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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Messe-Vorbericht

Die Vienna Fair im zweiten Jahr

Auf nach Osten



Der Markt der Kunstmessen ist heiß umkämpft. Obwohl viele Experten schon einen Überhang an diesen Kunstverkaufsevents konstatieren und von einer nötigen Bereinigung, das heißt Wegfall, auf dem Messemarkt sprechen, geht der muntere Messereigen in jedem Jahr von neuem los. Einer der Newcomer ist die Vienna Fair, die im vergangenen Jahr ihren Erstauftritt im Messezentrum am Wiener Prater hatte. Dafür musste die alte und ein wenig verstaubte „Kunst Wien“, auf der sich nur die österreichischen Galerien tummelten, sterben. Der frische Frühlingswind lockte im April 2005 jedenfalls 10.600 Besucher zur Premiere, was etwas unter den Zahlen der letzten „Kunst Wien“ lag, ließ die Presse voll des Lobes sein, und auch die 92 Aussteller resümierten hervorragende Präsentationsmöglichkeiten, ein kunstinteressiertes, internationales Publikum und zumeist zufriedenstellende Verkaufserfolge.


Um sich auf dem Messemarkt durchzusetzen, musste ein klares Profil her, mit dem man sich gegenüber den Konkurrenten positioniert. Das haben „Reed Exhibitions“ und der Messebeirat der Vienna Fair im Motto „focused on CEE“ gefunden. Das Kürzel mag für einen Nicht-Österreicher fremd klingen; es steht für „Central Eastern Europe“. Profilieren will man sich also mit einem Schwerpunkt auf Ausstellern aus Mittel- und Osteuropa. Wien als alte Hauptstadt der Donaumonarchie soll die Tür zur Kunstszene des Ostens aufstoßen. Das liegt nahe. So kamen im vergangenen Jahr 16 Galeristen aus Polen, der Tschechei, Litauen, Rumänien, Ungarn, Slowenien oder Serbien. Heuer sind es schon 25 - mit dabei auch Rumänien, Bulgarien, die Slowakei oder Russland. Sie sehen ihre Chance auf der Vienna Fair in einem nachhaltigen Markteintritt in Westeuropa.

Dass ihr Exotenbonus im vergangenen Jahr noch nicht richtig zog, mag an der für viele Besucher unbekannten Kunst gelegen haben. Nicht jeder Name lässt sich gleich beim ersten Anblick an den Mann bringen. Dafür wird die Teilnahme der Aussteller aus den osteuropäischen Ländern aber tatkräftig gefördert: Die „Erste Bank“ sponsert zwölf Auftritte und „Reed Exhibitions“ übernimmt bei fünf weiteren Galeristen die Kosten der Standmiete - auch das eine aktive Schärfung des Messeprofils. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der erstmals verliehene „Viennafair Galerienpreis“ an einen polnischen Aussteller ging. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung für die beste Standpräsentation erhielt die Galerie „lokal_30“ aus Warschau. Die externe Jury hob die Fähigkeit hervor, auf kleinem Raum einen adäquaten Eindruck der aktuellen Kunstproduktion in Polen zu bieten, und den hohen Anspruch, den die Galerie an die eigene Vermittlungsarbeit und ihre Verkaufstätigkeit stellt.

Das Rückgrat der 106 Aussteller bilden aber immer noch die österreichischen Galeristen. Sie stellen 45 Teilnehmer, gefolgt von Deutschland mit 25 und eben dem ost- und südosteuropäischen Komplex. Der kleine Rest verteilt sich auf Großbritannien, Spanien, Frankreich, Schweden und die USA. Um die Vienna Fair gerade beim kaufkräftigen, westlichen Publikum noch besser zu verankern, müssten aus diesen Ländern noch einige Zugpferde nach Wien kommen. Die lassen sich anscheinend aber nicht so schnell mobilisieren, sind möglicherweise der vielen Messen überdrüssig oder glauben noch nicht recht an Wien als Umschlagsort ihrer Kunst. Vielleicht lassen sie sich vom Erflog der diesjährigen Vienna Fair überzeugen, wenn er sich denn einstellt. Der Auftakt gestern Abend lief jedenfalls vielversprechend. Es kamen mehr Leute als 2005, darunter ein interessiertes Publikum, das sich lange in den Kojen aufhielt. Die ließen sich denn auch vom offiziellen Ende der Vernissage um 21 Uhr nicht beeindrucken und blieben rund eine Stunde länger, als dann langsam der Aufbruch einsetzte.

Den Besuchern gefielen wohl das durchweg schlüssige Konzept auf den Ständen und die oft wirksamen Präsentationen des Galerieprogramms gefangen nehmen. Keine Gattung drängt sich diesmal in den Vordergrund; Malerei, Fotografie, Skulptur, Zeichnung und Installationen sind gleichwertig vertreten. So hat Rosemarie Schwarzwälder von der Wiener Galerie Nächst St. Stephan ihre gesamte, sechs Meter breite Innenwand der Künstlerin Katharina Grosse zur Verfügung gestellt, die Grosse mit einer wandfüllenden Installation aus Tondi bespielt. Die kreisrunden, charakteristisch farbleuchtenden Bilder mit abstrakten Formen kosten je nach Durchmesser von 90 bis 190 Zentimeter zwischen 6.900 Euro und 21.000 Euro. Herbert Brandl ist mit zwei neuen Bildern vertreten. An der Außenwand hängt ein 23.100 Euro teures Gemälde aus seiner Gras-Serie in verschiedenen Grüntönen. Adam Adachs Werke tragen autobiografische Züge. Der Mediziner aus Warschau dürfte in Polen nicht Kunst studieren. Erst nach der Grenzöffnung wanderte er nach Paris aus, hat dort unter schwierigen Bedingungen seine Leidenschaft Malerei weiter verfolgt und letztendlich zum Beruf gemacht. Sein melancholisches Bild „Soot“ von 2006, eine am Fluss gelegene Industrielandschaft mit rauchenden Schloten und Rauchfahnen, Grau in Grau, sieht entsprechend bedrückend aus. Den Preis beziffert Rosemarie Schwarzwälder mit 12.100 Euro.

Christine König aus Wien und Jette Rudolph aus Berlin haben sich zu einem Gemeinschaftsstand zusammengetan. Auffallend sind hier die großformatigen filigranen Zeichnungen von Constantin Luser. Der 1976 in Graz geborene Künstler wird von beiden Galeristinnen vertreten. Seine Farbstiftzeichnungen auf beschichteter Holzplatte sind 3teilig und ergeben immerhin ein wandfüllendes Format von über 5,5 Metern Breite. Zusammen kosten sie 12.000 Euro. Sehr schön sind auch die von Christine König angebotenen Tuschezeichnungen in Schwarzweiß von Michaela Math. „Trees“ von 2006 mit verschiedenen Ast- und Zweigformationen bedecken in ihrer Gesamtheit von 64 Teile die ganze Wand. Man kann die Arbeit gesamt oder in kleineren Formationen aus der Installation heraus erwerben: 64 Teile für 12.000 Euro, 32 für Teile 8.000 Euro, 16 für Teile 6.000 Euro.

Ursula Krinzinger hat gleich ihr ganzes Galerieprogramm versammelt. Witzig und skurril wird es bei ihr an einer kleinen Rückwand mit Zeichnungen des jungen japanischen Künstlers Ken Kagami, der am 7. April seine erste Soloshow in Europa bei „Krinzinger Projekte“ hat. Seine Arbeiten erinnern an Kinderzeichnungen, sind aber alles andere als kindlich naiv. Der Horror-Humor der Serie „Steven“ äußert sich in abgerissenen Gliedmaßen, überströmendem Blut oder Zwitterwesen aus Mensch und Tier (Preise zwischen 350 Euro und 750 Euro). Ihr klassisches Programm breitet Ursula Krinzinger etwa mit Siegfried Anzingers barock inspiriertem, respektlosem „Engel, pissend“ von 2005 in Leimfarbe auf Leinwand 38.800 Euro aus oder mit Erwin Wurms Ablichtung seiner One-Minute-Sculpture „Each fountain is connected to the sea“ von 2003. Der C-Print in einer Auflage von fünf Stück kostet 16.800 Euro.

Fündig wurde bei Krinzinger bereits Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder und hat die beiden großformatigen Leinwandzeichnungen „Walker 1“ und „Walker 2“ des 1954 in der Steiermark geborenen Alois Mosbacher für seine Sammlung eingekauft. Ermöglicht wurde dies ihm von der Conwert Immobilien Invest AG, die dazu eigens den „Conwert Contemporary Fund“ gestiftet hat. Darin flossen zunächst 20.000 Euro der auf Altbausanierung spezialisierten Firma, die von der Albertina verdoppelt wurden. Conwert Vorstand Günter Kerbler erhöhte die Summe bei der gestrigen Vorbesichtigung nochmals um 15.000 Euro auf insgesamt 55.000 Euro. Damit war dann Klaus Albrecht Schröder gut gewappnet, um noch beim Grazer Galeristen Eugen Lendl mit Sonja Gangls großformatiger Bleistiftzeichnung „The End“ von 2005 und mit Hermann Nitschs monumentalem druckgrafischem Hauptwerk „Das letzte Abendmahl“ von 1983 bei der Wiener Galerie Steinek die Museumsbestände an klassischer und junger österreichischer Gegenwartskunst auszubauen.

Als zweites Werkzeug, zeitgenössische Kunst in Österreich direkt zu unterstützen, wurde in diesem Jahr der „Viennafair Pool“ ins Leben gerufen. Der Zusammenschluss von Museen, Institutionen und Sammlungen verpflichtet sich, Kunstwerke auf der Vienna Fair zu kaufen. Mit dabei sind die Albertina, Artventure Kunstsammlung, Bank Austria Creditanstalt, Erste Bank, der Kommunalkredit Austria, das Wiener Museum Moderner Kunst, die Sammlung Verbund und das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Insgesamt steht ein Betrag von 130.000 Euro zur Verfügung. Einen Teil davon könnten sie etwa bei der Galerie Lukas Feichtner lassen, um Werke seines Bestseller Martin Schnur zu erstehen. Die Arbeiten Schnurs, die fast immer einen Menschen zeigen, könnten Film-Stills entlehnt sein. Darauf verweist die eigene Ästhetik unklarer narrativer, sich überlagender Zusammenhänge. Der „Battersea Park“ von 2006 liegt 14.500 Euro, das kleinere „Bett #3“ von 2001 bei 8.800 Euro. Im Fotografiesektor hat Lukas Feichtner Arbeiten Werner Schrödls mit auf die Messe gebracht. Seine C-Prints aus der aktuellen, grotesk witzigen Serie „Staubsauger“, die immer irgendwo an der Zimmerdecke andocken, sind bei einer Auflage von 3 + 2 mit je 660 Euro veranschlagt.

Für die Verbindungen in den Osten ist vor allem der Galerist Hans Knoll zuständig. Er unterhält neben seinem Wiener Stammsitz noch eine Galerie in Budapest und hat maßgeblich Anteil daran, dass die Aussteller aus den östlichen Ländern ihren Weg nach Wien gefunden haben. Hingucker an seinem Stand in die Videoinstallation des sibirischen Künstlerduos und Biennaleteilnehmers „Blue Noses“. Wie schon in Venedig in Kartons verpackt und aus der Vogelperspektive einzusehen, nehmen Pantoffelhelden das Billardspiel gar nicht so ernst und schießen kichernd und gackernd den rücklings auf den Tischen liegenden Frauen die Kugel lieber zwischen die Beine (Preis 4.000 Euro). Knolls Wiener Kollegen Ernst Hilger zieht es dann eher in den Westen. Er stellt die Arbeit „Know your target“ des in New York lebenden Ian Burns vor. Die mediale Holzlattenskulptur ist ein soundgestütztes Schattenspiel. Auf Knopfdruck feuert ein Kriegsschiff eine Rakete in den Himmel und holt ein Passagierflugzeug herunter, das dann unter Getöse brennend ins Meer stürzt. Da werden schon Erinnerungen an die Anschläge vom September 2001 wach. „Know your Target“ gibt’s für 12.000 Euro.

Erstmals auf der Vienna Fair dabei ist Peter Tedden aus Düsseldorf. Er präsentiert unter anderem Werke Andrea Benders. Die 1972 in Hessen geborene Malerin absolvierte 2005 ein DAAD-Stipendium in Wien. Daraus entstand eine Serie, in der sie sich in ihrer kräftigen Malweise mit den typischen österreichischen Eigenheiten beschäftigte: Kaiserin Sisi, die „Gnädigste“, Meindl, Sacher oder auch die Hofreitschule. „Manner satt“ verbindet eine übergroße Packung der beliebten Waffel mit einem opulenten, aber dennoch kleinen Mädchen (Preis 5.200 Euro). Sein Düsseldorfer Kollege Rüdiger Voss, der schon von der Professional Preview und den guten Besucherzahlen angetan ist, hat sich dagegen auf das Nachtleben der Rheinmetropole verlegt. Zentrales Werk bei ihm ist das mit zwei auf sechs Meter schon die Formatgröße eines Historienbildes nachahmende Werk „Die letzte Nacht des Unique“. Und auf Geschichtliches greift es tatsächlich zurück. Porträtierte doch Frank Bauer in seiner fotorealistischen Sicht das Ende des legendären Düsseldorfer Nachtclubs, der in einem ehemaligen Bordell installiert war (Preis 34.000 Euro).

Umsätze kann auch schon der Berliner Galerist Michael Schultz verzeichnen. Aus Jan Marian Muches bunter, mit Fehlstellen verstörender, technoider Weltsicht gab er das Werk „Erlaubt ist, was nicht stört“ von 2006 für 6.000 Euro ab. Bénédicte Peyrat malt neoklassizistische Menschenbilder, die an das stilübergreifende Herangehen Werner Tübkes erinnern. Hier mag auch der geheimnisvolle Titel „Meine Großmutter ist eine Rose, von einem Rosa das nicht existiert“ zum Kauf des 9.000 Euro teueren Ölgemäldes bewogen haben. Und ein deutscher Sammler wurde noch bei Norbert Biskys blond gestylten Jungenschönheiten mit der Arbeit „Blutfluss“ von 2005 fündig, die er für 31.000 Euro mitnahm. David Adam bezieht sich in seiner großformatigen Fotografie „Kirche Berlin“ aus dem Jahr 2000 auf die ehemaligen „Belohnungsräume“, die es zur Zeit des DDR-Regimes in den dortigen Gefängnissen gab. Wer sich dort gut benahm, durfte in den Belohnungsraum gehen, Fernsehen schauen oder im Sofa sitzen. Die Frage nach den aktuellen Belohnungsräume unserer Gesellschaft lässt sich vor dem Objekt bei der Berliner Galerie Martin Mertens mit 2.600 Euro beantworten. Auch Peter und Andrea Frey von der Wiener Galerie Frey können sich schon ein wenig entspannt zurücklehnen. Einen Abnehmer fand bereits das Gemälde „Next Generation“ der 39jährigen Prachensky-Schülerin Veronika Dirnhofer. Wer sich dennoch für die bunt schillernden, großteils abstrakten, dann aber immer wieder auch mit figurativen Elementen durchsetzten Gemälde Dirnhofers interessiert, kann dann bei „Next Generation 2“ zum selben Preis zugreifen.

Die Vienna Fair, die heuer intensiver mit der Vienna Art Week verzahnt ist und selbst mit einem umfangreichen Begleitprogramm aufwartet, läuft bis zum 9. April. Geöffnet ist täglich von 12 bis 19 Uhr, am Samstag bereits ab 11 Uhr und am Sonntag nur bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 12,50 Euro, ermäßigt 10,50 Euro, die Dauerkarte 21 Euro und der Katalog 19 Euro, mit einer Tageskarte 29 Euro.

Vienna Fair
Messezentrum Wien Neu
Halle A
Messeplatz 1
A-1020 Wien

www.viennafair.at



06.04.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Georg Nägle/Ulrich Raphael Firsching

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06.04.2006, Vienna Fair 2006










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