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Pieter Bruegel in Wien

Pieter Bruegel d.Ä., Der Sommer, 1568

Die Albertina in Wien widmet dem zeichnerischen und druckgrafischen Werk Pieter Bruegels d.Ä. eine Schau. Die 80 Exponate bieten nicht nur einen Überblick über das Œuvre, sondern suchen in der Gegenüberstellung mit Arbeiten wichtiger Vorläufer wie Hieronymus Bosch oder Albrecht Dürer auch Bruegels künstlerische Ursprünge. Einige der grafischen Arbeiten wurden restauriert, mehrere Neufunde sind nun erstmals zu sehen. Zudem sind seit langer Zeit Bruegels Zeichnungen „Frühling“ und „Sommer“ wieder gemeinsam ausgestellt.

In seiner humorvollen wie auch scharfsinnig kritischen Bildwelt reflektiert Pieter Bruegel d.Ä. die gesellschaftlichen Verhältnisse. Es ist der Vorabend des niederländischen Unabhängigkeitskampfes gegen die spanische Herrschaft, die von politischen, sozialen und religiösen Umbrüchen gezeichnet ist. Bruegel, dessen Zeichnungen weltweit ein Konvolut von rund 60 Blatt umfassen, präsentiert den Menschen in all seiner Tragik, Größe, Lächerlichkeit und Schwäche. Zentral ist sein Interesse an der Lebensrealität, so thematisiert er neben Bauern auf der Feldarbeit oder pittoresken Landschaften auch Moralsatiren und komische Grotesken. Aus der Serie der „Sieben Todsünden“ stammt die 1557 gezeichnete „Trägheit“. Bruegel orientierte sich oftmals an Hieronymus Bosch, der ebenfalls die „Sieben Todsünden“ malte. Während Bosch jedoch eine Welt der Sünde und schreckliche Bestrafungen schuf, durchzieht Bruegels Zeichnung eine derbe Komik: Der Faulpelz muss etwa beim Verrichten seines Geschäfts durch mehrere kleine Figuren mit Stöcken unterstützt werden. Der Niederländer treibt die Typisierung hier gezielt auf die Spitze.

Bruegel schildert den Konflikt zwischen Ideal und Realität mit einem stark moralischen Zugang, der ihn laut Kuratorin Eva Michel in die Nähe der Philosophen Michel de Montaigne und Francis Bacon rückt. In einer seiner bekanntesten Zeichnungen, „Maler und Käufer“ von 1565, kontrastiert Bruegel, wie die Kunst auf das Unverständnis des Käufers und damit der Gesellschaft trifft. Der ernsten intellektuellen Arbeit des konzentrierten Malers steht laut Michel das „ratlose Gaffen“ des vermeintlichen Kunstkenners gegenüber, der nur rasch zum Geldbeutel greifen kann.

Die Ausstellung „Bruegel. Das Zeichnen der Welt“ ist bis zum 3. Dezember zu sehen. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache für 24,90 Euro.

Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 534 830
Telefax: +43 (0)1 – 534 834 30

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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