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Documenta in Geldnöten

Der Documenta fehlt Geld. Kurz vor Ende der Weltkunstschau in Kassel wurde bekannt, dass in diesem Jahr ein Loch von rund 7 Millionen Euro in den Kassen der „Documenta und Museum Fridericianum gGmbH“ klafft. Das hat die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) gestern berichtet. Demnach sei auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am 30. August beschlossen worden, dass die Stadt Kassel und das Land Hessen als Gesellschafter jeweils eine Bürgschaft von 3,5 Millionen Euro übernähmen. Das hat inzwischen der Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle als Vorsitzender des Aufsichtsrates bestätigt, der dieses Amt erst im Juli von seinem Vorgänger Bertram Hilgen übernommen hat. Nach einem von der Geschäftsführung aktualisierten Liquiditätsplan sei die Liquidität der Gesellschaft zunächst bis Ende September 2017 gesichert. Der Betrieb der aktuell laufenden Documenta sei bis zu ihrem planmäßigen Abschluss am 17. September in jedem Fall gewährleistet, so Geselle weiter. Als Gesellschafter hätten die Stadt Kassel und das Land Hessen vereinbart, dass die Liquidität der Gesellschaft auch darüber hinaus sichergestellt wird.

Unterdessen hat Christian Geselle von der Geschäftsführung der Documenta gGmbH einen ausführlichen Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft angefordert. Zudem hat der Aufsichtsrat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit einer Sonderprüfung beauftragt. In den Feuilletons ist inzwischen die Debatte um die Schuldigen entbrannt. Claudia Wheeler, Redakteurin beim Deutschlandfunk Kultur, sprach von einem „Desaster“ und sieht den künstlerischen Leiter Adam Szymczyk in der Verantwortung. Er habe sich mit seiner Idee übernommen, die Ausstellung in Kassel „und“ in Athen stattfinden zu lassen. Ähnliche Probleme hat der Hessen-Korrespondent Ludger Fittkau ausgemacht, nimmt aber auch den Aufsichtsrat in die Pflicht. Obwohl die Geschäftsführerin Annette Kulenkampff auf die Mehrkosten durch zwei Standorte und die erhöhte Anzahl von Performances hingewiesen habe, sei er seiner Aufgabe nicht nachgekommen. Der Aufsichtsrat und der künstlerische Leiter, der einen Großteil der Schuld an der finanziellen Schieflage mittrage, hätten ihre Einwände nicht wirklich ernst genommen. Dagegen macht Horst Seidenfaden, Chefredakteur der HNA, auch eine Fehleinschätzung Kulenkampffs für das Finanzchaos verantwortlich.

Der Gesamtetat der Documenta liegt bei 37 Millionen Euro. Zur Halbzeit der Kasseler Schau hatte Annette Kulenkampff noch eine positive Zwischenbilanz gezogen. „Sehr zufrieden können wir auf den bisherigen Verlauf der Documenta 14 in Athen und Kassel zurückblicken“, sagte sie. Bis Ende Juli seien 445.000 Besucher gezählt worden, das seien 17 Prozent mehr als bei der Halbzeit der vorherigen Documenta im Jahr 2012.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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