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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Neue Eiszeitfunde auf der Schwäbischen Alb markieren den Beginn der künstlerischen Entwicklungen vor rund 40.000 Jahren. Neue Museen im Ulmer Umkreis sowie eine Ausstellung in Bonn stellen sie vor

Kunstwerke einer mobilen Gesellschaft



Der Löwenmensch aus der Stadelhöhle im Lonetal

Der Löwenmensch aus der Stadelhöhle im Lonetal

Die Statuette ist eine Mischung aus menschlichen und tierischen Komponenten: Kopf und Arme sind eindeutig einem Löwen zuzuordnen, Körper und Beine dagegen muten menschlich an. Breite Schultern lassen das Mischwesen kräftig erscheinen. Eine Mähne fehlt. Das bewusst geschnitzte männliche Glied identifiziert eindeutig das Geschlecht. Die Proportionen des Körpers sind jedoch eher tierisch. Legen sechs waagerechte parallele Kerben am linken Oberarm Tätowierungen nahe? Was hat den Menschen vor rund 40.000 Jahren veranlasst, solch eine Chimäre zu schnitzen? Handelt es sich um einen Schamanen mit übergestülptem Löwenfell oder eine Gottheit?


Die geheimnisvolle, aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzte und 31,1 Zentimeter hohe Skulptur des Löwenmenschen gilt als größte bislang gefundene aus der Eiszeit. Zwischenzeitlich avancierte sie zum Star des Ulmer Museums. Erst seit einigen Monaten wird die Figur hier in einem eigenen Raum präsentiert. In 200 Einzelteile zersplittert, wurde sie bereits 1939 in der Stadelhöhle im Lonetal auf der Schwäbischen Alb entdeckt, doch erst 1969 zusammengesetzt. Weitere Splitter wurden bei Nachgrabungen im Jahr 2009 gefunden. Der Löwenmensch ist nun um diese jüngst geborgenen, rund 80 Fragmente sowie im Laufe der Jahre zusätzlich eingesammelten Bestandteile aufwendig ergänzt. Hinter diesem wohl ältesten Beleg für Glaubensansichten liegt eine verwickelte jüngere Geschichte.

Die Schwäbische Alb zählt seit archäologischen Untersuchungen am Beginn des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Fundregionen für die älteste Kunst der Menschheit. Bis jetzt wurden rund 50 Figuren entdeckt, deren Alter bis zu 40.000 Jahre beträgt. Die natürlich belassene und offen zugängliche Stadelhöhle des Hohlensteins bei Asselfingen ist der Fundort des Löwenmenschen. Die ebenfalls im Lonetal befindliche Vogelherdhöhle in Niederstotzingen-Stetten wurde als Archäopark Vogelherd erschlossen. Durch den Besucherpark führt ein Lehr- und Erlebnispfad rund um die begehbare Höhle. Eingebettet in einen Grashügel wurde nach Plänen der Münchener Architekten Ritter Jockisch ein sichelförmiges Besucherzentrum errichtet, dessen raumhohe Glasfronten sich zum Hang mit der Höhle öffnen.

Neben einem als Löwe oder Großkatze zu interpretierenden Objekt präsentiert eine abgedunkelte Schatzkammer in dem 2013 vollendeten, formal reduzierten Betonbau die rund vier Zentimeter kleine Figur eines Mammuts. Das Kunstwerk aus Mammutelfenbein wurde erst bei einer Nachgrabung im Jahr 2006 entdeckt. Korrekt wie elegant wiedergegeben, mit typisch steil abfallendem Rücken und perfekten Proportionen, fesselt es wie auch weitere im Schloss Hohentübingen ausgestellte Funde vom Vogelherd durch ästhetische Ausstrahlung sowie handwerkliche Perfektion. Die elf kleinen, von Gustav Riek 1931 hier aufgespürten Figuren samt fünf in Nachgrabungen zwischen 2005 und 2012 entdeckten Stücken zählen Fachleute zu den Meisterwerken der Kulturgeschichte.

Besondere Popularität genießt das „Vogelherd-Pferd“, das mittlerweile zum Signet des Tübinger Museums avanciert ist. Lediglich rund fünf Zentimeter lang und drei Zentimeter hoch, bezaubert das mit Kreuzen verzierte Tier durch eine dynamisch geschwungene Hals- und Rückenlinie. Das Alter wird auf rund 35.000 Jahre geschätzt und ist damit um einige tausend Jahre älter als die berühmten Höhlenmalereien in Südfrankreich. Weitere Arbeiten, darunter Löwen, ein Wisent, nicht näher identifizierbare Tiere, Teile von Musikinstrumenten und menschenähnliche Figuren, sind auf Hohentübingen zu bewundern.

Ein Ort, in dem derzeit noch geforscht wird, ist die gleichfalls erschlossene Karsthöhle „Hohle Fels“ bei Schelklingen im Achtal. Hier wurde 2002 nicht nur der kleine Bruder des Ulmer Löwenmenschen gefunden, sondern im September 2008 gelang den Archäologen um den Forscher Nicholas John Conard auch die spektakuläre Entdeckung einer Figurine. Das Alter der sogenannten „Venus vom Hohle Fels“, einer Frauenfigur mit ausgeprägten Geschlechtsmerkmalen, wird auf 40.000 Jahre geschätzt und gilt als weltweit älteste bisher entdeckte Menschendarstellung. Die Beine sind kurz und laufen spitz zu, Füße fehlen ganz. Die Bekleidung ist durch geschnitzte Linien angedeutet. Kurze Arme enden in feinen Händen mit deutlich erkennbaren Fingern. Doch dominieren bei der in Mammutelfenbein gearbeiteten Frau weit nach vorne ragende üppige Brüste und eine sorgfältig ausgeformte Vulva. An Stelle von Kopf und Hals sitzt auf breiten Schultern eine Öse. Die detailreich mit Kerben, Linien und Markierungen geschnitzte Figur war ebenfalls nie als realistisches Abbild gedacht, sondern als Verkörperung von Weiblichkeit und Fruchtbarkeit an sich.

In der gleichen Schicht fanden sich im Jahr 2008 Fragmente einer Knochenflöte. Das 21,8 Zentimeter lange Musikinstrument mit seinen fünf Grifflöchern gilt als das älteste bekannte Instrument der Welt. Diese und weitere Funde versammeln sich im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Im Mai 2014 im ehemaligen, ab 1420 erbauten und neu sanierten Heilig-Geist-Spital der Stadt eröffnet, entwickelte sich das Museum inzwischen zu einem Hauptplatz der Eiszeitarchäologie. Noch weitere sensationelle Artefakte aus dem „Hohle Fels“ bereichern die Dauerausstellung. Aus den Flügelknochen eines Schwans ist eine rund zwölf Zentimeter lange Flöte gefertigt. Sie wird ergänzt von zwei Elfenbeinflöten, die 1973 und 1990 in der Höhle am Geißenklösterle am Hang des Achtals geborgen werden konnten. In Klangräumen ist die vermutlich zu magisch-rituellen Feiern daraus ertönte Musik eingespielt.

Zu den eindrucksvollen Stücken zählt auch ein „Wasservogel“. Der 2002 geborgene, nicht genau identifizierbare Vogel im Sturzflug gilt bei einem geschätzten Alter von 38.000 Jahren als älteste Darstellung eines Vogels überhaupt. Zwar stehen in Blaubeuren archäologische Funde im Fokus. Doch wird auch daran erinnert, dass die archaischen Elemente stets zeitgenössische Künstler bei der Suche nach Urformen inspiriert haben. Daher verknüpft das Museum die hochkarätigen archäologischen Artefakte dialogisch mit Arbeiten von Willi Baumeister, Horst Antes oder Julius Bissier.

Anlässlich der Entdeckung von bis dato anatomisch ältesten Überreste moderner Menschen in einem rund 15.000 Jahre alten Doppelgrab in Bonn-Oberkassel im Februar 1914 verbindet eine Präsentation im Rheinischen Landesmuseum Bonn die Originalfunde mit der Vorstellung seinerzeitiger Lebensumstände. Unter dem Titel „Eiszeitjäger. Leben im Paradies“ werden aus Geweihen und Knochen angefertigte Objekte wie Schmuck, Bekleidung, Behausungen und andere Aspekte aufgegriffen. Seit 2008 hat ein 30 Personen starkes internationales, interdisziplinär arbeitendes Wissenschaftlerteam die Funde mit neuesten Methoden untersucht und neue Erkenntnisse gewonnen. Besonders erhellend ist die Lösung der bislang offenen Frage nach dem Aussehen der circa 25 Jahre alten Frau und des um die 40 Jahre alten Mannes. Dank der Anwendung neuer gerichtsmedizinischer Methoden konnten aufgrund der gut erhaltenen Schädel die Gesichter plastisch recht genau rekonstruiert werden.

Nicht weit davon entfernt ist der Schädel des Neandertalers ausgestellt. Er war kleiner, muskulöser und robuster als der moderne Mensch und besaß ausgeprägte Überaugenwülste. Die Präsenz des Neandertalers in unseren Breiten endete vor rund 30.000 Jahren, als der moderne, aus Afrika eingewanderte „homo sapiens“ die Täler am Fuße der Schwäbischen Alb erreichte und den Neandertaler verdrängte. Die stärker ausgeprägten geistigen Fähigkeiten unserer direkten Vorfahren, die sich vor rund 200.000 Jahren in Afrika entwickelten, waren die Grundlage dafür, dass Neues entstand. Die höhere Stufe der Kreativität brachte über reine Gebrauchsnotwendigkeiten hinausgehende Artefakte hervor, die die Umwelt bildlich aufgriffen. Am Anfang aller schöpferischen Schritte stand vorzugsweise das Sich-Selbst-Abbilden. Die Entwicklung der Künste nahm nun ihren Lauf.

Das Ulmer Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro, für Familien 8 Euro.

Ulmer Museum
Marktplatz 9
D-89073 Ulm

Telefon: +49 (0)731 – 161 43 30
Telefax: +49 (0)731 – 161 16 26

Der Archäopark Vogelherd hat vom 27. Februar bis zum 31. März täglich außer montags von 11 bis 16 Uhr, vom 1. April bis zum 31. Oktober dienstags und freitags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags von 9 bis 18 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Archäopark Vogelherd
Am Vogelherd 1
D-89168 Niederstotzingen-Stetten
Telefon: +49 (0)7325 – 952 8000

Das Museum der Universität Tübingen in Schloss Hohentübingen hat mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, für Familien 12 Euro.

MUT | Alte Kulturen | Sammlungen im Schloss Hohentübingen
Burgsteige 11
D-72070 Tübingen

Telefon: +49 (0)7071 – 29 773 84
Telefax: +49 (0)7071 – 29 565 9

Das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren ist täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, in der Wintersaison vom 1. Dezember bis zum 14. März eingeschränkt dienstags und samstags erst ab 14 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro.

Urgeschichtliches Museum
Kirchplatz 10
D-89143 Blaubeuren

Telefon: +49 (0)7344 – 966 990
Telefax: +49 (0)7344 – 966 99 15

Die Ausstellung „Eiszeitjäger. Leben im Paradies“ ist bis zum 28. Juni 2015 zu besichtigen. Das LVR-Landesmuseum Bonn hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, samstags erst ab 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 19,90 Euro kostet.

Kontakt:

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Colmantstraße 14-16

DE-53115 Bonn

Telefon:+49 (0228) 20 700

Telefax:+49 (0228) 20 70 150



01.02.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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