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Daniel Spoerri feiert 90. Geburtstag

Daniel Spoerri setzt seine Skulptur „Python mit Tigerkopf“ zusammen

Heute wird Daniel Spoerri 90 Jahre alt und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Als Erfinder der Eat Art und als Mitbegründer der losen Gruppierung Nouveau Réalisme zählt er zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten seit dem Zweiten Weltkrieg. Dabei ist der Schweizer nicht nur bildender Künstler, sondern auch Tänzer, Pantomime, Regisseur und Fotograf, nahm an der Fluxus-Bewegung teil und hat sich auch mit Konkreter Poesie beschäftigt.

Daniel Spoerri kam als Sohn eines norwegischen evangelischen Missionars am 27. März 1930 in Rumänien unter dem Namen Daniel Isaac Feinstein zur Welt. Nachdem sein Vater im Sommer 1941 von rumänischen Faschisten ermordet wurde, floh Spoerris Mutter mit ihren sechs Kindern zu ihrer Familie in die Schweiz. Dort wurde er von seinem Onkel Theophil Spoerri, dem Rektor der Universität Zürich, adoptiert. Nachdem er eine kaufmännische Lehre abgeschlossen hatte, arbeitete er unter anderem als Buchhändler und Obstverkäufer, bis ihm der ehemalige Ballettmeister des Berliner Staatstheaters, Max Terpis, eine Ausbildung zum Tänzer empfahl. So studierte Spoerri schließlich von 1949 bis 1954 klassischen Tanz und Pantomime in Zürich und Paris. Zurückgekehrt in die Schweiz, erhielt er ein Engagement als Solotänzer am Stadttheater Bern, wo er Stücke von Eugène Ionesco und Pablo Picasso aufführte. 1957 zog es Spoerri als Regieassistenten von Gustav Rudolf Sellner an das Landestheater Darmstadt.

1959 begann Daniel Spoerri sein Schaffen als bildender Künstler. Er ging erneut nach Paris und traf dort auf Jean Tinguely, Arman und Yves Klein, mit denen er erste Multiples in der legendären „Edition MAT“ herausgab. In der französischen Metropole stieg er zum Pionier des Nouveau Réalisme auf, einer neuen Kunstrichtung, die unter Zuhilfenahme von Alltagsgegenständen die Realität in die Kunstwelt holte. Die aus banalen Gegenständen geformten Arbeiten Spoerris zogen neben Kritik, Spott und Häme auch Staunen und Interesse auf sich. Bis in die Gegenwart ist der Umgang mit vorgefundenen Situationen und Materialien zentrales Thema seines Schaffens. Am 27. Oktober 1960 gründeten Spoerri, Tinguely, Arman, François Dufrêne, Raymond Hains, Yves Klein, Jacques de la Villeglé, Martial Raysse und Pierre Restany die Gruppe Nouveau Réalisme. In dieser Zeit schuf Spoerri seine ersten „Tableaux pièges“. Die Objektkunstwerke sind meist Überbleibsel einer Mahlzeit, die er mit Kunstharz auf einer festen Unterlage fixierte und an die Wand hängte. Sie sind auch als „Fallenbilder“ bekannt, da in ihnen wie in einer Falle ein Stück Realität gefangen ist.

1961 war Daniel Spoerri in der Ausstellung „The Art of Assemblage“ im New Yorker Museum of Modern Art vertreten. Zwei Jahre später begründete er in der Galerie Dorothea Loehr in Frankfurt am Main das „Dorotheanum – gemeinnütziges Institut für Selbstentleibung“ und nahm auch am „Festum Fluxorum Fluxus“ in der Düsseldorfer Kunstakademie teil. In der Stadt am Rhein eröffnete Spoerri 1968 mit dem Wirt Carlo Schröter das „Restaurant der Sieben Sinne“, das er vier Jahre lang führte. Dort fanden unter anderem Performances mit Joseph Beuys, Robert Filliou, Dieter Roth, Ben Vautier und Emmett Williams statt, die dann in die Eat Art Gallery mit den Eat Art-Banketten übergingen. Zudem gab Spoerri damals die Eat Art-Edition heraus. 1978 folgte der Künstler einem Ruf nach Köln und wurde Professor für „Dreidimensionale Gestaltung“ an der Werkschule. In Köln gründete er das „Musée Sentimental“, in dem nicht mehr nur historisch bedeutende Ausstellungsstücke gezeigt wurden, sondern insbesondere Alltagsgegenstände oder persönliche Erinnerungsstücke, die einen Bezug zum Thema hatten. Auf diese Weise revolutionierte Spoerri die Gestaltung von Ausstellungen und machte das Abstraktum Geschichte für die Besucher subjektiv nachvollziehbar.

Von 1983 bis 1989 lehrte Daniel Spoerri an der Akademie der bildenden Künste in München. 2001 organisierte das Museum Tinguely in Basel eine Retrospektive seines Werkes. Seit 2007 lebt und Arbeitet Spoerri in Wien, wo er 2012 eine Ausstellung im Naturhistorischen Museum realisieren konnte, dafür in einen Dialog mit den Objekten des Hauses, aber auch mit den Mitarbeiter eintrat und zusammen mit eigenen Werken aus allem eine zeitgenössische Wunderkammer kreierte. Seine damals geschaffene Arbeit „Python mit Tigerkopf“ ist noch immer im Schlangensaal des Museums zu sehen. Über das Skelett einer Tigerpython ohne Schädel montierte Spoerri anstelle des fehlenden Kopfes den Schädel eines Tigers, der dabei ist, ein bunt schillerndes Vögelchen zu verschlucken. Bis zum Januar 2020 lief in der Wiener Galerie Krinzinger eine Ausstellung unter dem Titel „Eintagskästchen“. Präsentiert wurden Collagen und Assemblagen aus Gegenständen, die Spoerri zumeist auf Flohmärkten gefunden hatte. Wie so oft in seinem 60 Jahre umfassenden Schaffen schuf Spoerri dabei Neues, indem er die Objekte neu arrangierte und ihnen eine bis dahin ungekannte Bedeutung zukommen ließ.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maximilian Nalbach

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