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Mammutschau zeigt Leistungen der Archäologie in Deutschland

Keineswegs antiquiert



Berliner Goldhut

Berliner Goldhut

Zu keiner anderen Wissenschaft scheint es ein ambivalenteres Verhältnis zu geben als zur Archäologie. Einerseits erfreuen sich Fachpublikationen hoher Auflagen, Fernsehreportagen belegen großes Interesse, archäologische Ausstellungen sind wahre Publikumsrenner. Die archäologische Denkmalpflege steht zwar formal gleichberechtigt neben der Baudenkmalpflege, die aber in der Praxis einer wesentlich exponierteren Öffentlichkeit ausgesetzt ist. So nimmt es nicht Wunder, dass die Wissenschaft „Archäologie“ abseits von Sensationen eher als angestaubt und antiquiert gilt.



Dieser gruftartige Duktus wird im zentralen Lichthof des Berliner Martin-Gropius-Baus aufgegriffen, der zur Zeit Ort der Leistungsschau zur Archäologie in Deutschland ist. Im abgedunkelt inszenierten Ambiente demonstrieren 3.000 Archivkästen mit archäologischem Fundgut aus allen Bundesländern landkartenartig den umfassenden Anspruch archäologischer Denkmalpflege. Sachsen präsentiert sich als weiß schimmerndes Porzellangebiet. Anhand torfdunkler Stücke ist Mecklenburg-Vorpommern zu erahnen. Vitrinen mit herausragenden Einzelfunde von landesweiter Bedeutung aus den einzelnen Ländern im Hofumgang sollen die Kulturhoheit der Länder versinnbildlichen und stehen für das föderale Prinzip und den nationalen Anspruch gleichermaßen. Schuhförmige antike Gläser aus dem römischen Köln, keltische Halsringe aus Baden-Württemberg oder ein spätmittelalterlicher Silberschatz aus dem Erfurter Getto stimmen auf den Rundgang durch 20 Themenräume ein.

An der Stelle einer Länderpräsentation wurde zur Vermeidung von Dopplungen ein chronologischer Rundgang konzipiert, in dem die für eine Epoche herausragenden, die Forschung maßgeblich beeinflussten Objekte ausgestellt werden. Die Funde wurden von den Ausstellungsarchitekten in atmosphärisch gestaltete, akustisch untermalte Raumbilder integriert, um so einen Supermarkt der Fülle zu verhindern, zu dem die rund 7.000 Exponate durchaus animieren könnten.

Highlights leiten den Besucher von Raum zu Raum. Die der Ahnenverehrung dienende, nahezu zwei Meter hohe Statue eines keltischen Kriegers mit einer sogenannten Blattkrone wurde in einem Fürstensitz mit Heiligtum in den Jahren 1994-97 im Hessischen Glauberg ausgegraben und begrüßt den Eintretenden. Von drei weiteren konnten nur noch Bruchstücke dieser 2500 Jahre alten Relikte geborgen werden. Aus der Eisenzeit stammen die Funde einer fürstlichen Grabkammer in Hochdorf bei Ludwigsburg, die 1978/79 entdeckt wurde. In der geräumigen, unberührt gebliebenen Gruft befanden sich die auf einer rollbaren Bronzeliege aufgebarten sterblichen Überreste eines etwa 40jährigen Mannes, der mit allem, was den fürstlichen Rang und das höfische Ambiente seiner Zeit ausmachte, um 550 vor Christus bestattet worden war. Neben Trinkhörnern und Goldschmuck stand der große, vierachsige, mit Eisenblech und Ziernieten überzogene Wagen.

Über Funden aus der Bronzezeit mit dem berühmten 3000 Jahre alten "Berliner Goldhut", eine vermutlich für Zeremonien benutzte Kopfbedeckung, der Darstellung der Unterwasserarchäologie am Beispiel der Pfahlbauten im Bodenseegebiet gelangt man zum Neandertaler. Die perfekt erscheinenden Nachbildungsversuche der plastischen Chirurgie veranschaulichen den Wandel der archäologischen Untersuchungsmethoden. Der Spaten hat fast ausgedient. Neueste Hightech-Methoden von der DNA-Analyse bis hin zu Satellitenaufnahmen erlauben immer präzisere Datierungen und Deutungen. Die enormen Fortschritte in den Naturwissenschaften kommen auch der Archäologie zu Gute. Denn von der zwingenden interdisziplinären Zusammenarbeit hängen ganz grundlegende Erkenntnisse ab.

Dies gilt auch für die Glanzpunkte aus der urgeschichtlichen Zeit, wie Fossilien und Versteinerungen etwa aus der weltberühmten Grube Messel mit präparierten Krokodilen und Urpferdchen in Ölschieferplatten. Vom Auftreten des Menschen und seinen ersten Waffen, wie den Speeren von Wederath, reihen sich wegweisende Exponate der Römerzeit, aus der Stadt- und Mittelalterarchäologie bis hin zu neuesten Funden aus der jüngeren Geschichte Berlins aneinander. Dazu zählt das ausgestellte Besteck und Geschirr aus dem Fahrerbunker der Hitlerschen Reichskanzlei mit ihren illuminierten Wandmalereien im Stile ideologischer Propagandakunst.

Zu den ganz wesentlichen Entdeckungen der letzten Jahre zählt die ab 1989 mögliche Lokalisierung der Varusschlacht bei Kalkriese im 9. Jahrhundert vor Christus, in der auch der Träger einer beeindruckenden römischen Gesichtsmaske getötet wurde. Die vielen Höhepunkte lassen leicht vergessen, dass erzwungene Notgrabungen den Archäologenalltag beherrschen, um intensiven landwirtschaftlichen Nutzungen, Straßen- und Gebäudeprojekten zuvor zu kommen. Nur fünf Prozent, so wird geschätzt, können ergraben und dokumentiert werden. Der Ausstellungsort, der Martin-Gropius-Bau, in dem bis 1939 das Museum für Vor- und Frühgeschichte beheimatet war und der mit dieser Ausstellung nach über 60 Jahren erneut zum Ort einer Leistungsschau deutscher Archäologie wurde, gilt somit selbst als größtes Exponat.

Nach der "Griechischen Klassik" und den "Hethitern" ist diese Schau schon die dritte archäologische Ausstellung an diesem Ort in kurzer Folge. Allerdings verfolgen die Veranstalter jetzt das Ziel, für mehr Akzeptanz und Sympathie dieser exotischen Wissenschaft zu werben. Die seit 1995 laufenden Vorbereitungen unter vereinten Kräften aller Bundesländer mit 120 beteiligten Archäologen, über 100 Leihgebern auf einer über 2.500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche und vier Wochen Aufbauzeit haben ein einmaliges Ergebnis zustande gebracht. Es bleibt spannend zu beobachten, wie in der zweiten Station, der Bonner Bundeskunsthalle, die allzu starre, kojenartige Separierung aufgelockert und wichtige Stücke weniger versteckt präsentiert werden auch unter dem Gesichtspunkt der Herstellung von Bezügen. Die ganz offensichtlichen Korrespondenzen zur zeitnahen Kunst von Giacometti bis Penck lassen sich im Rheinland ohnedies leichter herstellen und werden die Prägnanz des Altertums in der Kunst der Jetztzeit hier mehr verdeutlichen.

Die Ausstellung „Menschen Zeiten Räume - Archäologie in Deutschland“ läuft noch bis zum 31. März. Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog kostet in der Ausstellung 24,90 Euro.

Kontakt:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstraße 7

DE-10963 Berlin

Telefon:+49 (030) 25 48 60

Telefax:+49 (030) 25 48 61 07

www.archäologie-in-deutschland.de



05.02.2003

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Gesichtsmaske von Kalkriese
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Statue eines frühkeltischen Kriegers vom Glauberg
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Brunnen von Erkelenz-Kückhoven
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Grabbeigaben aus dem frühmittelalterlichen Friedhof von Lauchheim
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Liegebett aus dem keltischen Fürstengrab von Hochdorf
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Statue eines frühkeltischen Kriegers vom Glauberg

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Grabbeigaben aus dem frühmittelalterlichen Friedhof von Lauchheim

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Liegebett aus dem keltischen Fürstengrab von Hochdorf

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Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel im Lonetal

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Urpferdchen aus der Grube Messel

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Grabbeigaben des Verstorbenen von Gommern

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