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Otto-Steinert-Preis geht an Ina Schoenenburg

Ina Schoenenburg ist die diesjährige Gewinnerin des Otto-Steinert-Preises der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh). Sie setzte sich erfolgreich gegen 164 Mitbewerber durch und darf sich nun über 5.000 Euro freuen. Die 1979 in Berlin geborene Fotografin wird für ihr Langzeitprojekt „Blickwechsel“ geehrt. Schoenenburgs Serie überzeugte die Jury „durch ihre hohe photographische Qualität“. Seit sechs Jahren lichtet die Künstlerin ihre Eltern und Tochter ab. Sie tue dies, so die Jury, mit großer emotionaler Nähe und observierender Distanz zugleich. Weiter heißt es: „Mit einer ungewöhnlichen Bandbreite von dokumentarischer Beobachtung bis hin zu einer manchmal fast theatralen Inszenierung lässt uns die Photographin teilhaben an ihrem sowie dem Leben und den Emotionen ihrer Eltern und ihrer Tochter. Ein außergewöhnlich vielschichtiges Projekt mit einer ganz eigenen Bildsprache, die es schafft, intime Privatheit zu zeigen und zugleich ganz auf Voyeurismus zu verzichten.“

In einem Foto ihre Serie präsentiert Ina Schonenburg ihre Mutter im Spiegel, die nach dem Duschen in ein Handtuch gehüllt ist. Durch eine offene Tür geht der Blick weiter ins Schlafzimmer, wo eine junge blonde Frau nach Kleidung in einer Schublade sucht. Die Intimität des Bildes zeigt sich einmal darin, dass beide Frauen sich unbeobachtet glauben und ganz in ihre Tätigkeiten vertieft sind, zum anderen in der verletzlichen Nacktheit, die durch ein großes Handtuch oder die Unterwäsche angedeutet wird. Ina Schoenenburg lebt und arbeitet in Berlin. Zunächst studierte sie von 2005 bis 2008 Architektur an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Ein Jahr später schrieb sie sich der Ostkreuzschule in Berlin-Weißensee als Studentin der Fotografie ein. Sie beendete ihre Ausbildung 2012 bei Sibylle Fendt. Seit Herbst 2016 ist sie Mitglied der Foto-Agentur Ostkreuz.

Die DGPh hat außerdem zwei Nachwuchspreise vergeben. Sie gehen an die jungen Fotografinnen Monika Hanfland für „The Perfect Match?“ und Ksenia Kuleshova für „Abkhazia“. Beide studieren an der Fachhochschule Dortmund. Hanfland reichte laut Jury den „vielversprechenden Beginn“ ihrer Arbeit ein, in der sie sich mit der „Herstellung und Nutzung von Liebespuppen auseinander setzt und so die Frage aufwirft, ob dadurch neue Arten von Beziehungen entstehen können, in denen die Puppen den menschlichen Partner ersetzen. Ein mit Ironie und Witz photographisch festgehaltenes Eintauchen in eine seltsame Welt“. Die spielerische Serie „Abkhazia“ von Ksenia Kuleshova wendet den Blick unter anderem auf „skurrile Freizeitbeschäftigungen.“ Die Jury erkläre: „Ihre genaue Beobachtungsgabe für die Absurditäten des Alltags gepaart mit dem Gefühl für den entscheidenden Moment haben die Jury überzeugt.“

Die Sektion „Bild“ der DGPh vergibt den Otto-Steinert-Preis seit 1979. Seit 1983 wird er alle zwei Jahre als Stipendium ausgeschrieben. Er dient dem Andenken an den großen Fotografen und Pädagogen Otto Steinert, der die „Subjektive Fotografie“ begründete. Als Kurator und als Lehrer an der Folkwangschule Essen prägte er eine ganze Generation von Fotografen und Ausstellungsmachern. Die diesjährige Jury bestand aus Georg Brückmann, dem Preisträger des Jahres 2015, dem Fotokünstler und Verleger Boris Becker sowie dem Vorstand der Sektion „Bild“, Bettina Flitner, Christoph Bangert und Manfred Linke. Zu den bisher geehrten Fotografen gehören unter anderem Hermann Stamm, Wolfgang Zurborn, Katrin Thomas, Axel Hoedt, Björn Siebert, Pepa Hristova und Arwed Messmer.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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