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Thuar und Macke in Stade

Hans Thuar, Blühende Obstbäume (Endenich), 1911

Unter dem Titel „Ziemlich beste Freunde“ präsentiert das Kunsthaus Stade ab diesem Wochenende eine Schau zu Hans Thuar und August Macke und stellt darin das Leben und Werk zweier expressionistischer Künstler in den Mittelpunkt, die durch eine enge Freundschaft miteinander verbunden waren. Es ist der Kuratorin Ina Ewers-Schultz zu verdanken, dass sie neben dem bekannten Macke mit Thuar einen Künstler würdigt, der beinahe in Vergessenheit geraten ist. Dazu hat Ewers-Schultz Werke aus allen Schaffensphasen des 1887 in Treppendorf im Spreewald geborenen Künstlers zusammengetragen, überwiegend Gemälde, aber auch kunsthandwerkliche Arbeiten und Zeichnungen. Viele davon stammen aus dem Nachlass und sind erstmals zu sehen. Im Dialog mit den Arbeiten von August Macke zeigen sich einerseits Parallelen in der Kunstauffassung, andererseits tritt Thuar als eigenständige Künstlerpersönlichkeit in Erscheinung.

Thuars Familie siedelte 1892 nach Köln über. Einige Jahre später freundeten sich die Nachbarsjungen in Köln an. Die beiden tobten sich nicht nur bei ihren Spielen im Neubaugebiet am Kölner Strandrand aus, sondern waren auch fasziniert von den japanischen Holzschnitten, die Thuars Vater in seiner Grafiksammlung verwahrte. „Wir saßen – wir wilden, wilden Jungens – vor diesen unglaublich subtilen Reisblättern [...] und waren begeistert, erschüttert und so andächtig, wie uns noch keine Kirche je gesehen hatte“, erinnerte sich Thuar. Zwischen den beiden entwickelte sich eine besondere Beziehung, die sich durch Thuars Unfall und seine folgende Invalidität – er verlor bei einem Straßenbahnunglück beide Beine – noch verstärkte. Durch seinen Humor gab Macke dem Freund den Lebensmut zurück. „Damals erfand er das Karikaturenzeichnen, ich mußte doch lachen, ich sollte doch um jeden Preis lachen!“, so Thuar.

Nach Mackes frühem Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg setzte Hans Thuar den Kontakt mit Mackes Frau, seinen Söhnen und seinem Freundeskreis fort. In den 1920er Jahren malte er expressive, leuchtend farbige und eigenständige Kompositionen, meist Naturvisionen, in denen er „seine Seele ausgießen konnte“. Inflation und Wirtschaftskrise brachten Thuar und seine fünfköpfige Familie immer wieder an den Rand des Existenzminimums. Kunsthandwerkliche Arbeiten, selbst entwickelte Salben und Cremes, der Betrieb einer Tankstelle und eines Cafés und schließlich die Eröffnung eines Holzladens trugen zum Lebensunterhalt bei. Seine Behinderung machte Thuar oftmals körperlich wie seelisch zu schaffen. Mit der Heirat von Mackes Sohn Wolfgang und Thuars Tochter Gisela an Weihnachten 1937 wuchsen die beiden Künstlerfamilien endgültig zusammen. Im Oktober 1944 wurde sein Haus in Ramersdorf bei Bonn zerstört. Die Familie wurde daraufhin nach Thüringen evakuiert, wo Thuar einige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Bad Langensalza starb.

Die Ausstellung „Ziemlich beste Freunde. Hans Thuar & August Macke“ läuft vom 19. September bis zum 10. Januar 2021. Das Kunsthaus Stade hat dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, mittwochs von 10 bis 19 Uhr und samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei.

Kunsthaus Stade
Wasser West 7
D-21682 Stade

Telefon: +49 (0)4141 – 79 773 20
Telefax: +49 (0)4141 – 79 773 99

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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19.09.2020, Hans Thuar und August Macke. Ziemlich beste Freunde

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Kunsthaus Stade

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Zeichnung

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Moderne Kunst

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Expressionismus

Bericht:


Zweiseeleneins

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Hans Thuar, Große Giebelhäuser, 1938








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