Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 21.06.2019 Auktion 126: Moderne und zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

© Jeschke, van Vliet Kunstauktionen

Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Journal

Die Riemenschneider-Sammlung in Würzburg und die Meister des Umlandes

Auf Tilman Riemenschneiders Spuren durchs Frankenland



Als man im Jahre 1822 in Würzburg durch den ehemaligen Friedhof zwischen Dom und Neumünster eine Straße baute, fand sich tief im Erdreich versenkt eine Grabplatte, deren umlaufende Schrift besagt: Am Abend des 7. an Kiliani 1531 starb der „ehrsame und kunstreiche Würzburger Bürger und Bildhauer Tilman Riemenschneider“. Der Stein, der zunächst auf Veranlassung des Würzburger Historikers Karl Gottfried Scharold (1769-1847) in den Domkreuzgang gebracht wurde, regte zu Nachforschungen an. Wer war dieser Mann? Welche Bedeutung hatte seine Kunst?


Die Beantwortung dieser Fragen zur Zeit der Romantik hat eine wahrhafte Riemenschneider-Renaissance ausgelöst, denn der um 1460 im heute thüringischen Eichsfeld geborene Sohn eines Münzmeisters war bereits wenige Jahre nach seinem letzten großen Werk und seiner im Zuge des Bauernkrieges mehrwöchigen Inhaftierung auf dem Marienberg 1525 nahezu vergessen, obwohl er zwischenzeitlich der Bürgermeister der Stadt Würzburg war.

Der größte Teil seines Werkes wurde hoch über Würzburg auf der Festung Marienberg im Mainfränkischen Museum zusammengetragen. Hier hält die mit rund 80 Plastiken und Bildwerken weltweit größte Riemenschneider-Sammlung die Erinnerung an einen der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik lebendig. Die Stellung der Kollektion im Gesamtwerk hat das Museum mit dem Umbau des Riemenschneider-Saales vor zwei Jahren zu einer umfassenden Neukonzeption der Sammlung veranlasst.

Nach 50 Jahren hat das Museum durch den Umbau die Gedrängtheit überwunden und bereitet dem Meister jetzt ein würdiges Domizil. Durch eine Zusammenfassung der Kleinplastiken in vier Vitrinen wurde entlang der Wände genügend Platz zur Aufstellung von Großbildwerken aus Holz und Stein gewonnen. Die in der Saalmitte unbestückten Pfeifer lassen die Raumstruktur wieder sichtbar werden. Der hintere Teil des Saales konzentriert sich mit dem lebensgroß gearbeiteten Figurenpaar Adam und Eva auf die qualitätsvollsten Skulpturen. Wenige Meter von ihnen entfernt hat die restaurierte „Trauernde Maria“ aus Acholshausen in ihrer ursprünglichen Farbigkeit Platz gefunden.

Die Kojen des Raumes nehmen inhaltlich gruppierte Bildwerke auf: zum einen widmen sie sich mit Ratstisch und Lüsterweibchen dem Profanen, zum anderen zeigen sie Figuren, Reliefs und Gemälden von Flügelaltären. Zudem kann in den Vitrinen anhand der Exponate der Weg vom einzigartigen Meisterwerk zur „Serienware“, sowie die unterschiedliche Wirkung von gefassten und ungefassten Bildwerken nachvollzogen werden.

Zweifelsohne zeigt sich das Arbeiten und Wirken Tilman Riemenschneiders, das den letzten Höhepunkt der spätgotischen Plastik in Mainfranken bildet, nirgendwo dichter und umfassender als in der Domstadt. Im Dom sind der reiche Gedenkstein für den Fürstbischof Rudolph von Scherenberg, das Grabmal für Lorenz von Bibra sowie ein Christus Salvator und die Apostelfiguren Andreas, Petrus und Johannes zu sehen. Die um 1510 entstandene Marienstatue wird der Werkstatt Riemenschneiders zugeschrieben. Eine Marienfigur und der Grabstein des gelehrten Abtes Trithemius von Hohenheim wurden für das Neumünster angefertigt, während in der Marienkapelle der Grabstein für Konrad von Schaumberg zu besichtigen ist. Für die Büste „Maria mit Kind“ lohnt einen Besuch von St. Burkard, und in der Franziskanerkirche hat sich ein Vesperbild mit dem oft umgesetzten Motiv der Beweinung Christi erhalten.

Von Würzburg aus, seiner Wahlheimatstadt seit 1483 bis zu seinem Tod 1531, führten Riemenschneider zahlreiche Aufträge auch durch das Frankenland. Nur auf den Spuren des Meisters lässt sich die Vielgestaltigkeit seines Werkes erschließen. Wenige Jahre nachdem Riemenschneider durch seine erste Heirat mit Anna Schmidt eine eigene Werkstatt in Würzburg eröffnen konnte, erhielt der junge Bildhauer bereits 1490 den Auftrag für den Magdalenenaltar in Münnerstadt. Er wurde 1492 aufgestellt. Da er aber 1649 abgebrochen wurde, sind heute nur noch zwei Flügelreliefs, der Gnadenstuhl, die Bekrönung des Altars, der heilige Kilian, die heilige Elisabeth und Johannes der Täufer erhalten. Von hier aus lohnt ein kleiner Abstecher, nur wenige Kilometer weiter in die Gemeinde Steinach an der Saale, denn für die Pfarrkirche St. Nikolaus fertigte der Bildhauer 1516 ein Kruzifix aus Lindenholz.

Wer Würzburg nach Süden verlässt, stößt in der Ochsenfurter Stadtpfarrkirche auf die gegen 1500 entstandene Figur des heiligen Nikolaus, dessen kunstvoll in Falten gelegter Mantel ebenso auffällt ist, wie die ausdrucksvolle Gestaltung seiner Hand, mit der er ein schweres Buch hält. In dem mittelalterlichen Städtchen Aub im Ochsenfurter Gau ist in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt eine zur selben Zeit entstandene Kreuzigungsgruppe zu sehen. Für Riemenschneider typisch ist die Darstellung von Maria und Johannes in inniger Frömmigkeit und von Trauer erfüllt.

Weiter führt die Reise entlang der Romantischen Straße nach Creglingen an der Tauber. Seine Herrgottskirche, seit 1389 päpstlich anerkannter Wallfahrtsort, wurde 1384 über dem legendären Fund einer beim Pflügen gefundenen Hostie errichtet. Den Fundort überbaute man in Erinnerung an das Wunder mit einem Altar, für dessen Aufsatz Riemenschneider beauftragt wurde. Thema des aus Linden- und Föhrenholz geschnitzten Altarganzen ist die Menschwerdung Christi und die Erlösung des Menschen. Die Reliefs auf den Flügeln erzählen von der Kindheit Jesu und die Aufnahme von Maria in den Himmel.

In Creglingen bietet sich neben der bedeutenden Altararbeit Riemenschneiders auch ein kulinarischer Anknüpfungspunkt an seine Zeit. Das gemütliche Restaurant und Café „G´werzinsel“ hat ein dreigängiges „Riemenschneider-Menü“ kreiert, das nach Originalrezepten zubereitet wird. Mit Lombardischer Suppe, Haseneintopf und Bratäpfeln in Vanillesauce gestärkt, kann die Tour die Romantische Straße entlang nach Detwang fortgesetzt werden. Dort wird der dreiteilige Kreuzigungsaltar in der Pfarrkirche Riemenschneider zugeschrieben.

In Rothenburg ob der Tauber bekrönt der vollständig erhaltene Altar die Riemenschneider-Besichtigungsfahrt. Für den Heilig-Blut-Altar in der St. Jakobskirche hatte die ehemalige Reichstadt 1501 Reliefs und Figuren bei Riemenschneider in Auftrag gegeben. Der Altar zeigt in der Mitte den Verräter Judas bei der Abendmahlszene mit den Jüngern, zur Linken flankiert vom Einzug Christi in Jerusalem, zur Rechten bangt Christus in Todesnot am Ölberg. Das Schreinrelief aus der Frühzeit des Künstlers, das die Stigmatisierung Franz von Assisis darstellt, hat in der Rothenburger Franziskanerkirche die Jahrhunderte ebenso überdauert wie das Kruzifix der Pfarrkirche zu Insingen nahe Rothenburg.

Wer auf Riemenschneiders Spuren wandeln möchte, dem seien neben Volkach mit seiner späten, lieblichen Rosenkranzmadonna in der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten noch zwei nahe beieinander liegende Orte zur Besichtigung ans Herz gelegt. Wenige Kilometer nördlich von Würzburg lässt sich der Bogen von den Anfängen bis zum Ende jenes ausnehmenden Schaffens spannen: in der Pfarrkirche zu Rimpar stellt das Grabmal Eberhards von Grumbach, der 1487 starb, vermutlich Tilman Riemenschneiders jüngstes Bildwerk dar. Das Sandsteinrelief mit der „Beweinung Christi“, 1525 entstanden für die einstige Klosterkirche zu Maidbronn, wird in Fachkreisen als Riemenschneiders ältestes Bildwerk angesehen. Es verbildlicht die verhaltene Trauer einer Mutter über den Tod ihres Sohnes.

Das Mainfränkische Museum ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. Von April bis Oktober ist es zwischen 10 und 18 Uhr zu besuchen. Von November bis März öffnet das Museum um 10 und schließt schon um 16 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Mark, Schüler und Studenten bezahlen die Hälfte.

Mainfränkisches Museum Würzburg
Festung Marienberg
D-97082 Würzburg

Telefon: + 49 (0)931 - 430 16



02.11.2000

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Petra Jendryssek

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Bericht:


Schweizer Kilian gastiert in Würzburg

Künstler:

Tilman Riemenschneider










Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce