Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 22.09.2018 Kunstauktion 22. September 2018

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Anzeige

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel

Bei Wangen, 1945 / Erich Heckel
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior

Orange-Blau-Orange, 2004 / Kuno Gonschior
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Daniel Richter und Jonathan Meese im Kunsthaus Stade

Was vom Bischof übrig blieb



Gottfried, Edler von Arnsberg und Erzbischof der heiligen Bremer Kirche, hat es schon im Leben nicht leicht gehabt. Als Unterlegener der Bremer Erzbischofsfehde musste er sich 1360 von seinem Konkurrenten Moritz von Oldenburg geschlagen geben und zog sich nach Stade zurück. Drei Jahre später, am 4. Dezember 1363, verstarb der Kirchenmann. Sein Leichnam wurde, wie es sich für einen Bischof gehört, in einer Gruft nahe dem Hochaltar der Stader Klosterkirche beigesetzt. Doch sein Martyrium war damit noch lange nicht beendet. Die einst stolze Hallenkirche wurde im Laufe der Reformation dem Erdboden gleich gemacht. Grabräuber erbeuteten Gottfrieds Bischofsring, und Gottfried versank im Schlamm der Geschichte.



In den 1990er Jahren schließlich wurde sein Grab von Archäologen wiederentdeckt. Doch Archäologie ist ein eher trockenes Thema, das nicht unbedingt die Massen ins Museum lockt. Der Stader Stadtarchäologe Andreas Schäfer beschloss daher, einmal einen ganz anderen Weg zu beschreiten. Er entsann sich seines alten Freundes Daniel Richter, 43, lud ihn ein, nach Stade zu kommen und sich künstlerisch mit dem Fund auseinanderzusetzen. Richter wiederum brachte zur Verstärkung noch seinen Kumpel Jonathan Meese, 34, mit. Gemeinsam schufen die beiden jetzt 14 Bilder, auf denen sie sich humorvoll, ironisch und manchmal vielleicht auch etwas pietätlos mit dem toten Kleriker auseinandersetzen. „Die Peitsche der Erinnerung“, so der Titel der Schau im Stader Kunsthaus, lockte bereits am Eröffnungsabend trotz widrigster Wetterverhältnisse mit Eis und Schnee ein buntes Kunstvölkchen in die alte Hansestadt, die einst größer und wichtiger als Hamburg war.

Richter und Meese sind im Kunstbetrieb schließlich keine Unbekannten. Während der eine mittlerweile zu den gefragtesten Malern der Gegenwart gehört, dessen Bilder auf Auktionen hohe Preise erzielen, versteht es der andere, sich mit provokanten Inszenierungen und kryptischen Statements immer wieder als Bad Boy der Kunstszene ins Gespräch zu bringen. Meeses Markenzeichen, die langen dunklen Haare, der Vollbart und die stets dunklen Adidasjacken mögen auf den ersten Blick verschrecken. Doch wer einmal mit ihm geredet hat, weiß, hinter der rauen Schale und dem wüst-martialischen Auftreten steckt ein ganz lieber Kerl von geradezu entwaffnender Höflichkeit.

Richter und Meese kennen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Zeit an der Hamburger Kunsthochschule. Für den Stader Bilderzyklus zogen sie sich in Richters Atelier zurück. Daniel Richter: „Ich habe irgendwelche Sachen auf eine Leinwand geklebt, dann hat Jonathan da drüber gemalt, und dann ich wieder auf das, was er gemacht hat. Wir haben uns nicht einschüchtern lassen von der Definitionsmacht der Historiker oder der Archäologen, die uns im Übrigen sehr wichtig ist.“

Ganz unverkrampft also haben sich die beiden der Geschichte gestellt, haben sich die historischen Fakten einverleibt, sie kurz verdaut und dann wieder ausgespieen. Das Makabre kippt um ins Witzig-Anekdotische. Die wissenschaftliche Akkuratesse in kalauernde Kommentare: „Grabt und findet“ steht auf einem Bild, und auf einer Sprechblase sind in rudimentärem Deutsch die dem toten Gottesmann in den Mund gelegten Worte „Die Toten dürfe nicht vergessen werde“ zu lesen. Der trashige Gestus überwiegt. Da wird dem etwas zahnlosen Schädel des hochwohlgeborenen Herrn eine Zigarre zwischen die Kiefer gesteckt. Ein tanzendes Gerippe mit Schaufel in der Hand posiert vor wissenschaftlichen Aufnahmen mit durchnummerierten Fundstücken. Ein toter Maulwurf - Alter Ego des Archäologen? - wird respektlos an die Wand geklebt, darunter prangt ein Schild: „Reserviert für Interpretationen“. Immer wieder tauchen überarbeitete Selbstporträts der beiden auf, die ob des Umgangs mit dem traurigen Schicksal des toten Bischofs anscheinend auch selbst kräftig ins Grübeln über die Vergänglichkeit der eigenen Existenz gekommen sind. Meese: „Wir sind zwei Moorleichen, die schon ein bisschen zu lange die Gegenwart bevölkern.“

Gottfried von Arnsberg wird durch diese Aktion ein ganz unerwarteter Nachruhm beschert. Der tote Bischof avanciert, geadelt durch die künstlerische Bearbeitung durch Richter und Meese, zum postumen Superstar. Der Stader Stadtdirektor Dirk Hattendorf jedenfalls träumt davon, „dass ‚Die Stader Bilder’ in der Kunstwelt ‚Furore’ machen werden.“ Richter und Meese, die ihre Bilder der Stadt Stade gestiftet haben, sind da wesentlich bescheidener. Die Zusammenarbeit hat ihnen viel Spaß gemacht. Um spekulativen Wertzuwachs geht es ihnen nicht. Richter: „Das sieht man ja, das ist ja nur ein bisschen Farbe, Kleister und Filzstift, das kann ja kein Wert sein.“

Die Ausstellung „Daniel Richter + Jonathan Meese. Die Peitsche der Erinnerung“ ist bis zum 19. März zu sehen. Das Kunsthaus Stade hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, am Samstag und Sonntag zusätzlich bis 18 Uhr geöffnet. Den Katalog mit 80 Seiten gibt es für 12 Euro.

Kontakt:

Kunsthaus Stade

Wasser West 7

DE-21682 Stade

Telefon:+49 (04141) 79 773 20

Telefax:+49 (04141) 79 773 99

E-Mail: info@kunsthaus-stade.de

www.meese-richter-stade.de



19.01.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 12

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Berichte (8)Künstler (2)

Veranstaltung vom:


18.01.2006, Daniel Richter + Jonathan Meese. Die Peitsche der Erinnerung

Bei:


Kunsthaus Stade

Bericht:


Jonathan Meese entwirft Schau im Dortmunder „U“

Bericht:


Daniel Richter in Wien

Bericht:


Neue Werke von Daniel Richter in Frankfurt

Bericht:


Bunte Beklemmung: Daniel Richter in Innsbruck

Bericht:


Wo die wilden Kerle wohnen

Bericht:


Daniel Richter in Salzburg

Bericht:


Der Preis ist heiß










Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce