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Jonathan Meese wird in den Deichtorhallen vom Ausstellungsbetrieb verschluckt

Im Maul von Moby Dick



„Ich glaube, dass in der Kunst alles Extreme gut ist“ verkündet Jonathan Meese, seines Zeichens provokativer Radikalkünstler mit dem Sendungsbewusstsein eines Gurus, gerne. Meese ist ein Meister der effektvollen Selbstinszenierung. Der stets in braune oder schwarze Adidas-Trainingsjacken gekleidete Zottelbartträger mit schulterlanger Mähne ist mittlerweile zu einem der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler avanciert. Sozusagen ein auf Wiedererkennbarkeit getrimmtes Markenprodukt und erfolgreicher Exportschlager teutonischer Kunst.



Der 1970 in Tokio geborene und in Ahrensburg bei Hamburg aufgewachsene Meese wird jetzt in den Hamburger Deichtorhallen mit der ersten umfassenden Übersichtsausstellung seines Werks in Deutschland präsentiert. Über 300 Gemälde, Skulpturen, Collagen, Relikte von Performances, bearbeitete Fundstücke aus dem Alltag und etliche große Installationen aus trashigen Materialien wie Sperrholz, sind dort auf insgesamt 2.500 Quadratmetern zu sehen. „Mama Johnny“, so der Titel der Schau, zeigt den totalen Meese: Kultgestalten wie Romy Schneider, Rainer Werner Fassbinder oder Stanley Kubrick tauchen da auf, ebenso aber historisch umstrittene Figuren wie Caligula, Stalin, Hitler, Friedrich Nietzsche oder Richard Wagner. Malerei, Fotografie, Skulptur und Video wechseln sich ab mit Collagen und kruden Materialansammlungen.

Typisch für die Arbeiten von Meese ist seine ambivalente Haltung gegenüber dem gesellschaftlichen Konsens. Alles taugt seiner Kunst als Material: Parsifal, Hagen von Tronje oder das Eiserne Kreuz mit der Inschrift „ERZ“. Gewertet wird nicht, stattdessen collagiert, verwurstet und durchaus auch „zugemutet“ – laut Meese. Irritierten Betrachtern hält Jonathan Meese schon mal kryptische Sätze wie diesen entgegen: „Kunst ist die totale Neutralität ihrer eigenen Weltanschauung. Kunst ist eine Übersprungshandlung, ein psycho-radikales Tun im großen Spiel der utopischen Macht.“ Mit hermetischen Aussagen dieser Art betreibt Meese verbale Abgrenzung gegenüber der angeblichen Mutlosigkeit und nach Verkäufen gierenden Marktgängigkeit angepasster Künstlerkollegen: „Alle Mickrigen machen ihre Mickrigkeit zum Maßstab“, sagt er. Künstlern der nachwachsenden, jüngeren Generation wirft er vor, sich über Gebühr anzupassen und nur ein Stück vom großen Kuchen abhaben zu wollen. Für sich jedoch setzt er andere Maßstäbe: „Ich will den ganzen Kuchen, ich will die ganze Bäckerei, ich will die ganze Welt, ich will das gesamte Backwesen.“

Solcherlei verbaler Größenwahn spiegelt sich auch in den Dimensionen seiner Arbeiten wider. Da gibt es gleich links am Eingang den betretbaren „Maldoror-Turm“ von 1999 mit Aussichtsplattform. Eine Art Kultstätte, die vollgeklebt ist mit Fotos, Schriftstücken und Kreidetafeln zum Thema Staatstyrannei. Im rechten Teil der Halle ist eine riesige rosa Spanplattenburg aufgebaut. Diese in Zusammenarbeit mit dem dänischen Künstler Tal R entstandene, ebenfalls begehbare Installation trägt den Titel „Mor“ für „Mutter“. Fotos, Malereien, Skulpturen, Objekte und graffitiartige Kommentare füllen den wehrhaften Schutzraum - eine halb ironische, halb ehrfurchtsvolle Verbeugung der beiden Künstlerfreunde vor ihren Müttern.

Im Zentrum der Ausstellung steht jedoch ein mit schwarzer Silofolie eingefasster Bühnenkubus, der weiß beschriftet ist. In Kooperation mit der Berliner Volksbühne wird hier die Frank Castorf-Inszenierung „Kokain“ nach dem Skandalbuch des Italieners Pitigrilli aufgeführt. Jonathan Meese, der zuvor noch nie ein Theater betreten hatte, entwarf das drehbare Bühnenbild zu diesem überdrehten Jetsetdrogenstück zusammen mit Bert Neumann, dem Chefbühnenbildner der Volksbühne. Ausstellung und Theaterraum verzahnen sich an dieser Stelle und bilden ein hybrides Zwischenreich.

Etwas irritierend an der Hamburger Schau ist jedoch die eher klassisch-museale Präsentationsweise in den Kabinetten: Hier werden Skulpturen, große und kleine Gemälde, Collagen oder Kooperationen mit Künstlerfreunden wie Daniel Richter oder Albert Oehlen fein säuberlich voneinander getrennt präsentiert. Dem einstigen Enfant terrible und Bürgerschreck-Künstler Meese wird man mit dieser, an eine Verkaufsausstellung erinnernden Präsentation eigentlich nicht gerecht. Meese beschreibt die Künstlerexistenz so: „Man ist sehr einsam, weil man ja Käptn Ahab ist und im Maul von Moby Dick verschwinden muss. Aber man winkt den Menschen noch zu beim Abschied.“ Angesichts der hier versammelten Materialfülle könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, als werde das Ausstellungsevent selbst zum alles verschluckenden Moby Dick und der rhetorisch durchaus begabte Künstler zu einer grantelnden Karikatur seiner selbst.

Die Ausstellung „Jonathan Meese - Mama Johnny“ läuft in der nördlichen Deichtorhalle vom 30. April bis zum 3. September. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Katalog kostet 39 Euro. Das Gastspiel „Kokain“ der Berliner Volksbühne in den Deichtorhallen am 27. April ist ausverkauft, für den 28. April um 20 Uhr gibt es noch Karten unter 01805 – 969 00 00, wie auch für Jonathan Meese-Performance am 24. Mai um 20 Uhr.

Kontakt:

Deichtorhallen Hamburg

Deichtorstraße 1-2

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 32 10 30

Telefax:+49 (040) 32 10 32 30

E-Mail: info@deichtorhallen.de



27.04.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


30.04.2006, Jonathan Meese – Mama Johnny

Bei:


Deichtorhallen Hamburg

Bericht:


Jonathan Meese entwirft Schau im Dortmunder „U“

Künstler:

Jonathan Meese










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