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Günther Hornig in Dresden

in der Ausstellung „Günther Hornig. Farbe Rhythmus Raum“

Dass Kunst in der DDR nicht immer den figurativen Vorstellungen des Sozialistischen Realismus folgen musste, sondern sich auch in Bahnen des Ungegenständlichen bewegen konnte, macht Günther Hornig deutlich. Noch bis zum kommenden Sonntag präsentiert die Städtische Galerie Dresden die erste museale Retrospektive des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers. Die 56 Werke geben einen Überblick über Hornigs künstlerische Entwicklung von 1973 bis 2013 und verweisen auf die parallele Verwendung von Collagen, Assemblagen, Gemälden und Objekten. Schon der Ausstellungstitel „Farbe Rhythmus Raum“ gibt die Stichworte vor, die Hornigs Schaffen geprägt haben. Er erarbeitete sich ein Darstellungsprinzip, das auf farbigen Flächenschichtungen beruht, und übertrug es erst nach zahlreichen Erprobungen in das große Format der Leinwand. Die gemalten Farbaufsplitterungen und -verschachtelungen erzeugen illusionistische, komplizierte räumliche Strukturen. Im Neben- und Übereinander der Farben scheinen optisch Gruppen hervorzutreten, um sich darauf wieder in die Gesamtheit einzufügen. Aus dem Prozess von Entstehen und Vergehen geht ein Rhythmus hervor.

Schon Ende der 1960er Jahre experimentierte Günther Hornig mit informellen, teilweise konkreten künstlerischen Strategien, während in der DDR offiziell die Doktrin des sozialistischen Realismus galt. Dann folgte eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Materialien. Hornig nutzte neben Farbe alltägliche Werkstoffe und verschiedene Papiere, um vielschichtige Strukturen zu gestalten. Die Oberfläche dieser abstrakten Bilder gleicht einer Art Verwebung. Der Künstler wandte radikale, destruktive Arbeitstechniken wie Übermalungen, Schaben, Brennen und Reißen an, sodass komplizierte Materialbildnisse entstanden. Nach 1978 begann Günther Hornig dreidimensionale Gitterbilder anzufertigen, indem er Nägel auf Holzleisten befestigte und Schnüre spannte. Die gewonnene Ordnung erfuhr durch das Aufbringen von Farbe, Sand, Mörtel und Bitumen eine Aufsprengung der Grenzen. Die plastischen Objekte, die sogenannten „Türme“, entstanden Ende der 1980er Jahre parallel zu den Gemälden und vervollständigen Hornigs Beschäftigung mit dem Thema Raum.

Günther Hornig kam 1937 in Bitterfeld zur Welt. Er studierte von 1957 bis 1962 Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden. Seine bildkünstlerische Arbeit ist geprägt von der Raumgestaltung am Theater. Denn zuvor übte er den Beruf des Theatermalers und Bühnenbildassistenten am Landestheater in Halle an der Saale und Potsdam aus. Zwischen 1968 und 1993 lehrte Hornig an der HfBK Dresden im Fachbereich Bühnenbild. In diesem Randbereich künstlerischer Lehre fand er die Möglichkeit für innovative Kunst- und Lehrformen. Bereits Mitte der 1970er Jahre führte Hornig etwa performative Raumübungen in den Unterricht ein. Seine Lehre des erweiterten Raumbegriffs und experimentellen Materialeinsatzes war ein großer Impuls für viele namhafte Aktions-, Performance- und Installationskünstler. Von 1993 bis 2002 hatte Günther Hornig dann eine Professur für Malerei und Grafik an der HfBK inne. Danach war er als freischaffender Künstler tätig. Im September 2016 ist Günther Hornig mit 79 Jahren in Dresden verstorben.

Die Ausstellung „Günther Hornig. Farbe Rhythmus Raum“ ist bis zum 17. September zu sehen. Die Städtische Galerie Dresden hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Freitags ist der Eintritt ab 12 Uhr frei. Der Ausstellungskatalog kostet im Museum 22 Euro.

Städtische Galerie Dresden
Wilsdruffer Straße 2
D-01067 Dresden

Telefon: +49 (0)351 – 488 73 01
Telefax: +49 (0)351 – 488 73 53


12.09.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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