwei Vorgaben: Das Gebäude sollte nachhaltig sein und eine Fläche von 600 Quadratmetern nicht überschreiten. Die gebaute Zentrale hat einen rechteckigen Grundriss und erstreckt sich über drei Etagen. Das grüne Dach stellt einen natürlichen Puffer dar, der die massive Sonneneinstrahlung reduziert. Außerdem dient es als Regenwasser-kollektor für die Bewässerungssysteme und als Löschtank. Im Inneren sind die Räume so strukturiert, dass Freiflächen und Innenhöfe entstehen, die das Gebäudeinnere mit natürlichem Licht und Luft versorgen.

Veranstaltungen zum Bericht:
Nove Novos - Neun Neue. Emerging Architects from Brazil

Quelle: © Deutsches Architektur - Museum Frankfurt

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