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Ein Echo der Antike in München

Hans Thoma, Apollon und Marsyas, 1886

Wie das Altertum mit seiner Kunst, seiner Mythologie und seinen Gestalten Einfluss auf nachfolgende Epochen ausgeübt hat, macht ab heute eine Ausstellung in München deutlich, für die sich die Kunsthändler Eric Meletta, Klaus Spindler und Alexander Kunkel zusammengetan haben. Die drei Spezialisten haben aus ihren Bereichen eine Auswahl an 40 Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Kunsthandwerk sowie Einrichtungsgegenständen zusammengestellt, die mit dem Klassizismus und der Euphorie für die Antike um 1770 beginnt und mit Objekten aus dem Neoklassizismus um 1940 endet. Die Maler, Bildhauer und Architekten der Kunstwerke sahen die Antike, die ihnen als unumstrittenes Zeitalter des Schönen galt, dabei als Vorbild und Interpretationsfolie ihres eigenen Tuns an.

Eric Meletta wartet etwa mit einer 116 Zentimeter hohen Bronzestatue der Göttin Artemis auf, die um 1810 in Rom nach dem Original aus dem Museo Archeologico Nazionale gegossen wurde. Stattliche Kopien wie diese wurden im Zuge der Antikenverehrung im 18. und 19. Jahrhundert als Ausdruck einer Geisteshaltung und als Teil eines architektonischen Konzepts in Haus und Garten integriert. Auch die Paraphrase des berühmten Pferdekopfes, der mit anderen Kunstwerken des Parthenons als sogenannte „Elgin Marbles“ ins British Museum gelangte, dürfte eine ähnliche Funktion eingenommen haben. Der Gipskopf aus der Zeit um 1940 verweist mit seiner rauen Oberfläche auf die Geschichte seines Vorbilds, während das originale Antiken-Fragment 1938 in einen makellosen polierten Zustand versetzt wurde.

Klaus Spindler hat prominent eine Winckelmann-Büste aus Marmor platziert, die unter Kunstwissenschaftlern bislang nicht bekannt war. Wie keine andere Persönlichkeit hat Johann Joachim Winckelmann, dessen Todestag sich heuer zum 250. Mal jährt, die Kunst der Antike zu dem ästhetischen Leitbild seit dem späten 18. Jahrhunderts geformt. Bei der Büste spricht vieles dafür, dass es sich dabei um die Marmorversion handelt, die Friedrich Wilhelm Döll 1777 für den Winckelmann-Freund Johann Friedrich Reiffenstein realisierte. In antikischem Gewand und in Anspielung auf die drei Parzen, den Schicksalsgöttinnen der römischen Mythologie, hat die Malerin Ludovike Simanowiz, von der das berühmte Schillerporträt stammt, um 1790 das Bildnis dreier junger Frauen gemalt. Das Ölbild, das erst kürzlich zugeschrieben werden konnte, ist ein repräsentatives und zugleich empfindsames Beispiel für die Malerei des schwäbischen Klassizismus.

Alexander Kunkel, Experte für Kunst zwischen Salon und Sezession, hat für die Ausstellung Werke zwischen 1865 und 1900 ausgesucht, die die Antike als Spiegel archaischer Grundmuster und als Metapher für das Unergründliche und das Lustvolle reflektieren. In seinem Gemälde „Apollon und Marsyas“ von 1886 spielt Hans Thoma auf die Dualität des Idyllischen an. Noch in trauter Runde, zeigt er den musikalischen Wettstreit zwischen dem Gott und dem Satyr, den Marsyas zwar gewinnt, aber deswegen am lebendigen Leib gehäutet wird. Als ekstatische Seherin mit erotischer Ausstrahlung gestaltete die unter dem männlichen Pseudonym „Marcello“ arbeitende Schweizerin Adèle d’Affry 1870 eine Skulptur der Pythia. Die Priesterin des Orakels von Delphi wurde laut Mythologie von einem Gas in Stimmung versetzt. Dass die Künstlerin damit der ausschweifenden Pariser Gesellschaft der Belle Époque ein Denkmal setzen wollte, liegt nahe: Denn die lebensgroße Version der 45 Zentimeter hohen Münchner Bronze schuf sie für die Pariser Oper.

Die Ausstellung „Echo der Antike“ läuft vom 13. April bis zum 19. Mai in den Galerieräumen von Eric Meletta Kunst & Antiquitäten und Klaus Spindler Kunsthandel. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 12 bis 18:30 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr. Die Preise der Kunstwerke liegen zwischen 6.000 Euro und 80.000 Euro.

Eric Meletta Kunst & Antiquitäten – Klaus Spindler Kunsthandel
Baaderstraße 45
D-80469 München

Telefon: +49 (0)89 – 28 32 39
Telefon: +49 (0)89 – 201 61 68

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Hans Thoma, Apollon und Marsyas, 1886
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Friedrich Wilhelm Döll, Büste Johann Joachim
 Winckelmann, um 1777
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Ludovike Simanowiz, Drei junge Frauen als Parzen, um 1790
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